Kreis Germersheim Kommentar: Es geht voran!

Die Beton-Architektur des Europa-Gymnasiums stammt aus einer Zeit, die viele von uns – historisch betrachtet – noch ihrer Gegenwart zurechnen.
„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Es geht voran!“ – An die Denkmalschutzbehörde haben die „Fehlfarben“ sicher nicht gedacht, als sie 1980 ihre Platte „Monarchie und Alltag“ aufnahmen. Aber dank der Arbeit der Denkmalschützer beginnt jetzt auch in Wörth die Historisierung unseres Alltags. Die Beton-Architektur des Europa-Gymnasiums stammt aus einer Zeit, die viele von uns – historisch betrachtet – noch ihrer eigenen Gegenwart zurechnen. Dabei sind die Grenzen natürlich fließend. Vergangenheit – die beginnt für die einen erst in der Nachkriegszeit, für die anderen mit dem Mauerfall. Schützenswerte Denkmäler werden aber klar in der Vergangenheit verortet: Typisch sind das unverkennbar „alte“ Fachwerkhaus und die „schöne“ Villa aus der Gründerzeit. Auch Fabrikarchitektur aus dem 19. Jahrhundert wird mittlerweile als schützenswert akzeptiert: Die imposanten Ziegelbauten lassen sich im Inneren mit modernen Mitteln vielfältig nutzen Aber eine Schule aus Beton, erbaut in den Jahren 1967 bis 1975? Nun, sie gehört sicher zum kulturellen Erbe der Stadt Wörth. Denn sie steht für eine Architektur, für eine Ästhetik, mit der aus dem Dorf der Industrieort gemacht wurde, der Wörth heute ist. Romantisch und schön ist das nicht – aber das waren die Fabrikantenvilla und die Fabrik in den Augen der Arbeiter auch nicht. Auch daran sollten wir uns erinnern, wenn Geschichte gemacht wird.
