Kreis Germersheim Kandel: Vitamine aus dem Salat-Automaten
Wie Lisa Zapf rund um die Uhr Gemüse und Obst verkaufen will – Bisher in vier Orten „Zalat-o-Mat“ aufgestellt
Feldsalat, Hokkaido-Kürbis, Chutneygläser und mehr liegt in den Regalfächern hinter der Glasscheibe des Automatenschranks. Der „Zalat-o-mat“ ist die neueste Idee von Lisa Zapf. Einige Metzgereien der Region nutzen solche Kühlgeräte bereits, damit Kunden Fleisch- und Wurstwaren unkompliziert zu jedweder Tageszeit einkaufen können. An vier Standorten in der Südpfalz gibt es jetzt auch „Feldsalat to go“.
Salat aus der Vitaminklappe
An jedem Fach im Kühlautomaten klebt eine Produktnummer. Die gibt man ein, nachdem man sein Geld eingeworfen hat. Ruhig surrend fährt der Aufzug auf Regalhöhe. Dort dreht sich die Plastikschraube zwei, drei Umdrehungen und schiebt den Feldsalat im Klarsichtplastikpack auf die Aufzugsschiene. Die schnurrt wieder nach unten. Jetzt kann man sich aus der „Vitaminklappe“ unten seinen Salat herausnehmen.
Täglich wird befüllt
Das mit den Vitaminen ist Lisa Zapf wichtig. In ihren Automaten findet man ausschließlich gesunde, vegetarische Sachen für zu Hause und unterwegs. Den Feldsalat etwa gibt es in unterschiedlichen Größen von 100, 300 und 500 Gramm, aber auch als fertiges Päckchen mit Dressing und Gabel als Salatsnack für die Mittagspause. „Wir bestücken je nach Saison“, sagt die 21-jährige Erfinderin des „Zalat-o-mat“. So gibt es von Mitte Juni bis zum ersten Frost weiße und grüne Zucchini, von Oktober bis März Rote Beete, im Frühjahr auch Rhabarber. Den erstklassigen Feldsalat von September bis März. „Ich fülle täglich und die Produkte sind top-frisch“, sagt sie und zeigt auf den Salat: „Der wurde gestern Nachmittag vom Feld geschnitten und gewaschen, heute Morgen haben wir ihn verpackt.“ Jetzt am Vormittag liegt er schon im Automaten.
12 Stunden nach der Ernte im Automaten
Maximal 10 bis 12 Stunden nach der Ernte ist nach Lisa Zapfs Geschäftsidee die Ware im Automaten. „So frisch schafft das keine Handelskette.“ Wobei: So richtig Eile ist eigentlich nicht geboten. Der Feldsalat hält sich gut eine Woche beim Kunden im Kühlschrank. Lisa Zapf lässt die Ware maximal drei Tage im Automaten, nach drei Tagen wird komplett geleert und neu befüllt. Zudem arbeitet Lisa Zapf mit einem Telemetrie-Modul. Die Automaten senden ihr aufs Handy den Status quo, was und wie viel gekauft wurde. So weiß sie genau, an welchem Ort welche Sachen geleert wurden und was sie in welcher Menge nachfüllen muss. „Die Technik ist super“, sagt Lisa Zapf. Vom Automatenhersteller Regiomat hat sie die Geräte gekauft. Gegen Nässe sind die Sensoren ein bisschen störanfällig. Darum soll der Wörther „Zalat-o-mat“, der auf einem Hofladengelände steht, alsbald unter ein geschütztes Dach.
Direktvermarktung noch lange nicht ausgeschöpft
Letztes Jahr schloss Lisa Zapf ihre Ausbildung zur Versicherungskauffrau ab. Im Juni stieg sie dann bei ihren Eltern im Betrieb mit ein. Die Familie Zapf aus Kandel betreibt seit jeher Landwirtschaft, insbesondere Gemüseanbau. Lisa ist jetzt die dritte Generation. Ihr Vater legte ihr nahe, dass sie im Betrieb irgendetwas Neues und Eigenes beginnen sollte. Mit ihrem Know-how aus dem Kaufmännischen war und ist sie überzeugt, dass die Potenziale der Direktvermarktung bei sämtlichen Südpfälzer Landwirtschaftsprodukten noch längst nicht ausgereizt sind. Also schuf sie den Zalat-o-mat, ließ lustige Grafiken von „Vitaminhelden“ erstellen und bedruckte Werbemittel.
Erstes Gerät im November 2016
Im November 2016 stellte die das erste Gerät in Kandel auf. Es folgten in diesem Jahr Maximiliansau, Jockgrim und Wörth. „Damit sind wir erstmal gut aufgestellt.“ Lisa Zapf kooperiert auch mit anderen Erzeugern der Region. So finden sich im Zalat-o-Mat etwa Öl aus Rheinzabern oder Birnen aus Winden. Direktvermarktung heißt heute auch, digitalen Kontakt zum Kunden zu pflegen. Der Zalat-o-mat hat ein nettes Youtube-Video und beim Sozialen Internetdienst Facebook jede Menge hilfreiche Beiträge. Dort gibt es auf lustige Ratgeber wie „Zapf dir deine Vitamine“ durchweg gute Rückmeldung.
Könnte Kult werden
Doch: Der Zalat-o-mat kommt gut an, könnte Kult werden. Wie es um die Bilanzen steht, will Lisa Zapf nicht zu viel verraten, sagt aber überzeugend: „Ich bin zufrieden.“ Am Anfang braucht eine neue Geschäftsidee immer Geduld und Zeit und man muss investieren. Auch in dieser Hinsicht ist beim Zalat-o-mat eben alles noch ganz frisch.