Wörth Juniorwahl am Europa-Gymnasium: Eine Stimme für die Jugend
Ganz neu ist der Gang zur Wahlurne für die Gruppe Zwölftklässler dann doch nicht, die sich zu Beginn der dritten Schulstunde an diesem Freitagmorgen vor einem der beiden Wahllokale im Wörther Europa-Gymnasium versammelt haben. „Wir haben im letzten Jahr schon bei der Europawahl gewählt“, sagen sie im Chor. Das europäische Parlament darf man ja bereits mit 16 wählen. Heute geht es aber um den Bundestag. Und da muss man volljährig sein, um zu den Wahlberechtigten zu gehören. Aber natürlich geht es in der Schule nicht um die richtige Bundestagswahl, sondern vielmehr um die sogenannte Juniorwahl zum Bundestag. Wobei alles schon sehr realistisch wirkt.
Juniorwahlen gibt es bereits seit 1999 bei Bundestags-, Landtags- und Europawahlen. Sie sind Teil der politischen Bildung an weiterführenden Schulen. Die Jugendlichen sollen sich intensiv mit dem Thema „Demokratie und Wahlen“ befassen. Immer mehr Schulen in ganz Deutschland beteiligen sich an dem Projekt. Bei der Europawahl im vergangenen Jahr waren es deutschlandweit rund 5500 Schulen und 1,6 Millionen Schüler. Für die Bundestagswahl haben sich 7210 Schulen angemeldet.
Europa-Gymnasium nimmt zum zweiten Mal teil
Das Europa-Gymnasium beteiligt sich nach 2021 zum zweiten Mal an der Juniorwahl zum Bundestag. Die Federführung liegt wieder in den Händen von Sozialkundelehrer Nick Larsen. „Alle Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13 können bei uns an der Juniorwahl teilnehmen“, sagt Larsen. Insgesamt 761 Schüler sind wahlberechtigt. Alle haben eine Wahlbenachrichtigung erhalten. Ganz wie im richtigen Leben. Organisiert wird die Wahl vom Leistungskurs Sozialkunde. In allen Klassen, die in diesem Schulhalbjahr das Fach Sozialkunde haben, wurde über die Bundestagswahl gesprochen. Die intensive Vorbereitung im Unterricht ist wesentlicher Teil des Konzepts. Dabei wird die Demokratie als Staatsform ebenso behandelt wie die Bedeutung und der Ablauf von Wahlen sowie deutsche Parteiensystem.
„Herr Larsen, da will jemand einen leeren Wahlzettel in die Urne werfen. Geht das?“, will eine Schülerin wissen, die gerade ihren Wahlhelferdienst versieht. Ja, das geht. Auch bei der richtigen Bundestagswahl gibt es ungültige Stimmen. Der Zettel darf in die Wahlurne. Dies Urnen sind übrigens echt. Die Stadt Wörth hat dem Gymnasium eine zusätzliche Wahlurne aus ihrem Fundus zur Verfügung gestellt, damit im Erdgeschoss des Schulgebäudes zwei Wahllokale eingerichtet werden können. Kleinere Schlangen bilden sich dann doch. Immer zu Beginn einer neuen Schulstunde, wenn eine weitere Klasse zum Urnengang aufgerufen wird. Auf zwei Tage wird der Wahlgang verteilt.
Es gibt Erst- und Zweitstimme
„Ja, Politik interessiert mich“, sagt ein Zwölftklässler, der gerade gewählt hat. Er habe auch bei der echten Bundestagswahl seine Stimme abgeben. „Ich habe Briefwahl gemacht.“ Auch bei der Juniorwahl gibt es eine Erst- und eine Zweitstimme. Auf den Wahlzetteln stehen die Namen der Wahlkreiskandidaten, die auch am Sonntag antreten. Zur Verfügung gestellt werden sie von der Initiative Juniorwahl des Vereins Kumulus aus Berlin, der für die bundesweite Durchführung der Juniorwahl verantwortlich ist. „Unsere Wahlzettel wurden vor den richtigen Wahlzetteln für die Bundestagswahl gedruckt, deshalb fehlen darauf der eine oder an andere Kandidat, der erst kurz vor dem Stichtag nominiert wurde“, erläutert Larsen.
Wer alles zur Wahl steht, welche Wahlkreiskandidaten und welche Parteien, darüber konnten sich die Schüler auf großen Stellwänden im Foyer informieren. Diese hat der Leistungskurs Sozialkunde konzipiert. Vorgestellt werden darauf die Direktkandidaten sowie in kurzen Dossiers das, wofür die jeweiligen Parteien stehen. „Diese Stellwände fanden großes Interesse, da war in den Pausen immer viel los“, sagt Larsen. Immerhin lag die Wahlbeteiligung im Europa-Gymnasium bei der 83,57 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2021 haben 76,4 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.
Info
Das offizielle Ergebnis der Juniorwahl wird am Wahlsonntag, 23. Februar, ab 18 Uhr unter www.juniorwahl.de veröffentlicht. Dort können dann die Ergebnisse aus Deutschland, Rheinland-Pfalz und der Südpfalz, also dem Wahlkreis 210, nachgelesen werden.