Kreis Germersheim Kandeler Schüler stehen nach Ski-Freizeit unter Corona-Verdacht
Das Ende der Skifreizeit haben sich wohl alle Beteiligten anders vorgestellt: Um 14.15 Uhr waren die knapp 40 Schüler und vier Lehrer der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kandel nach einer langen Fahrt mit dem Reisebus wieder zurück in der Südpfalz. Doch statt nach einer Woche im Ahrntal ihre Eltern zu umarmen, hieß es Abstand halten: Just am Freitag, am Tag der Rückkehr, hatte das Robert-Koch-Institut die norditalienische Region Südtirol zum Risikogebiet hinsichtlich der Infektionen mit dem Coronavirus erklärt.
Gesundheitsamt empfängt Reisebus
Dazu kam, dass nun doch acht Schüler Erkältungssymptome entwickelt hatten. Ihnen wurde direkt nach der Ankunft in Kandel ein Rachenabstrich entnommen. „Dies dient einer besonderen Vorsichtsmaßnahme“, teilte die Kreisverwaltung Germersheim mit. Ein nachweislicher Kontakt zu einer infizierten Person liege nicht vor. Die Proben wurden - wie schon bei die Tests der Bewohner der Quarantänestation in der Südpfalzkaserne Germersheim – zum Landesuntersuchungsamt Koblenz geschickt. Mit Ergebnissen wird im Verlauf des Samstags gerechnet.
Für alle Schüler und Lehrer, die mit dem Reisebus unterwegs waren, gilt nun die Vorgabe, sich 14 Tage „in freiwillige häusliche Absonderung“ zu begeben. Davon ausgenommen sind andere Familienmitglieder, die weiterhin die Schule besuchen oder ihre Arbeit ausüben können.
Diese Vorgaben sorgen für Unverständnis bei Eltern, wie eine Mutter gegenüber der RHEINPFALZ berichtete. Sie hatte die neue Einschätzung hinsichtlich der Region Südtirol gelesen und direkt in der Schule angerufen. Dort hieß es, dass alle Eltern telefonisch über die Ankunftszeit der Jugendlichen informiert würden. Schon am Vortag sollen Eltern nach Südtirol gefahren sein, um ein Kind abzuholen, das sich nicht wohl gefühlt hatte.
Nicht alle Schüler werden getestet
Ihr Sohn sei ohne Symptome nach Hause gekommen, erzählt die Frau, die in der Südpfalz lebt. Nun soll er gemäß den Vorgaben zum Beispiel nicht gemeinsam mit der Familie am Tisch essen. Getestet wird er bis auf Weiteres nicht. „Wir hätten lieber Sicherheit gehabt“, sagt sie, zumal ihr Sohn mit zwei der Schüler, die nun Symptome aufweisen, viel Zeit verbracht hat.
Auch die Tatsache, dass nur die Schüler zuhause bleiben sollen, habe Eltern erstaunt, sagt die Südpfälzerin. Ein Vater, der einen Friseurladen besitze, habe gefragt, ob er ihn öffnen dürfe. Eine Mutter arbeite in einem Altenheim. „Wir verstehen das nicht“, sagt die Südpfälzerin.
Die Schüler der Integrierten Gesamtschule hatten eine Woche in Südtirol verbracht. Den Eltern stand die Entscheidung, ob ihre Kinder an der Skifreizeit teilnehmen, frei. Bei der Abfahrt des Reisebusses galt die betreffende Region noch nicht als Risikogebiet.
Das Gesundheitsamt des Landkreises hält sich bei der Betreuung der Corona-Verdachtsfälle an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Dazu gehört auch, dass nur Personen getestet werden, die sich in Risikogebieten aufgehalten haben und Symptome aufweisen, die zur Corona-Infektion passen.
In Stadt und Verbandsgemeinde Kandel wappnet man sich schon für den Fall, dass vielleicht doch noch ganze Familien unter Quarantäne gestellt werden. „Wir sind bereit zu unterstützen, zum Beispiel einzukaufen oder Essen vorbeizubringen“, sagte Stadtbürgermeister Michael Niedermeier (CDU).
Einwurf:
Von Nicole Tauer
Natürlich wussten es jetzt alle vorher, vor allem in den sozialen Netzwerken: Wie konnte eine Schule ihre Schüler nur auf Skifreizeit nach Südtirol schicken?
Aber ganz so einfach ist es nicht. Da es für die Region noch keine Reisewarnung gab, hätte die Schule die Fahrt nicht einfach absagen können. Außerdem hatten die Eltern die Wahl, ob die Schüler teilnehmen. Ansonsten hätten sie übrigens für Kosten von über 400 Euro aufkommen müssen.
Da offensichtlich auch das Bildungsministerium keine Gefahr sah, sind Schuldzuweisungen an die Adresse der Schule jetzt fehl am Platz.