Kreis Germersheim
Kreis Germersheim: Erste Hilfe in fünf Minuten
Wenn in der Notrufzentrale in Landau die Alarmglocken schrillen, werden automatisch auch die Ersthelfer oder First Responder (wörtlich übersetzt: Erster Antwortender) alarmiert. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sind meist die Ersten am Einsatzort und können bereits Opfer animieren oder stabilisieren, wenn Krankenwagen und Notarzt noch unterwegs sind.
„Im Schnitt sind wir innerhalb von fünf Minuten am Einsatzort“, berichtet Thomas Kreiner, Mitbegründer und Koordinator der etwa zehnköpfigen First-Responder-Gruppe aus Ottersheim. Je nachdem von wo der Rettungsdienst anfahren muss, können schon mal bis zu 20 Minuten vergehen – zu spät für viele Herzinfarktpatienten. „Gerade in solchen Fällen geht es um Minuten“, weiß der ausgebildete Rettungssanitäter Kreiner. Mit seinen Kollegen ist er hauptsächlich in Ottersheim und Knittelsheim tätig.
Ergänzung des Rettungssystems
Eine weitere First-Responder-Gruppe ist für Bellheim und Zeiskam zuständig. Und seit 2013 gibt es eine Gruppe in Leimersheim, die auch Kuhardt mitversorgt. Von der ersten Idee Mitte der 1990-er Jahre, eine solche Gruppe aufzubauen, bis zur Umsetzung 2001 in Ottersheim und Bellheim, sind einige Jahre ins Land gezogen. Rechtliche und versicherungstechnische Fragen mussten geklärt, Kompetenzgerangel ausgehalten und beseitigt werden. „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum bestehenden Rettungssystem, sondern als Ergänzung“, sagt Kreiner. Seine Kollegen Heiner Butz und Jochen Weinheimer aus Bellheim, sowie Christian Schöneich aus Leimersheim sehen das ebenso.
Schnelligkeit Trumpf der First Responder
Gerade in weitläufigen, ländlichen Gebieten kann die Bevölkerung so mit schneller Hilfe versorgt werden. Von Herzinfarkten und Schlaganfällen bis hin zu Verkehrs- und Badeunfällen oder hochfiebrigen Kleinkindern reicht das Einsatzspektrum. „Mit gut ausgebildeten Ersthelfern die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sinnvoll zu überbrücken, ist unser wichtigstes Anliegen“, sagen sie. Oft können die First Responder schon erste, wichtige Daten an die nahenden Rettungskräfte weitergeben, bei Bedarf weitere Einsatzkräfte anfordern oder über besondere geografische Gegebenheiten informieren, leisten Tragehilfe bei schwergewichtigen Patienten, betreuen Angehörige oder kümmern sich um die Wohnung, wenn ein Patient überraschend ins Krankenhaus muss, beschreibt Butz die Aufgaben.
Rundum-Paket für Notfälle
„Wir schauen dann, dass die Fenster zu, das Licht aus und auch sonst alles in Ordnung ist und bringen, wenn nötig, die Schlüssel zu Angehörigen oder organisieren die Kinderbetreuung“, erzählt Kreiner. Im Oktober ist die Ottersheimer Gruppe zu ihrem 1000. Einsatz gerufen worden, in Bellheim waren es im gleichen Zeitraum etwa 4300 und die noch junge Leimersheimer Gruppe ist mit etwa 380 Einsätzen jede Woche mindestens einmal im Einsatz.
Neues Rettungsgesetz: Bürokratie befürchtet
Angesiedelt bei der Freiwilligen Feuerwehr (Ottersheim) oder dem DRK sind die First Responder als allgemeine örtliche Hilfe von der Verbandsgemeinde beauftragt und somit versicherungs- und haftungsrechtlich abgesichert. Nun ist seitens der Landesregierung angedacht, die schnelle Hilfe im neuen Rettungsgesetz zu verankern. Das macht Heiner Butz einige Sorgen. „Die rechtlichen Grundlagen sind da und ausreichend“, sagt er. Neue rechtliche Grundlagen mit womöglich anderen Zuständigkeiten könnten die schnelle Hilfe der First Responder eher ausbremsen statt befördern, so seine Befürchtung.