Kreis Germersheim Inseln für bedrohte Tierarten geschaffen

Kandel. „Der Naturschutzverband Südpfalz hat einen neuen Vorsitzenden.“ Viele Vereinsmitglieder die bei der Jahreshauptversammlung nicht dabei waren, konnten diese Nachricht gar nicht glauben. Und doch ist es so: Gerd Kümmel, der schon 1985 zweiter Vorsitzender war und seit 1991 an der Spitze des NV-S steht, kandidierte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.
Letztlich ist ein schwerer Verkehrsunfall der Grund, so der 72 Jahre alte Kümmel, der seinem Nachfolger Kurt Garrecht aus Herxheim einen gesunden Verein mit 1750 Mitglieder in elf Ortsgruppen in den Kreisen Germersheim und Südliche Weinstraße übergibt. Den Vorsitz in der Ortsgruppe Kandel, zu deren Gründungsmitgliedern Kümmel zählt, behält er noch. Die vielen Jahre mit Kümmel an der Spitze waren für den Naturschutzverband Südpfalz gute Jahre, wurde doch in dieser Zeit in unserer Region sehr viel für den Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Landschaft erreicht. Auch wenn seine Bemühungen, so Kümmel in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ, oft „ein Rennen gegen Wände für die Natur“ war. Als spektakulärste Aktion des NV-S während seiner Amtszeit nannte er die Rettung der vom Aussterben bedrohten Flussseeschwalben. Für sie legten NV-S-Mitglieder auf einem Baggersee der Kiesfirma Wolf und Müller, früher Silex-Normkies, bei Hagenbach künstliche Inseln an, die sie heute noch betreuen. Dort können die Vögel ungestört leben und brüten. Es ist ihre einzige Population in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland. Weniger spektakulär aber ebenso nachhaltig waren die Bemühungen zur Wiederansiedlung des Laubfrosches. Der ist dank über 30 als „Trittsteine für die Amphibien“ angelegten Feuchtgebieten zwischen den Rheinauen und dem Rand des Pfälzer Waldes wieder stark vertreten, und mit ihm auch weitere gefährdete Tiere wie der Kammmolch oder die Wechselkröte. Gegenüber der RHEINPFALZ nannte Kümmel noch weitere größere Aktionen, wie die Schaffung von Winterquartieren für Fledermäuse, die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen, eine „Lebensraumvernetzung“ für Steinkäuze, der Bau einer Löss-Steilwand als Heimat vieler Wildbienen- und Wespenarten sowie den Erwerb von Wiesengelände mit vielen geschützten Blumen und Pflanzen. Kümmel, der 2000 für seine „Verdienste um die Vogelwelt“ mit der „Goldenen Nisthöhle“ ausgezeichnet wurde, wies auch auf die vielen Naturschutzaktionen der elf Ortsgruppen hin. Hingewiesen werden muss auch noch darauf, dass in Kümmels letztem Jahr als Vorsitzender 740 Grundstücke (180 Hektar), die dem NV-S und seinen Ortsgruppen gehören, an die „Stiftung zum Schutz von Landschaft und Natur in der Südpfalz“ übertragen wurden. Damit seien sie für alle Zeiten für den Naturschutz gesichert, so Kümmel.