Kreis Germersheim Keine Angst vor Senioren

Über die „30 gewonnenen Jahre“ diskutierten (von links) Jutta Wegmann, Dr. Heiner Geißler, Sylvia Kempf-Diehl, RHEINPFALZ-Redakt
Über die »30 gewonnenen Jahre« diskutierten (von links) Jutta Wegmann, Dr. Heiner Geißler, Sylvia Kempf-Diehl, RHEINPFALZ-Redakteurin Nicole Tauer, Barbara Wackernagel-Jacobs, Christoph Beyerlein-Buchner und Harald Nier.

Wir alle leben heute etwa 30 Jahre länger als unsere Großeltern und haben, so das Ergebnis verschiedener Forschungen, daher als Fünfzigjährige noch 30 gesunde Jahre vor uns. Doch was machen wir aus diesen „geschenkten Jahren“? Um diese Frage ging es bei einer Diskussionsrunde, zu der die Kreisverwaltung Germersheim am Mittwoch in die Stadthalle Kandel eingeladen hatte.

Bevor die Diskussionsrunde begann, wurde der Film „Sputnik Moment – Die Chance eines langen Lebens“ gezeigt. Der Film regt dazu an, über das Alter(n) allgemein, den demografischen Wandel und die Chancen eines längeren Lebens nachzudenken, zumal künftig immer weniger junge mit zunehmend mehr älteren Menschen länger zusammen leben müssen. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, ob der höhere Altersdurchschnitt der Gesellschaft ein Bedrohungsszenario oder eine positive Herausforderung ist. Schließlich war im Film zu sehen, dass sich heute schon viele ältere Menschen keineswegs aus der Gesellschaft zurückziehen, sondern auch weiterhin im Beruf oder Ehrenamt einsetzen wollen. An der anschließenden Diskussion beteiligten sich die Produzentin des Films und ehemalige saarländische Sozialministerin Barbara Wackernagel-Jacobs (SPD), Dr. Heiner Geißler, ehemaliger Generalsekretär der CDU, der frühere Ärztliche Direktor der Südpfalzklinik Professor Christoph Beyerlein-Buchner, die zweite Kreisbeigeordnete Jutta Wegmann (Grüne), Sylvia Kempf-Diehl vom Mehrgenerationenhaus in Wörth und der Pflegestrukturbeauftragte des Landkreises Germersheim Harald Nier. Alle Genannten sind ehrenamtlich im sozialen Bereich tätig. Moderiert wurde die Debatte, an der sich auch das Publikum beteiligen konnte, von der RHEINPFALZ-Redakteurin Nicole Tauer. Auch wenn die Diskussionsteilnehmer oftmals verschiedene Ansichten vertraten, waren sie sich doch schnell einig, dass sich das Altersbild, das in den Medien und der Werbung gezeigt wird, ändern, ja berichtigt werden muss. Denn nach Rundfragen ist „nur“ ein geringer Teil der älteren Menschen pflegebedürftig. Der überwiegende Teil von ihnen ist körperlich und geistig gesund. Die meisten sind dankbar für Aufgaben, die ihnen gestellt werden und die sie bewältigen müssen und können. Aus den Beiträgen kristallisierte sich heraus, dass zwar die Pflegedienste verbessert und ausgebaut werden müssen, weil es eine moralische Aufgabe ist, denen zu helfen, die sich selbst nicht helfen können. Gleichzeitig wirkt der vorgeschriebene Ruhestand überholt: Zwar ist die Notwendigkeit eines gesicherten Rentenanspruchs unumstritten. Doch zahlreiche Menschen wollen in ihrem Beruf weiter arbeiten oder sich ehrenamtlich betätigen. Selbstverständlich sind dabei auch der Gesetzgeber und die Parteien gefragt, denn es müssten Gesetze geändert und, so eine Stimme aus dem Publikum, Hindernisse beseitigt werden, die die Übernahme eines Ehrenamtes erschweren. Gefordert sind auch die Gemeinden: Die Menschen brauchen Orte, an denen sie sich treffen und miteinander reden können. Für die Bewältigung der gesellschaftlichen Aufgaben müssen neue Ideen gefunden werden, jede und jeder muss selbst etwas tun, lautete eine Forderung. Doch eines bräuchte man nicht haben, nämlich Angst vor den Herausforderungen des demografischen Wandels. Denn dieser kann für die Gesellschaft sogar zur Chance werden, lautete das Fazit der Veranstaltung.

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