Kreis Germersheim Industriebaum wird zum Biotop

Ist sie nun Auwald-tauglich oder ist sie es nicht, die Schwarznuss? Diese Frage beschäftigte die Experten des Auen Forums beim Forstamt Pfälzer Rheinauen – und die Antwort verblüffte einigermaßen. Der vielgeschmähte „Industriebaum“ ist Auwald-tauglich, wird sogar als möglicher Ersatz für die sterbende Esche angesehen. Die schon vor fast 350 Jahren nach Europa gekommene Schwarznuss (lateinisch: Juglans nigra) hat sich zwar durch langweilige Monokulturen in heimischen Wäldern einen schlechten Ruf erworben, gilt aber im Mischwald als ausgesprochen attraktiv für Flechten und Moose und damit für eine ganze Reihe darin und davon lebender Tierchen und Tiere. Der zweite Faktor, der den Baum als geeignet für einen Naturwald (Wald, der sich selbst reproduziert) erscheinen lässt, ist die natürliche Verjüngung. Johannes Mazomeit, Geograph und Naturforscher, hat für die Hördter Au diese Verjüngung dokumentiert. Er belegt, dass Naturverjüngung stattfindet, die Schwarznuss sich also ohne Försterhand fortpflanzt. Allerdings ist laut Mazomeit noch offen, ob und wie groß diese Bäume, die viel Licht brauchen tatsächlich weiterwachsen, oder ob sie später im Schatten anderer Arten eingehen. „Das muss noch etliche Jahre beobachtet werden“, so Mazomeit. Er hält es durch seine Beobachtungen allerdings für belegt, dass die Schwarznuss keine anderen Arten verdrängt. Und ihr hoher wirtschaftlicher Stellenwert sei ohnehin unstrittig. Forstamtsleiterin Monika Bub hatte dazu Zahlen parat: Der wertvollste Festmeter der vergangenen Schwarznussernte (471 Festmeter) brachte bei der Wertholzversteigerung 2280 Euro. Die teuerste Stieleiche ging für 98 Euro weg. Doch das allein sei noch kein Grund, eine Lanze für die Schwarznuss im Auwald zu brechen, so Bub. Aber man müsse sich mit dem Thema auseinandersetzen, weil der Wald wie alles andere dem Klimawandel unterworfen sei und für die Hördter Au noch der Umbau des Waldes als Rückhalteraum für Extremhochwasser hinzukomme. Bub: „Das Eschentriebsterben hat Ausmaße angenommen, die vor zwei Jahren noch nicht einmal zu ahnen waren.“ Deshalb sei es wichtig zu wissen, ob die Schwarznuss eine Bedrohung für die biologische Vielfalt des Auwaldes darstellt, oder sich in dieses Ökosystem einfügt. Zumindest die Vermutung liegt nahe, dass sie sich einfügt, wenn sie nicht als Monokultur angepflanzt wird. Die Biologen Volker John (Naturkundemuseum, Bad Dürkheim) und Norbert J. Stapper (Ökologische Studien, Monheim) wiesen für Schwarznussbäume in der Hördter Au genauso viele oder noch mehr Moos- und Flechtenarten nach, wie für andere, benachbarte Baumarten wie etwa die Esche. Das, so Stapper, sei eine „gigantische Vergrößerung der Oberfläche in diesem Ökosystem“. Einigkeit herrschte, dass der ursprünglich als reines Wertholz angesehene Baum nicht mehr als 20 Prozent der Fläche belegen darf. Das entspricht ungefähr dem aktuellen Eschen- und Ahornbestand, die Eiche macht rund 25 Prozent des Bestandes aus. Dieser Anteil sei in den Pfälzer Rheinauen lange nicht erreicht, sagte Ernst Christian Driedger vom Forstamt. Die knapp 35 Hektar Schwarznuss im Forstamt entsprächen rund 1,3 Prozent der Gesamtfläche. Unterm Strich, das zeigte Revierleiter Ansgar Vogelgesang an mehreren Beispielen im Wald, sei die Schwarznuss im Mischwald sicher eine Alternative, zumal sich in Mischbeständen auch die Krautschicht am Boden normal entwickle. Demgegenüber ist der Boden in den Schwarznussmonokulturen (wie in vielen anderen Monokulturen) mit der kanadischen Goldrute dicht überwuchert, die alles darunter „erstickt“.