Kreis Germersheim Jüngste Schwimmerin schafft 29 Bahnen
„Alles, was Menschen und vor allem Kinder in Bewegung bringt, ist gut“, sagt Monika Zimmermann. Sie sitzt am Kopfende des Schwimmbeckens im Hallenbad Wörth und hakt konzentriert die geschwommenen Bahnen ab. Denn beim Frühlingsschwimmen des Schwimmclub Wörth geht es für die Teilnehmer um jeden Meter.
Das Frühlingsschwimmen ist gut besucht. Ob es tatsächlich daran liegt, dass sich die Ausrichter vom traditionellen Namen „12-Stunden-Schwimmen“ getrennt hat? Laut Vorstandsmitglied Stephen Greilach habe der alte Name zunehmend abgeschreckt, weil viele Freizeitschwimmer Angst gehabt hätten, tatsächlich einen halben Tag am Stück schwimmen zu müssen. „Frühlingsschwimmen hat stattdessen einen fröhlichen Charakter und zeigt, dass wirklich jeder daran teilnehmen kann“, sagt er. Und tatsächlich wird am Ende eines langen Tages mit fast 150 Teilnehmern die Vorjahreszahl um rund ein Drittel gesteigert worden sein. Die Veranstaltung ist Teil eines Deals mit der Stadt, der den Aktiven zu Trainingsterminen den Eintritt erspart. Hierfür richtet der Schwimmclub einmal im Jahr eine Veranstaltung für alle Bürger aus. 50 Helfer sind über den Tag verteilt nötig, um die Abläufe zu stemmen. Alle Einnahmen fließen in die Jugendarbeit, der Verein unterhält keine Erwachsenen-Wettkampfmannschaft. Die Stimmung ist heiter und der Ehrgeiz groß. Je nach geschwommenen Bahnen erhalten die Teilnehmer Urkunden und vor allem Medaillen von Bronze bis Gold. So wie die zehnjährige Anna-Lena Bohn aus Schaidt. Für 1100 geschwommene Meter trägt sie jetzt eine Silbermedaille um den Hals. Und zusätzlich verbessert sich auch die Schulsportnote. Bei Monika Zimmermann am Becken schwimmen die 12 Jahre alten Nina und Merjem. Während Merjem noch auf Silber gehen will, strebt Nina mehr an: „Ich lass mir Zeit, dann schaff ich auch noch Gold“, sagt sie prustend. Zimmermann freut sich über solche Ziele: „Das Schöne ist, dass es nicht auf Schönheit oder Schnelligkeit ankommt, sondern dass man ausdauernd schwimmt.“ Am Ende wird über die Hälfte der Teilnehmer nicht älter als 20 sein. Wenn man sich bei Teilnehmern und deren Eltern umhört, ist das nicht selbstverständlich. In der Südpfalz gibt es zu wenig Hallenbäder, heißt es. Der Schwimmclub-Vorsitzende Algi Gerundt weiß um solche Probleme. Nach den Erfahrungen des Vereins sinkt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die schwimmen können, stetig. Die Schwimm- und Stilkurse des Vereins seien aber ständig ausgebucht, das Angebot an Hallenbädern in der Region decke längst nicht die Nachfrage. „Eine Lehrerin aus Herxheim wollte mit ihrer Klasse heute kommen. Aber es hätte keinen Sinn gemacht, weil die wenigsten schon schwimmen könnten“, bedauert er. Auch sei festzustellen, dass Lehrer die Schulstunden gerne beobachtend auf der Wärmebank absäßen und die Kinder sich einfach selbst beschäftigen ließen: „Ein Unterricht oder gar Training findet so ja gar nicht statt. Und irgendwann kommen dann die Jugendlichen in unsere Stilkurse, um richtig schwimmen zu lernen und ihre Sportnoten zu verbessern. Aber wir können doch nicht alles machen?“ Für das 15 Jahre alte Schwimmclub-Mitglied Sebastian sind Schwimmen und aktive Vereinsarbeit hingegen eine Selbstverständlichkeit. Wie Zimmermann hakt er fröhlich am Beckenrand die Runden ab: „Ich mache das auf jeden Fall sehr gerne, von mir aus könnte die Veranstaltung noch öfter stattfinden. Es ist schön, dass so viele Leute kommen“. Und sie kommen aus allen Altersgruppen. Der älteste Schwimmer ist Jahrgang 1942, die jüngste Teilnehmerin erst vor 3 Monaten 5 Jahre alt geworden. Geschafft hat sie 725 Meter, das sind 29 Bahnen. Als Anerkennung gibt es eine Bronzemedaille. Es wäre eine Überraschung, sollte das Mädchen in den kommenden Jahren nicht sein Kinderzimmer mit noch mehr Trophäen pflastern wollen.