Hagenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Kirche ohne Geld: Plötzlich ist das Pfarrheim weg

Getrennt verkauft: Das frühere Schwesternhaus (links) gehörte dem Dominikaner-Orden, das frühere Pfarrheim (rechts) – bis vor ku
Getrennt verkauft: Das frühere Schwesternhaus (links) gehörte dem Dominikaner-Orden, das frühere Pfarrheim (rechts) – bis vor kurzem noch katholische Bibliothek – der Kirchen gemeinde.

Der Verkauf ihres Domizils hat Katholiken in Hagenbach überrascht. Manche sind verärgert, viele resigniert. Über allem schwebt die bange Frage: Hat die Kirchengemeinde eine Zukunft?

Wie tief der Ärger über den Verkauf des Pfarrheims sitzt, verdeutlicht der jüngste Gemeindebrief. Auf zwei Seiten berichten Stephan Petri (Leitender Pfarrer) und Axel Feurer (Mitglied des Verwaltungsrats der Pfarrei) detailliert über das Immobiliengeschäft.

Der neue Eigentümer des Pfarrheims ist dem Brief zufolge der Hagenbacher Rechtsanwalt Christian Goll. Als Kaufpreis erhielt die Hagenbacher Kirchenstiftung laut Pfarrbrief 160.000 Euro. Goll hat im März 2023 auch das daneben liegende Schwesternhaus gekauft, es gehörte den Dominikanerinnen in Speyer. Beide Gebäude wurden von einem Maklerbüro öffentlich zum Verkauf angeboten, das Schwesternwohnhaus laut einem Exposé für 295.000 Euro.

Mehr zum Thema

Der Exodus hat Folgen.
Kommentar

RHEINPFALZ Plus Artikel
Auf Teufel komm raus

Das Pfarrzentrum aus gelben Ziegelsteinen (links) steht als Rückgebäude zwischen dem ehemaligen Pfarrheim und der Kirche.
Das Pfarrzentrum aus gelben Ziegelsteinen (links) steht als Rückgebäude zwischen dem ehemaligen Pfarrheim und der Kirche.

Kellergeschoss gemietet

Beim Verkauf des Pfarrheims wurde laut Pfarrbrief außerdem vereinbart, dass die Kirchenstiftung einen Saal mit Bühne im Kellergeschoss für fünf Jahre für 890 Euro inklusive Heizung mietet. Darin sollen Aktivitäten der Kirchengemeinde wie Kirchenchor, Messdiener und Singkreis weiter betrieben werden können: „Das gibt uns Zeit eventuell nach anderen Lösungen umzuschauen.“ Die katholische Bücherei wird nicht weitergeführt.

Viele engagierte Mitglieder der Hagenbacher Pfarrgemeinde nehmen den Verkauf enttäuscht und resigniert hin; sie wollen deshalb auch nicht öffentlich darüber sprechen. Eine der kritischen Stimmen kommt von Herbert Münzing, Leiter des katholischen Kirchenchors. Der Raum im Keller wurde bisher fast ausschließlich vom Chor als Proberaum und für kleine Feiern genutzt, sagt er. „Jetzt wird überraschend und kurzfristig gefordert, dass wir uns mit Messdienern und Frauengemeinschaft zusammenfinden sollen.“ Zudem solle der Raum noch für Sitzungen genutzt werden.

Früheres kirchliches Areal in der Schloßgärtenstraße: Rechts das frühere Pfarrheim - bis vor kurzem noch Bibliothek –, links etw
Früheres kirchliches Areal in der Schloßgärtenstraße: Rechts das frühere Pfarrheim - bis vor kurzem noch Bibliothek –, links etwas im Hintergrund das frühere Schwesternheim.

„Was ist in fünf Jahren?“

Allerdings sei seit mehreren Jahren bekannt gewesen, dass etwas geschehen muss, so Münzing: „Uns war bewusst, dass die zusammengelegte Pfarrei was aufgeben muss, auch aus finanziellen Gründen.“ „Vor allem stellt sich uns die Frage: Was ist in fünf Jahren?“, sagt Münzing. Dann laufe der Mietvertrag für den Kellerraum aus.

