Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel „Kannler Juchend“ baut Piratenschiff mit Wumms

Der Schiffsaufbau war bereits vorhanden, als die Gruppe den Wagen vom Moseltal in den Bienwald überführte. Das Schiff schippert
Der Schiffsaufbau war bereits vorhanden, als die Gruppe den Wagen vom Moseltal in den Bienwald überführte. Das Schiff schippert jetzt mit neuem Namen durch die Südpfalz und das Elsass.

Seit sechs Jahren ist die „Kannler Juchend“ mit ihrem Faschingswagen bei Umzügen in der Region dabei. Für die nun anstehenden Veranstaltungen wurde kräftig aufgerüstet: Die jungen Leute aus Kandel werden mit einem 15 Meter langen Schiff durch die Straßen schippern.

In Kandel gibt es keinen Faschingsumzug – „was schade ist“, findet Thomas Steger. Er gehört zur Stammmannschaft der „Kannler Juchend“, die sich vor gut sechs Jahren zusammengefunden hat. Wie auch ein paar andere aus der Gruppe, hat Steger schon davor bei Faschingswagen-Projekten mitgeholfen. Es reifte der Wunsch einen eigenen Wagen zu bauen. Der angeschaffte Wagen diente als Grundgerüst für Themen wie Ritter, Vampire, Zoo oder auch „Mad Max“ im vergangenen Jahr. Damit ging es jährlich auf vier Umzüge.

Dieses Jahr nun also Piraten – und echte Seeräuber brauchen auch ein see- beziehungsweise straßentaugliches Schiff. Fündig wurden die Kandeler bei einer Faschingstruppe in Trier, die ihren alten Wagen zum Verkauf anbot. So bewegte sich das Vehikel also vom Moseltal in den Bienwald. Das Schiff als Aufbau war vorhanden, musste jedoch repariert und aufgemotzt werden. Eine Bar wurde eingebaut, Beleuchtung und eine Nebelmaschine. Letztere vor allem auf Initiative von Thomas Steger, der sich als Nebel-Fan outet. Schon in den vergangenen Jahren rauchte es bei den Kandelern gewaltig. Damit zudem auch die Musikanlage den nötigen Wumms hat, ist auch ein entsprechendes Aggregat auf dem Wagen.

Acht Helfer bauen an „Black Morio“

In den letzten Tagen war das Wagenbauteam fleißig am Bohren und Schrauben. „Noch ist hier Baustelle“, sagte Steger am Donnerstagabend. Gebaut wird in der Halle von Landwirt Markus Schowalter. Auch dessen Sohn ist bei der „Kannler Juchend“ aktiv. Beim Bauen an der „Black Morio“ (getauft in Anlehnung an eine Weinsorte) sind etwa acht Helfer im Einsatz. Deutlich mehr Teilnehmer werden bei den Umzügen dabei sein. „Je nach Umzug so 50 bis 80 Personen“, schätzt Andrea Steger, die Schwester von Thomas. Sie ist die Frau für das Organisatorische und für die Zahlen. Unter anderem hat sie die Busfahrten für weiter entfernte Umzüge organisiert. Das Alter der Teilnehmer liegt zwischen 18 und 40 Jahren. „Wir haben auch größere Kinder“, scherzt Thomas und auch Andrea bestätigt, dass viele das Jugendalter schon hinter sich gelassen haben. Aber im Herzen sind sie eben jung geblieben – besonders in der Faschingszeit. Die Gruppierung ist übrigens kein Verein.

Die Piraten schippern bis nach Dahn

Sechs Umzüge stehen dieses Jahr auf dem Programm – zwei mehr als in den Vorjahren. Neu hinzugekommen sind Teilnahmen im Elsass, die heute und morgen auch den Auftakt bilden. Das Schöne an den französischen Umzügen: Es geht alles etwas entspannter zu, es gibt weniger Auflagen und Einschränkungen, sagt Thomas Steger. Auch Konfetti ist erlaubt. Eine Startgebühr ist nicht fällig. Am Faschingssamstag wollen die Kandeler Wörth unsicher machen. Am Fasnachtssonntag steht der Umzug in Dahn auf dem Programm. Am Rosenmontag geht es ins badische Rheinsheim. Zum Abschluss fährt das Schiff am Faschingsdienstag durch Herxheim. In Wörth und Herxheim wird ein professioneller DJ mit an Bord sein: DJ Olde aus Schifferstadt. Auch das ist eine Premiere für die Kandeler.

Trotz dem Spaß und der Ausgelassenheit: die Sicherheit hat eine hohe Prioriät bei der „Kannler Juchend“. Drei Fahrer haben sich bereit erklärt. Ordner werden neben dem Wagen laufen und schauen, dass niemand in den Fahrweg läuft. Zudem wurde der Wagen vom Tüv abgenommen, auch wenn dies nicht überall verpflichtend ist. Und natürlich sei eine Versicherung vorhanden. Das alles sind – neben dem nötigen Material und der Ausstattung – natürlich Kosten, die es zu decken gilt. Unterstützt wird die Fasnachtsgruppe von mehreren Familien aus Kandel und Offenbach.

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