Kreis Germersheim Integration gelingt mit der Sprache
KANDEL. Wie gut Integration klappen kann, zeigen zwei Beispiele an der Realschule plus in Kandel: Das eine ist Enise Denirova, eine 14-jährige Schülerin, die Anfang 2013 aus Mazedonien kam, das andere ist der 16-jährige Sebastian Padurarill aus Rumänien, der seit August 2014 an der Schule ist.
„Enise war von Anfang an extrem aufgeschlossen und ehrgeizig“, sagt Schulleiterin Cornelia Geiser. Mit fünf Jahren ging sie in den Kindergarten in ihrer Heimatstadt Stip im Osten von Mazedonien und besuchte anschließend dort bis zur sechsten Klasse die Schule. Somit wäre sie in Kandel in die siebte Klassenstufe eingeschult worden, aber ohne jegliche deutsche Sprachkenntnisse wurde sie einer sechsten Klasse zugeordnet. „Ich bin in Deutsch, Englisch und Mathematik dabei gewesen, verstand aber kaum etwas. Dafür bekam ich jeden Tag vier Stunden Deutschunterricht, wobei ich alleine war“, erzählt Enise.In der siebten Klasse waren es dann mit ihr vier Schüler – aus Russland und aus Polen gekommen – die zunächst jeden Tag zwei Deutschstunden als Förderunterricht erhielten. Schon im zweiten Halbjahr blieb Enise ganz im Unterricht in ihrer Klasse ohne Förderstunden. Sie hatte inzwischen so gute sprachliche Fortschritte gemacht, dass ihre Leistungen im Fach Deutsch schon teilweise befriedigend waren. In der achten Klasse wurden ihre Noten in allen Fächern immer besser. „In Deutsch stand ich zwischen gut und befriedigend – also ganz normale Noten“, sagt Enise ganz cool. „Jetzt, in der neunten Klasse, fragen mich meine Mitschüler oft: „Warum hast Du schon so gute Noten?“ „Weil es mir eben Spaß macht“, ist ihre Erwiderung. Dabei hat Enise in den naturwissenschaftlichen Fächern Physik, Chemie und Biologie bereits die Noten „sehr gut“ erreicht. „Diese Fächer liegen mir besonders gut“, erläutert sie. Da Enise in der Berufsreifeklasse ist, absolvierte sie in der achten Klasse ein einwöchiges Praktikum in einer Arztpraxis in ihrem Wohnort Hagenbach. Jetzt, in der neunten Klasse, ist sie seit November am sogenannten Praxistag im Rahmen des schulischen Berufsorientierungskonzeptes jeden Mittwoch dort tätig. Somit hätte sie die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten zu machen, was auch ihr Wunsch war. Während des Gespräches eröffnete sie aber ihrer Schulleiterin, dass ihre Noten inzwischen so gut geworden sind, dass sie in den Bildungsgang „Qualifizierter Sekundarabschluss I“ umgestuft werden und somit in die zehnte Klasse kommen kann. Darüber war die Schulleiterin natürlich sehr erfreut. Dann wären ihre Aussichten für den Wunschberuf auch noch besser. Enise hat noch eine jüngere Schwester, die derzeit die dritte Klasse in der Grundschule in Hagenbach besucht. Als Sebastian nach Kandel kam, nahm er zuerst in der siebten Klassenstufe teilweise am Klassenunterricht teil und bekam auch vier Stunden Deutsch-Förderunterricht. Das blieb auch in der achten Klassenstufe noch drei bis vier Monate so. Danach gab es nur noch vier Stunden Zusatzförderung in der Woche. „Ich konnte zum Beispiel in Geschichte schon gut dem Unterricht folgen“, erzählt er stolz, „aber im Deutschunterricht hatte ich noch Probleme“, gibt er offen zu. „In meinem Umfeld wird viel rumänisch und wenig deutsch gesprochen“ schmunzelt er. „Das ist nicht gerade ein Vorteil“. In der achten Klasse absolvierte er ebenfalls ein einwöchiges Praktikum in der Küche im Hotel „Zur Pfalz“ in Kandel, das ihm viel Spaß bereitete. Er will auch Koch werden. Deshalb nimmt er in der Schule an der Koch-AG teil und macht in den Ferien ein zusätzliches Praktikum als Koch. „In der neunten Klasse habe ich jetzt auch sprachlich Fortschritte gemacht“, meint er lächelnd. Dafür nimmt er zweimal in der Woche am Nachmittag am Förderunterricht teil. „Aber es muss noch besser werden.“ Sein jüngerer Bruder besucht die vierte Klasse in der Grundschule in Kandel und kommt dann auch an die Realschule plus. „Der spricht besser Deutsch als ich“, erzählt Sebastian und grinst. (jopa)