Kandel Kunstsprechstunde: Ein Armband ist der Höhepunkt des Tages

Beratungsgespräch in einem Konferenzraum im „Hotel zur Pfalz“.
Beratungsgespräch in einem Konferenzraum im »Hotel zur Pfalz«.

Geerbter Schmuck, Fundstücke vom Dachboden – aus der ganzen Südpfalz kamen Interessenten zur „Kunststprechstunde“. Sie erfuhren, wofür es noch Bares gibt und wofür nicht.

Nicht nur Koffer und Reiseutensilien tragen die Menschen am Samstag von ihren Autos ins Kandeler Hotel „Zur Pfalz“. Nicht wenige, die im Laufe des Tages hier ankommen, bringen Taschen, kleine Kartons oder große Bilder mit, die nur wenig oder gar nicht eingepackt sind. Ihr Ziel ist nicht der Check-in-Schalter in der Hotellobby, sondern eine „Kunstsprechstunde“, die in den Konferenzräumen des Hotels angeboten wird. Viele haben sich hierzu im Vorfeld bereits einen Termin geben lassen, andere kommen spontan vorbei. Und manche wollen auch nur mal sehen, wie so etwas abläuft, denn aus dem Fernsehen kennt man das ja schon.

Überraschend großer Andrand

Veranstalter dieser „Kunstsprechstunde“ ist das Mannheimer-Auktionshaus der Familie Bamberger. Nach eigenen Angaben ist man seit 75 Jahren im Geschäft, nicht nur in Mannheim. Und wer in München mal über den Viktualienmarkt gelaufen ist, der hat ganz bestimmt auch einen Blick in das Auktionshaus geworfen, das sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet. Das Mannheimer Kunsthaus gibt es nun schon einige Jahre. Erstmals aber ist man in Kandel zu Gast, aber womöglich nicht zum letzten Male. Denn mit dem Verlauf der Auktion zeigt sich Goldschmied Charles Bamberger schon am späten Nachmittag mehr als zufrieden. Mit 37 gemeldeten Kunden hatte man gerechnet, mehr als doppelt so viele schauen vorbei und werden beraten, auch von Bambergers Ehefrau und von Sohn Alegra Gärtner, Geschäftsführer des Auktionshauses.

Die drei sitzen in einem großen Konferenzsaal an Tischen, an denen nacheinander die Kunden Platz nehmen. Diese bringen Gemälde, Bronzeskulpturen, Goldschmuck oder Münzen mit, deren Wert sie meist nicht kennen und deshalb zunächst schätzen lassen wollen. Dabei vertrauen sie ihrem Gegenüber. Viele haben sich zuvor bereits im Internet über das Auktionshaus informiert, bemerkt Charles Bamberger. Hier fällt übrigens auf, dass alle Kunden das Auktionshaus in höchsten Tönen loben.

Und was ist mit Porzellangeschirr?

Die Frage ist, ob Interesse am Ankauf der Gegenstände besteht. Gold, Schmuck, Münzen und auch Bilder gehen gut. Gar nicht interessiert ist man an Drucken oder an Büchern, so ist zu hören. Nicht für alles gibt es heute noch einen Markt. So interessiert sich niemand mehr für Porzellangeschirr, sehe es auch noch so schön aus. Absagen nehmen einige Kunden hin, und wenn sie enttäuscht sind, dann lassen sie sich das nicht anmerken. Sie sind auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher geworden. Die interessanten Gegenstände werden kritisch betrachtet, bei Bildern wird auch mal kurz im Internet recherchiert, damit sich die Ankäufer schnell orientieren können.

Ankaufen, in Kommission nehmen oder für eine größere Auktion vormerken. Das muss bei dieser Verkaufsform rasch entschieden werden, denn eine lange Vorberatungszeit haben die Fachleute vom Auktionshaus nicht. Dadurch unterscheidet sich die Kunstsprechstunde von Aktionen wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Während in der ZDF-Sendung „Bares für Rares“, auf die man sich hier gerne bezieht und die teilweise als Vorbild dient, zwischen der Begutachtung durch eine Expertin oder einen Experten und dem Verkaufsgespräch mit verschiedenen Händlern oft viele Tage vergehen, sind die Leute aus Mannheim ganz alleine auf sich gestellt. Und sie wissen nichts von einem „Schätzpreis“ und die Kunden bekommen auch kein „Händlerkärtschen“ ausgehändigt.

Das ist auch nicht notwendig. Denn hier ist eine spontane Entscheidungsfindung erforderlich. Auf der einen Seite sitzen die Kunden, oft zu zweit, dem Kunstexperten, der zugleich Einkäufer ist, gegenüber. Charles Bamberger etwa freut sich, einer älteren Dame mehrere Hundert Euroscheine für zwei Goldmünzen aushändigen zu können. Leider findet die Dame die dritte Münze nicht mehr in ihrer Tasche, zieht aber dennoch zufrieden von dannen.

Im Laufe des Tages stapeln sich auf einem vierten Tisch die Silberbestecke. Hier gelte der Tagespreis für das Material, Form und Aussehen spielen eigentlich keine Rolle mehr. Die Leute geben ihr Tafelsilber ab, es eignet sich ja nicht für die Spülmaschine, und wer will das Silber immer wieder von Hand putzen? Aber Uhren und Schmuck werden gerne gekauft. Auch der Goldpreis lässt sich derzeit sehen. Ein mit Diamanten besetztes Armband dürfte das Highlight des Tages gewesen sein, meint Bamberger.

Vielleicht gibt es eine Fortsetzung

Bei allen Geschäften dieser Art ist Diskretion ganz wichtig. Die Menschen verlassen sich darauf, dass alles vertraulich behandelt wird. Warum sie etwas verkaufen? Woher sie die Gegenstände haben? Ob es sich um Erbstücke handelt oder den „Krempel“ einfach loswerden wollen, das spielt jetzt keine Rolle mehr. Immerhin erfahren wir von einigen Kunden, die aus der gesamten Südpfalz angereist kommen, dass sie das Angebot schon gut finden. So etwas könnte es in regelmäßigen Abständen geben, sagte uns ein Kunde während er geduldig wartet, ehe er an der Reihe ist. Ein weiterer Mitarbeiter fiel aus, erfahren wir, und dass man mit diesem Ansturm eigentlich nicht rechnen konnte. Mit der Location im Hotel „Zur Pfalz“ ist man beim Mannheimer-Auktionshaus sehr zufrieden. Und mit der Bienwaldstadt als Veranstaltungsort habe man eh einen Volltreffer gelandet, so Bamberger, dessen Einzugsgebiet die Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg umfasst.

Familie Bamberger berät an drei Tischen.
Familie Bamberger berät an drei Tischen.
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