Überlegungen, den Chor in der ehemaligen Hauptschule unterzubringen, beurteilt Münzing skeptisch: „Wenn die Chormitglieder ohne Aufzug in das dritte Obergeschoss müssen, dann kommen sie nicht mehr.“ Als Alternative verweist er auf frühere Überlegungen, im neben dem Pfarrzentrum liegenden Pfarrgarten einen neuen Pavillon zu bauen. „Die Leute fragen, was mit dem Verkaufserlös gemacht wird, wird da was in Hagenbach bleiben“, sagt Münzing und verweist noch auf Grundstücke in einem geplanten Baugebiet, die der Kirchenstiftung gehören.

St. Michael: Eine schöne Kulisse beispielsweise für den Markt, aber hinter den Kulissen brodelt es.
St. Michael: Eine schöne Kulisse beispielsweise für den Markt, aber hinter den Kulissen brodelt es.

„Vom Verkauf des Schwesternhauses überrascht“

„Wir waren vom Verkauf des Schwesternhauses auch überrascht“, sagt Stephan Petri, Leiter der Großpfarrei St. Christophorus und damit zuständig für die katholischen Kirchengemeinden in Wörth, Berg, Büchelberg, Maximiliansau, Neuburg, Scheibenhardt und auch Hagenbach. Anfangs sei ein gemeinsamer Verkauf von Pfarrzentrum und Schwesternhaus geplant gewesen. Unter anderem auch, weil das Pfarrzentrum aus den 60er-Jahren von Grund auf saniert werden müsste.

Vor etwa drei Jahren gab es Pläne, mit dem gemeinnützigen Siedlungswerk auf dem Areal einen ganzen Gebäudekomplex zu errichten mit barrierefreien und sozial gebundenen Wohnungen und auch mit Raum für die Pfarrgemeinde. „Das ist an baulichen Vorgaben der Stadt gescheitert“, erinnert sich Pfarrer Fredi Bernatz: „Dann kam jetzt plötzlich das Schwesternhaus auf den Markt.“

Unter Zugzwang

Die Kirchenstiftung sah sich damit unter Zugzwang gesetzt: Alle Wege zum Pfarrzentrum führen über das Gelände des Schwesternheims und ein Teil des Zentrum steht auch auf dem Grundstück der Dominikanerinnen. Entsprechende Regelungen über Wegerechte etwa über einen Grundbucheintrag gibt es nicht. „Kaufpreis und Miete wurden von der Diözese geprüft, dort sitzen ausgebildete Fachleute“, sagt Petri.

Für den von Münzing vorgeschlagen Pavillon im Pfarrgarten gab es schon vor Jahren eine Kostenschätzung, erinnert sich Bernatz. 130.000 Euro standen im Raum: „Das war damals zu teuer.“ Heute seien die Baukosten sicher deutlich höher, hinzu komme, dass der Garten mit dem dazugehörigen Haus an die Lebenshilfe vermietet sei, die ihn als Spielplatz benötige.

Verkaufserlös bleibt in Hagenbach

Der Verkaufserlös für das Pfarrzentrum bleibe aber in Hagenbach, die Kirchenstiftung kann über ihn verfügen, so Bernatz. Aus diesem Posten werde dann auch die Miete für den Kellerraum bezahlt. Die von Münzing erwähnten Baugrundstücke hingegen seien Teil des Stiftungsvermögens, ein Erlös darf nicht ausgegeben werden.

„Wir werden sehen, welche Möglichkeiten sich in fünf Jahren ergeben“, sagt Petri. Klar sei aber, das es immer weniger Pfarrer und Mitarbeiter in pastoralen Berufen gebe. „Die Zahl der Kirchenaustritte war hier schon immer höher, wegen der Nähe zum Ballungsgebiet Karlsruhe“, so Petri. Dies schlage sich auch finanziell nieder: „Die Schlüsselzuweisungen aus den Kirchensteuern haben sich in den letzten Jahren halbiert“, sagt Bernatz und Petri fügt hinzu: „Es wird noch weniger.“

Als Konsequenz müsse auch über den Verkauf von Kirchen nachgedacht werden, so die beiden Pfarrer: „Wenn bei St. Ägidius in Wörth eine große Sanierung fällig wird, können wir uns diese nicht mehr leisten.“

x