Kreis Germersheim Kürzester Weg Richtung Süden

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«Zeiskam.» Die Reaktivierung der vor 35 Jahren stillgelegten Queichtalbahnstrecke Landau – Germersheim ist im Moment wieder ein aktuelles Thema. Südpfälzische Politiker setzen sich dafür ein. Ein Anlass für einen Blick in die Streckengeschichte.

Mehrere Alternativprojekte wurden im vorletzten Jahrhundert für die Verbindung Germersheim-Landau ausgearbeitet. Ein Eisenbahnkomitee machte sich für die heutige Trasse stark. Es wehrte sich gegen Linienführungen über Offenbach-Knittelsheim-Bellheim oder über Essingen, Ober- und Niederhochstadt-Weingarten. Allen Vorschlägen machte ein Regierungsskript vom 20. Mai 1870 ein Ende. Auf Vorschlag des Kgl. Kriegsministeriums in München wurde aus militärstrategischen Gründen die Linie über Zeiskam festgelegt, ein ebenes Terrain mit einer Gesamtlänge von 20,950 Kilometer erschien ideal. Am 17. Mai 1871 erteilte König Ludwig 1. allergnädigst die Konzession zum Bau und Betrieb der Strecke. Nach rund fünfmonatiger Bauzeit und einem Kostenaufwand von 2,5 Millionen Gulden wurde die Eröffnung dieser Route am 16. Mai 1872 als Endpunkt einer Reihe von Baumaßnahmen gefeiert, die im Jahre 1847 mit der ersten Bahnstrecke der Pfalz, Speyer-Ludwigshafen-Neustadt, ihren Anfang genommen hatte. Die Strecke Landau-Germersheim hatte zu Beginn ihres Betriebes noch einen relativ bescheidenden Zuspruch durch den Zivilverkehr. Dies änderte sich mit der Fertigstellung der Bahnlinie Zweibrücken-Landau am 25. November 1875, der offiziellen Übergabe der neuen Rheinbrücke bei Germersheim-Bruchsal. Landau- Germersheim bekam dadurch auch internationale Bedeutung. Ab 1875 verkehrte hier der internationale D- Zug Ostende-Brüssel-Metz- Saarbrücken-Stuttgart-München und zurück. Die neue Strecke war die kürzeste Bahnverbindung von Saarbrücken nach Süddeutschland, denn für Schnellzüge bedeutete die alte Schiffsbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe ein großes Hindernis. Militärstrategische Bedeutung erhielt die Bahnlinie durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Während des Zweiten Weltkrieges verkehrte noch der D-Zug Paris-Wien, der hauptsächlich als Fronturlauberzug diente. Durch die Zerstörung der Rheinbrücke Germersheim im März 1945 und dem Abbau des zweiten Gleises durch die französische Besatzung nach 1945 hatte die Strecke dann keinen Fernverkehrscharakter mehr. Das Ende der Bahnstrecke zeichnete sich ab: 1965 wurde der Sonntagsverkehr eingestellt, und mit Beginn des Sommerfahrplanes am 23. Mai 1982 verkehrten auch samstags keine Züge mehr. Zum Fahrplanwechsel am 3. Juni 1984 wurde nach 112 Jahren die gesamte Strecke eingestellt. Seitdem wird die Bevölkerung im Nahverkehr nur mit Bussen versorgt. Heute steht die Verkehrspolitik vor neuen Herausforderungen. Planspiele um aufgegebene Bahnlinien, insbesondere um solche, deren Geleise noch existieren, erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Auftrag der Planungsgemeinschaft Rheinpfalz hat schon 1994 eine Gutachtergruppe untersucht, wie der Nahverkehr in der Südpfalz attraktiver und wirtschaftlicher zu gestalten wäre. Dabei wurde auch vorgeschlagen, mittelfristig die Bahnlinie Landau-Germersheim zu reaktivieren. Die Diskussionen könnte wieder aufflammen.

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