Südpfalz Künstliche Intelligenz an Schulen: Hausaufgaben adé?
Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer? Das ist keine Zukunftsszenario mehr. Die Auswirkungen der KI auf die Arbeitswelt, auf Schulen und Universitäten werden wohl immens sein. Das Technologie-Netzwerk Südpfalz lud deshalb zu einer Vortragsreihe in Germersheim und Landau ein, die sich mit den konkreten Auswirkungen auf den Schulunterricht auseinander setzte. Dabei ging es Referent Kilian Kunz weniger um Lösungen. Sondern darum, die Schulen darauf vorzubereiten, was auf sie zukommt.
Der technologische Fortschritt hat unsere Gesellschaft in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Smartphones, Soziale Medien, die Sprachsteuerung Siri, ein Konferenzsystem namens Zoom, die Plattform Wikipedia und der Internetkonzern Google sind nur einige Beispiele. Sie kamen alle sehr plötzlich, wurden oft zunächst belächelt und kleingeredet, nur um dann schnell von allen genutzt zu werden.
Mal kurz einen Aufsatz schreiben
Nun ist die Text-KI (Künstliche Intelligenz) Chat-GPT ist zur Zeit in aller Munde. Sie legte in den vergangenen Monaten einen Raketenstart hin, hat nach vier Monaten bereits 100 Millionen Nutzer – so viel wie keine App zuvor in so kurzer Zeit, sagt Kunz. Die KI ist kostenlos, für jeden nutzbar und kann durch einfache Eingaben komplexe Aufgaben lösen. Befiehlt man ihr zum Beispiel „Nenne mir die größten Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Alexander dem Großen und Napoleon“, so kann das Programm Sekunden später einen gut formulierten und fundierten Aufsatz ausspucken.
Komplexe Matheaufgaben, Gedichtinterpretationen, Fachwissen aus der Soziologie, die Hitparade vom Dezember 1983? Alles kein Problem für die künstliche Intelligenz. Hier und da schleichen sich mal Fehler ein, oder die Datenlage ist noch etwas lückenhaft – aber das passiert seltener, als man denkt. Die KI wird täglich besser und schlauer. Und weil große Konzerne viel Geld in die Forschung stecken, können wir uns darauf einstellen, dass die Technologie bald an vielen Stellen in unseren Alltag integriert wird.
Präsentation ist von KI erstellt
„Microsoft hat 10 Milliarden Dollar in Chat-GPT investiert. Gerade erst kam die Meldung rein, dass sie ihre Suchmaschine Bing mit der Technologie ausstatten wollen“, erklärt Kunz. „Dadurch wird es vorstellbar, dass Bing Google vom Thron stößt, was bis vor kurzem noch völlig undenkbar war.“ Aber da fängt der Spaß erst an: Gerüchten zufolge werde Microsoft die KI auch in seine Office-Programme integrieren.
„Sie können dem Computer dann zum Beispiel sagen: 'Erstelle mir eine Präsentation zu unserem Sonnensystem. Mit viel Bildern und wenig Text, damit die Kinder gut mitkommen.' In Word können sie den Computer die Kündigung an ihren Stromarbeiter schreiben lassen, oder sie lassen mit einfachen Befehlen eine Excel-Tabelle erstellen.“ Bei der exponentiellen Entwicklung, die die künstliche Intelligenz genommen hat, werden diese als Science-Fiction anmutenden Dinge eher früher als später Realität werden, glaubt Kunz.
Auf welcher Basis benoten?
In der Schule ist die Zukunft bereits angekommen. Eine Zuhörerin sagt, dass sie jetzt schon nicht mehr sicher einschätzen kann, ob ihre Schüler die Hausaufgaben selbst geschrieben haben, oder sich von Chat-GPT bedienen lassen. Dadurch stehe nun eine wichtige Basis für die Benotung im Zweifel. Die Sorge: Die Schüler könnten unselbstständiger werden, keine Transferleistungen mehr hinbekommen, das Lernen verlernen. Eine Kollegin glaubt, dass sich die Arten der Prüfung ändern werden müssen. „Ich kann den Schülern in die Augen blicken und sagen: Erklär mir, wie das funktioniert. Da kann die KI nicht helfen. Sie kann auch keine Klausuren schreiben.“ Und auch nicht den zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen, den eine gute Lehrkraft bietet.
Für Kilian Kunz kann die KI ein Werkzeug sein, das aber immer auch mit Vorsicht zu genießen sein wird. „Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Die Technik zu ignorieren oder sie zu verbieten, das dürfte schwer werden. Mein Tipp ist es, sich damit auseinander zu setzen, und sie dann in einem definierten Rahmen mit Bedacht zu nutzen.“ Natürlich könne die KI für Schulen auch Vorteile bringen. Etwa, in dem die Lehrer Verwaltungsaufgaben oder das Erstellen von Klausuren künftig viel schneller erledigen könnten und dadurch Kapazitäten frei würden, sich mehr direkt mit den Schülern zu beschäftigen.
Gefahren seien aber bereits absehbar: etwa durch eine stille Zensur. Welche Daten an die KI verfüttert werden, welche vielleicht bewusst zurückgehalten oder verfälscht werden, ist kaum kontrollierbar. Gegen Ende seines Vortrags fragt Kunz ChatGPT, welche Arbeitsplätze künftig von KI ersetzt werden könnten. Das Programm gibt Vorschläge aus dem Transportwesen, der Gesundheitsindustrie, der Finanzwelt, Kundenservice und dem Einzelhandel. Am Ende schiebt es beschwichtigend hinterher, es sei „jedoch wichtig zu beachten, dass KI-Systeme in vielen Fällen die Arbeit von Menschen ergänzen und unterstützen, anstatt sie vollständig zu ersetzen. Es wird auch dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen, die sich auf die Entwicklung ,Wartung und Überwachung von KI-Systemen konzentrieren.“ Das wiederum klingt für Kunz stark danach, als habe jemand die KI dazu programmiert, ihre eigenen Risiken und Nebenwirkungen aufzuhübschen.