Kandel
Klinikpersonal: Langes Warten auf Impfstoff
„Die Liste der Impflinge stand schon im Dezember, den Antrag auf Impfstoff haben wir im November gestellt. Am Montag kam jetzt endlich die erste Ladung“, erzählt Michael Königs, ärztlicher Leiter der Klinikhygiene und Hauptverantwortlicher für die Impftermine in der Klinik. Besonders nervenaufreibend sei die Organisation der Impfungen gewesen. „Zuerst wollten wir die Impfungen im Impfzentrum in Wörth koordinieren. Aber das Land hatte etwas dagegen. Deshalb haben wir die Strukturen im Haus selbst aufbauen müssen.“ Trotzdem lobt der Allgemeinmediziner die gute Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum: „Man stand uns wirklich mit Rat und Tat zur Seite.“
Eine besondere Herausforderung sei der viele Papierkram gewesen, erzählt Königs. In dem eigens für die Impfungen eingerichteten Räumen der Klinik zeigt sich das eindrucksvoll: Hier stapeln sich 3000 Blätter auf einem Tisch in feinsäuberlichen Stapeln. Das seien personalisierte Dokumente für das zu impfende Personal, die er für die Abwicklung habe ausdrucken müssen. Ein bürokratischer Akt, der Königs besonders wegen der Menge der angekündigten Impfdosen frustriert. „Seit der ersten Kalenderwoche habe ich 315 Mitarbeiter zur Impfung angemeldet. Jetzt haben wir lediglich 100 Impfdosen zugeteilt bekommen. Damit können wir noch nicht einmal alle der Priorisierungsstufe 1 impfen lassen“, ärgert sich der Mediziner.
Auch die Kollegen frustriere diese Situation sehr. „Wenn man dann sieht, dass andere Krankenhäuser bereits seit vier Wochen impfen können und dann auch noch einen anderen Impfstoff bekommen, als wir – das ist nervenaufreibend“, erklärt Sabine Bauer. Sie ist „die Frau hinter der Spritze“, und für die Impfung ihrer Kollegen zuständig.
Belegschaft frustriert
Besonders die Entscheidung, dass das Klinikum den Impfstoff Astrazeneka zugeteilt bekommen habe, sei für einige Impfwillige ein Problem gewesen. Der Impfstoff hat in den vergangenen Wochen für Aufmerksamkeit gesorgt, da er nur eine Sicherheit von 60 Prozent garantiere, Menschen über 63 Jahren damit nicht geimpft werden dürften und einige deutsche Kliniken die Verabreichung an ihre Mitarbeiter aufgrund von Nebenwirkungen sogar gestoppt hatten. Aber auch dieses Problem habe man laut Königs schnell aus der Welt geschafft. Seine Devise: eine gute und persönliche Aufklärung. „Ja, es gab ein paar Kollegen, die Bedenken hatten. Für die habe ich mir am Wochenende die Zeit genommen“, erzählt er. Am Ende habe jeder Zweifler einer Impfung zugestimmt. 60 Prozent Sicherheit sei immerhin besser als gar nicht.
Die Impfung selbst läuft im Übrigen nach all den bürokratischen Strapazen sehr unkompliziert ab. Ein kurzes Aufklärungsgespräch über mögliche Nebenwirkungen, ein kleiner Pieks, dann ist alles vorbei. Das dauere meist keine 10 Minuten. Und danach gehen die meisten zurück zu ihrer Arbeit. „War super, ich habe gar nichts gespürt“, sagt auch Jana Nohe nach ihrer Impfung. Die 47-Jährige ist in der Anästhesie und Intensivstation tätig, steht im täglichen Kontakt zu Coronapatienten. „Wir haben hier so lange auf die Impfung gewartet. Ich bin froh, dass ich sie jetzt habe. Denn trotz aller Schutzmaßnahmen habe ich ein ungutes Gefühl bei der Arbeit.“ Sie ist jetzt gespannt, ob sich Nebenwirkungen von der Impfung einstellen.
Viele mit Nebenwirkungen
„Man kann sagen, dass 20 Prozent der bisher geimpften Mitarbeiter so starke Nebenwirkungen wie Fieber oder Gliederschmerzen hatten, dass sie am nächsten Tag nicht zu Arbeit kommen konnten“, erklärt Königs, der selbst nach seiner Impfung von Nebenwirkungen verschont geblieben ist. Diese seien auch der Grund, dass er nicht das gesamte Personal einer Abteilung zur ersten Impfung ausgewählt hat. „Wir haben bunt gemischt. Im schlimmsten Fall bricht uns sonst beispielsweise die gesamte Intensivstation weg.“
Wann Königs weiteren Impfstoff erhält, und hoffentlich das restliche Personal zur Impfung eintragen darf, weiß er nicht. Er wünsche sich mehr Transparenz in der Sache. „Einerseits soll eine hohe Impfquote erreicht werden, andererseits lässt man uns hier an der Front im Regen stehen. Ich hoffe sehr, dass es diesmal keine acht Wochen dauert, bis wir den nächsten Impfstoff erhalten“, sagt der Mediziner.