Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis Germersheim: Grippe bereitet aktuell mehr Sorgen als Corona-Virus

Die Asklepios-Klinken in Germersheim und Kandel sind gut vorbereitet.
Die Asklepios-Klinken in Germersheim und Kandel sind gut vorbereitet. Foto: Sandbiller

Keine Panik wegen des Corona-Virus: Gut vorbereitet, aber unaufgeregt sind beiden Asklepios-Kliniken sowie die Firmen mit Asien-Kontaken im Landkreis Germersheim. Auf Nachfrage haben sie erzählt, welche Symptome sie bei Patienten besonders beobachten und weshalb ein Taxi eine wichtige Rolle spielen kann.

Die Stimmung in den Asklepios-Kliniken in Kandel und Germersheim sei noch ruhig, sagt Prof. Dr. Jörg Stypmann, Ärztlicher Direktor in Kandel. „Wir sind in sehr engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt vor Ort“, auch habe man schon Vorbereitungen getroffen, falls Patienten behandelt werden müssen, so Stypmann. Man fühle sich gut vorbereitet und habe mit dem Robert-Koch-Institut und dem Gesundheitsamt Rücksprache gehalten. Die benötigten Materialien wie zum Beispiel Schutzkleidung hätten die Kliniken in ausreichender Menge auf Lager. Bei der Schutzkleidung handele es sich um Einmalartikel, die nach der Benutzung verbrannt werden würden. Bisher – Stand Freitagvormittag – sei man noch nicht um Hilfe gebeten worden, um die deutschen oder amerikanischen Rückkehrer medizinisch zu versorgen.

Patienten werden gezielt nach Reisen gefragt

Man habe die Ärzte geschult, so dass sie ohne Probleme die Symptome des Virus erkennen könnten, erklärte Stypmann. Auch die Bögen für eine Reiseanamnese sollen schon bereitliegen, das bedeutete, dass Patienten nach etwaigen Reisen oder Kontakten befragt werden. Die Krankenzimmer, in denen mögliche Patienten dann untergebracht und isoliert werden sollen, seien festgelegt. Die jungen Kollegen seien gut vorbereitet, betonte Stypmann. Wie gefährlich der Corona-Virus sei, könne er jedoch bisher noch nicht einschätzen.

Und wie erkennen die Ärzte, ob es sich um eine Infektion mit dem Virus handeln könnte? Die Unterschiede zwischen einer normalen Grippe, oder auch einer Erkältung und dem Corona-Virus, seien „marginal“, so Stypmann. Das Corona-Virus befalle jedoch den tiefen Rachenraum und die Bronchien. Zudem hätten die Patienten hohes Fieber. Bei einer einfachen Grippe kämen zudem Glieder-, Bauch- und Kopfschmerzen hinzu.

Um den Unterschied zwischen einer normalen Grippe und dem Corona-Virus eindeutig zu erkennen, würde man bei den Patienten einen tiefen Rachenabstrich einholen, erklärte Jörg Stypmann. Dieser würde dann transportsicher von einem Taxi in ein spezialisiertes Labor nach Karlsruhe gebracht. Die Gefahr, die von der Grippewelle in Deutschland ausgehe, schätzt Stypmann zumindest derzeit noch höher ein als die Gefahr, die vom Corona Virus ausgeht. Es handle sich hier vor allem um eine „große politische Angst“, so Stypmann.

Bei Sorge um Infektion an Klinik wenden

Bisher sei die Stimmung ruhig, es sei noch niemand ins Krankenhaus gekommen, der dachte, dass er vom Corona-Virus befallen sei. Gefährdet seien vor allem chronisch kranke Menschen, wie zum Beispiel Dialysepatienten, oder Patienten nach einer Organtransplantation, so Stypmann. Die Behandlung des Corona-Virus laufe symptomatisch ab, dass heißt man würde die Patienten unter anderem mit fieberlösenden und schleimlösenden Medikamenten versorgen. Wer selbst den Verdacht habe, er sei vom Corona-Virus befallen, sollte nicht direkt den Notarzt anrufen, sondern das nächste Krankenhaus kontaktieren und die Anweisungen des Krankenhauses befolgen, erläutert Stypmann.

Keine Reisen nach China

Viele der im Kreis Germersheim ansässigen Firmen, haben geschäftlich in China zu tun. Die Daimler AG betonte, dass nicht zwingend notwendige Geschäftsreisen nach China bis Mitte Februar ausgesetzt werden. Bei Daimler orientiere man sich an den aktuellen Hinweisen und Informationen der Weltgesundheitsorganisation, dem Auswärtigen Amt und anderer Institutionen. Reisen in Länder mit besonderen Gesundheitsrisiken müssten vorab immer mit dem Werksärztlichen Dienst besprochen werden, zudem informiere man die Mitarbeiter über das Social Intranet und biete eine Hotline an.

Standort wegen Neujahrsfeiern geschlossen

Bei der David + Baader GmbH aus Rülzheim beobachte man die aktuelle Entwicklung sorgsam und stehe in Kontakt mit seinen chinesischen Standorten. Bisher gäbe es jedoch keine Meldung von Infektion. Laut dem Unternehmen befinden sich aktuell keine Mitarbeiter auf einer Geschäftsreise in China. Von geplanten Reisen nach China nehme man derzeit Abstand, so die Geschäftsleitung. Die DBK Standorte in China seien überdies derzeit aufgrund der Neujahrsfeierlichkeiten noch mindestens eine weitere Woche geschlossen. Das Unternehmen betonte, dass es keine DBK Standorte in der Region Hubei gäbe. Dort befindet sich die Stadt Wuhan, in der das Virus zuerst festgestellt wurde.

Auch bei ITK-Engineering befinden sich derzeit keine Mitarbeiter auf einer Geschäftsreise in China, so Lena Teifel, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der ITK. Geplante Dienstreisen nach China sollen abgesagt, oder verschoben werden, so Teifel.

x