Knittelsheim
Jeder Vierte ist zu schnell unterwegs
Der Wind bläst am Montagmorgen recht kräftig. Schnell ziehen die Polizisten die Reißverschlüsse ihrer dicken Troyer hoch und teilweise noch eine Jacke an. Derweil baut ein Kollege von ihnen das Stativ für die Laserpistole auf.
„Wenn uns Leute anrufen und sich beschweren, gehen wir diesen Beschwerden nach“, sagt Dennis Dobberstein von der Polizeiinspektion Germersheim. Derzeit gebe es rund zehn davon im Dienstbezirk. „Nicht alle können wir lösen“, sagt der Polizeioberkommissar. Bei einer Beschwerde gehe es um das häufig zu schnelle Fahren in Knittelsheim. Deshalb habe es in jüngster Zeit bereits mehrere Geschwindigkeitskontrollen gegeben. „Und bei allen waren viele Autofahrer zu schnell unterwegs“, sagt Dobberstein.
Toleranz wird abgezogen
Es piept dreimal hintereinander. Dobberstein hat mit der Laserpistole ein Auto erfasst. Zur Sicherheit misst er nochmal. Wieder piept es dreimal. Mit dem Sprechfunkgerät informiert er seine Kollegen, die die Autofahrer zur Kontrolle „aus dem Verkehr ziehen“. „Der dunkelgraue BMW“, sagt Dobberstein in das Sprechfunkgerät. „Er ist mit 56 unterwegs.“ „Müssen wir die Toleranz noch abziehen“, fragt sein Kollege auf der anderen Straßenseite in rund 30 Metern Entfernung. „Ja“, lautet die kurze Antwort. Das sind dann drei Stundenkilometer weniger.
Die Fahrerin parkt das Auto, stellt den Motor ab und lässt das Fenster runter. Die Polizistin grüßt und sagt der Autofahrerin, dass sie mit 53 Stundenkilometern im Ort unterwegs war, „erlaubt sind 30“. Der Beifahrer, der die ganze Zeit telefoniert, sagt, dass das einen Punkt gibt und 80 Euro. Das stimmt. Beim Wegfahren sagt sie lächelnd und als Entschuldigung: „Es ist Montagmorgen.“
Ziel ist Unfallvermeidung
Die Polizeiinspektion in Germersheim hat ein Verkehrssicherheitskonzept, das als Ziel die Unfallvermeidung hat. Neben der Geschwindigkeit gibt es Alkohol-, Drogen- und Schulwegkontrollen. Ein zunehmendes Thema sei Ablenkung durch beispielsweise das Handy. Neu hinzugekommen sind Dobberstein zufolge Pedelecs, da diese auch „frisiert“ sein können. Spätestens bei einem Unfall könne das Folgen nach sich ziehen.
Wieder kommt ein dunkler BMW angerauscht, wird jedoch durch ein langsamer vor ihm fahrendes Auto abgebremst. Doch hat es bereits dreimal gepiept – 58 Stundenkilometer zeigt das Display der Laserpistole an. Wäre er über 31 Stundenkilometer mehr als erlaubt gekommen, wäre der Führerschein für einen Monat weg gewesen. So sind es ein Punkt in Flensburg und 80 Euro. Der Mann hatte Glück. Er arbeitet bei einem Lieferservice und braucht seinen Führerschein. Insgesamt waren es acht Autofahrer die zu schnell unterwegs waren und ein Lkw-Fahrer, der keinen Sicherheitsgurt angelegt hatte. In der Zeit der Messung wurde rund jeder vierte Verkehrsteilnehmer beanstandet. Die Bürger hatten mit ihrer Beschwerde recht.