Kreis Germersheim Jugendamt-Übernahme in unruhiger Zeit
Heute ist der erste Arbeitstag von Christoph Buttweiler an seinem Schreibtisch in der Kreisverwaltung. Der neue hauptamtliche Beigeordnete des Landkreises Germersheim tritt jetzt sein Amt an. Der Nachfolger von Dietmar Seefeldt (CDU) – inzwischen Landrat im Kreis Südliche Weinstraße – übernimmt den Fachbereich 2 (Jugend, Soziales, Schulen) in unruhigen Zeiten.
Menschen in Krisensituationen kennt Christoph Buttweiler gut: Schließlich war der 48-Jährige über 22 Jahre als Fachanwalt für Trennungs- und Familienrecht tätig. Jetzt übernimmt er unter anderem ein Jugendamt in der Krise, das seit dem Mord an der 15-jährigen Mia in Kandel durch ihren afghanischen Ex-Freund unter besonderer Beobachtung steht. Dabei geht es auch um die Altersfeststellung und die Frage, wie der Informationsfluss nach der Anzeige der Eltern bei der Polizei lief (wir berichteten). Er strebe eine „intensive und gründliche Aufarbeitung“ an, „intern und mit weiteren betroffenen Gruppen“ wie Schulen oder Vereinen, sagt Buttweiler. Es müsse in Ruhe ermittelt werden, ob es in einzelnen Abläufen vielleicht einen Punkt gibt, den man verbessern muss. Er weiß: „Mit so einem schlimmen Fall im Hintergrund wird es schwer sein, die notwendige Sachlichkeit reinzubringen.“ Dies müsse zügig geschehen – „Ohne Angst, Vorwürfe und Hass.“
Kreisverwaltung statt Anwaltskanzlei
Aus seiner Zeit als Rechtsanwalt kennt er Drohungen und Gefahrensituationen, weiß, dass Hass-Mails gerade Konjunktur haben. „Ich mache die Tür trotzdem auf“, betont er. Die Kommunikation sei das A und O. Man müsse auch mit denen, die sich über etwas ärgern, ein offenes Gespräch führen. Statt in einer Anwaltskanzlei wird das künftig in seinem Büro in der Kreisverwaltung sein. Dort werden an den Wänden gerade noch Brandschutz-Maßnahmen umgesetzt. Auf dem Fensterbrett liegt ein betagtes Werk, das „Neue Deutsche Rechtsbuch für das Praktische Leben aus dem Jahr 1899“. Die erste Fassung des Bürgerlichen Gesetzbuches wird den Juristen als Erinnerung an den bisherigen Beruf täglich begleiten. Dabei hatte Buttweiler, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Germersheim-Sondernheim, nach der Schule auch mit dem Journalismus geliebäugelt. Doch dann hielt ihn seine Leidenschaft in Mannheim: das Tanzen.
Ehrenamtlicher Betreuer bei Jugendfreizeiten
„Die ganze Familie ist mit dem Tanzen verknüpft“, sagt er. Seiner Tante gehört die Tanzschule Buttweiler in Germersheim, sein Vater war Vorsitzender des Tanzsportclubs in Mannheim. Für Buttweiler und seine drei Geschwister gehörte der Tanz zum Leben. Mit seiner Tanzpartnerin tanzte er in Pforzheim, war im Landeskader Baden-Württemberg aufgestellt. Später war er ehrenamtlicher Betreuer bei Jugendfreizeiten des Tanzsportverbands. Im Tanzclub Pforzheim ist er zweiter Vorsitzender, bis vor Kurzem war er Trainer. Er hilft auch mal in der Tanzschule seiner Tante aus. „Wenn sie stürzt, bin ich da.“ Dort hatte er seine heutige Frau kennengelernt – als Tanzschülerin. Mit seiner Familie und seinen drei Söhnen, die übrigens nicht tanzen, lebt er in Hördt. Über einen Bekannten wurde schließlich Buttweilers Interesse für Jura geweckt. Nach dem Studium in Mannheim ging er in eine Kanzlei nach Pforzheim. Dort hat er sich schnell selbstständig gemacht, eine Zweigstelle seiner Kanzlei befindet sich in Germersheim. Zudem war er zeitweise Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, weil der Inhaber keinen Nachfolger fand. Nun wechselt Buttweiler als Kreisbeigeordneter auf die Verwaltungsseite. Er sehe es als Chance, sich in „interessante und verantwortungsvolle Bereiche einzubringen“, sagt er. Das Modell „4 plus1“ soll weiter in jeder Verbandsgemeinde eingeführt werden: Dabei wird an einer Schwerpunktschule pro Klassenstufe eine Fachkraft in Teilzeit fest angestellt, dazu kommt eine Vollzeitkraft. Verzichtet werden soll dafür auf „I-Helfer“, also einzeln zugeordnete Integrationskräfte. Auch die „Häuser der Familie“ will er voranbringen und über die Zukunft der Förderschulen im Kreis sprechen. Einige Projekte hätten bundesweiten Vorbildcharakter. „Wir sollten das besser bewerben“, lautet seine Einschätzung.