Kreis Germersheim Kommentar: Es ist ein Knochenjob

Placeholder-Image

Nur kritisieren reicht nicht. Heime und Aufsicht müssen

genauer hinschauen, mehr kontrollieren und besser bezahlen.

Wenn Menschen mit Menschen arbeiten, kann viel schief gehen. Offensichtlich lief es im Team rund um einen Bewohner des Behindertenheimes in Kandel nicht mehr rund, Betreuer verhielten sich grob, respektlos, gefährdeten vielleicht das Wohl des Betroffenen. Die Alarmglocken hätten bei der Leitung schrillen müssen, als das Team keine Supervision wünschte. Doch immerhin wurden, anders als in Speyer, die Missstände innerhalb des Hauses angesprochen. Aber das Problem reicht weit über die Lebenshilfe hinaus: Übergriffe kommen in vielen Heimen vor, sagen die Statistiken. Denn Pflege ist nicht nur ein sanftes Begleiten, Tabletten reichen und Händchenhalten. Oft geht es um Extremsituationen, die die Pflegenden an ihre Grenzen bringen, physisch und psychisch. Dann muss es klare Regeln geben, ein Klima, in dem über Probleme berichtet werden kann und das Bewusstsein dafür, dass Kontrollen von außen – sei es von Behörden und oder den kritischen Blick von Besuchern – jederzeit möglich wären. Der Fachkräftemangel verschärft die Situation. Es ist ein offenes Geheimnis, dass selbst eher schlechte Kräfte nach einer Kündigung schnell eine Neuanstellung finden – die Not ist groß. Das zeigen auch aktuelle Stellenanzeigen: Da ist von Altersvorsorge, Karriereplanung und Möglichkeit einer Sabbatzeit die Rede. Doch eine grundlegende Verbesserung wird es erst geben, wenn der Knochenjob Pflege ein attraktives Berufsbild wird. Und das hängt bei allen Extras auch an der Bezahlung.

x