RÜLZHEIM „Kuckuckskinder“ im Storchennest
Nachbarn des Storchennestes hatten berichtet, dass sie seit einigen Tagen kein Storchengeklapper mehr gehört hatten. Auch hatten sie beobachtet, dass beide Altvögel auf dem Nest standen, wo doch sonst normalerweise immer einer von beiden auf Futtersuche ist, während der andere das Nest bewacht.
Diese Hinweise nahmen Christian Reis, Leiter der Storchenscheune Bornheim, und der Vorsitzende des Vogel- und Naturschutzvereins Rülzheim, Reinhold Hartweg, als weiteres Indiz dafür, dass die beiden Jungtiere wohl Opfer der Unwetter einige Tage zuvor geworden waren. Um zu vermeiden, dass die Elternstörche das Nest aufgeben, war also höchste Eile geboten. Reis brachte schon am selben Nachmittag zwei junge Störche aus dem Bornheimer Storchenzentrum, die dort versorgt wurden, nachdem ihr Vater in Lachen-Speyerdorf einen tödlichen Stromschlag erlitten hatte, nach Rülzheim.
Hartweg hatte in der Zwischenzeit die Rülzheimer Feuerwehr informiert, die den Storchenfreuenden schon immer mit ihrer Drehleiter geholfen hatten. Die zwei nun beringten Jungvögel wurden mit der Drehleiter zum Storchennest befördert, die zwei toten Küken geborgen und danach die beiden „Adoptivkinder“ ins Nest gesetzt. Nur wenig später flog die Storchenmama, die die Aktion um das Nest herumfliegend beobachtet hatte, zurück an ihr Nest und schien erstaunt, dass ihre Kleinen in so kurzer Zeit sichtlich gewachsen waren. „Wer jetzt am Storchennest vorbeischaut, kann leicht erkennen, dass Storcheneltern und ’Kuckuckskinder’ ein Herz und eine Seele sind“, freuen sich Reis und Hartweg. Besonderer Dank gelte dem Bornheimer Storchenzentrum und Christian Reis für ihr schnelles Eingreifen, so Hartweg, aber auch der Feuerwehr müsse gedankte werden, „denn was wäre all unser Einsatz ohne die Hilfe der Rülzheimer Feuerwehr?“