Kreis Germersheim Kreis Germersheim: Trotz Winterdienstes ist Vorsicht geboten
Die Straßenmeisterei Kandel sieht sich gut für den Winter gerüstet
Rund 70 Glättemeldeanlagen wurden auf rheinland-pfälzischen Autobahnen und Bundesstraßen installiert, um den Straßenmeistereien Daten über Temperatur, Gefrierpunkt und Zustand der Fahrbahnen zu liefern. Mit Hilfe dieser Daten kann das Risiko einer Straßenglätte bestimmt werden; die Straßenmeistereien wissen, wann gestreut werden muss, so der Landesbetrieb Mobilität (LBM) auf seiner Homepage. Allerdings nicht im Kreis Germersheim. Der Straßenmeisterei Kandel (SM Kandel) stehen keine dieser Glättemeldeanlagen zur Verfügung, sagt Martin Jahn, Leiter der Masterstraßenmeisterei Landau.
Entscheiden anhand der Wettervorhersage
Wann der Winterdienst ausrückt, entscheiden Jahns Mitarbeiter anhand der Wettervorhersagen des Straßenwetter-Informationssystems. „Die Vorhersagen werden mehrmals am Tag beobachtet“, so Jahn. „Um schnell auf Wetterlagen reagieren zu können, verfügt die SM Kandel über einen Bereitschaftsplan. Gearbeitet wird in einer Früh- und einer Spätschicht. Eine Schicht besteht aus bis zu acht Mitarbeitern. Wird entsprechendes Winterwetter vorhergesagt, ist ab 2 Uhr ein Kontrolldienst auf den Straßen unterwegs. Insgesamt verfügt die SM Kandel über sieben Streu- und Räumfahrzeuge. Drei Fahrzeuge zählt die SM Kandel zu ihren eigenen, vier Fahrzeuge sind von Fremdfirmen angemietet“, berichtet Jahn.
Eine Ladung reicht für 35 Kilometer
Ein Streufahrzeug kann zwischen fünf und sieben Kubikmeter Streusalz laden. Die SM Kandel setzt gegen Eis und Schnee Feuchtsalz ein, sagte Jahn. Aufgrund seiner Feuchtigkeit hafte es auf reif- und eisglatter Fahrbahn besser als Trockensalz. Es setze den Auftauprozess schneller in Gang und halte die Straßen länger eisfrei. In den Streugutbehältern wird trockenes Salz geladen. In separaten Soletanks befindet sich flüssige Sole. Auftausalz und Sole werden erst auf dem Streuteller der Fahrzeuge gemischt und danach auf die Straße geschleudert, so der LBM. Eine Ladung reiche für eine Strecke von 35 bis 40 Kilometern. 20 bis 25 Gramm Feuchtsalz pro Quadratmeter werden verstreut.
1700 Tonnen Salz auf Lager
Insgesamt werden durch die SM Kandel 1700 Tonnen Streusalz in einem Hauptlager in Kandel und einem Stützpunkt in Germersheim für den Winter bereitgehalten. Je nach Wetterlage mussten in den vergangenen Wintern nicht selten 800 bis 900 Tonnen Salz nachbestellt werden, so Jahn auf Nachfrage. Hinzu kommen 30.000 Liter Sole, die ebenfalls auf dem Stützpunkt in Germersheim gelagert werden. Zusätzlich kann die SM Kandel ihre Sole auch auf dem eigenen Betriebsgelände mischen. Hierzu wird Streusalz und Wasser in einer „Mixstation“ vermengt, so ein Mitarbeiter der SM Kandel. Das Streusalz beziehe die SM Kandel von der Südsalz GmbH mit Sitz in Heilbronn.
"Können nicht überall gleichzeitig sein"
Martin Jahn bittet die Verkehrsteilnehmer um Verständnis, dass die Räumfahrzeuge nicht überall gleichzeitig sein können. Die Winterdienstmaßnahmen werden nach Dringlichkeit vorgenommen. Jedes Fahrzeug fahre im Einsatz eine vorgeplante Route ab. Ein Fahrzeug sei für die B9, ein weiteres für die L540 eingeplant. Die restlichen Fahrzeuge fahren Routen ab, die von Linien des öffentlichen Nahverkehrs oder Schulbussen sowie dem Schwerlastverkehr befahren werden. Im Anschluss folgen die weniger befahrenen Straßen, so Jahn.
Vorsicht mit riskanten Überholmanövern
Der ADAC warnt davor, auch wenn der meist langsam fahrende Winterdienst Autofahrer auf eine harte Geduldsprobe stellt, die Streu- und Räumfahrzeuge nicht zu überholen. Vor ihnen ist die Fahrbahn häufig gefährlich glatt, so der ADAC. Der Club legt den Verkehrsteilnehmern nahe, den Streufahrzeugen Platz zu machen, zurückhaltend zu fahren und auf keinen Fall durch riskantes Überholen die Arbeit der Räumfahrzeuge zu behindern. Wer zu nah auffährt, werde mit Salz und Schnee bespritzt. Das verschmiere die Windschutzscheibe und beeinträchtige die Sicht.
Kein Recht auf eisfreie Straßen
Ein grundsätzliches Anrecht auf eis- und schneefreie Straßen besteht laut dem LBM nicht. Autobahnen sollen rund um die Uhr befahrbar sein. Die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien sind bei Winterwetter 24 Stunden in Bereitschaft oder im Einsatz. Für Straßen außerhalb geschlossener Ortslagen gilt, dass sie per Gesetz bei Winterglätte nach besten Kräften geräumt und gestreut werden sollen. Eine Verpflichtung, alle Straßen jederzeit von Schnee frei zu halten und bei Glätte zu streuen, sei damit jedoch nicht verbunden, so der LBM.
Winterdienst senkt Unfallrate um bis zu 80 Prozent
In seinem Leitfaden „Der Winterdienst“ führt der ADAC an, dass die Unfallzahlen durch den Winterdienst drastisch gesenkt wurden. Die Glätte der Straßen und daher die Unfallhäufigkeit sind vor einem Winterdiensteinsatz massiv erhöht. Untersuchungen der TH Darmstadt zufolge sinkt die Unfallrate auf winterlichen Außerortsstraßen nach dem Räum- und Streueinsatz um bis zu 80 Prozent ab.