Kreis Germersheim „In Eritrea gibt es keine Gerechtigkeit, keine Zukunft“
Knittelsheim. Medhanie Gebretinsae (26) kommt aus einem kleinen Dorf in Eritrea. Vor einem Jahr und vier Monaten habe er Asyl in Deutschland beantragt. „Ich wohne ein Jahr und zwei Monate in Knittelsheim“, berichtet der Eritreer, der nun „Mikel“ gerufen wird.
In Knittelsheim teilt er eine Unterkunft mit 18 Landsleuten, was die Kommunikation, durch die gemeinsame Sprache „Tigrinya“, erleichtere. „Wir sind drei im Zimmer“, sagt er in gut verständlichem Deutsch. „Ich habe keinen Beruf, ich habe meinen Eltern mit der kleinen Landwirtschaft geholfen“, berichtet „Mikel“. Nach zwölf Jahren Schule, in der er „sieben Fächer“ einschließlich Englisch lernte, sei er ein Jahr beim Militär gewesen. „In Eritrea gibt es kein Lohn, keine Gerechtigkeit, ewig Militär, keine Zukunft“, begründet er seine Flucht. Diese dauerte sechs Monate und führte durch die Sahara nach Libyen, dann über das Mittelmeer nach Italien. Mikel sieht seine Zukunft in Deutschland: „Ich möchte ewig bleiben.“ Den Beruf des Zahntechnikers will er ab nächstes Jahr erlernen. „Ich habe ein Jahr und drei Monate für die Gemeinde gearbeitet und mache jetzt ein Praktikum im Labor bei Zahnarzt Dr. Meyer“, berichtet er hochmotiviert. Ein weiterer Deutschkurs „C1“ in Germersheim stehe an. Es werde ihm „jeden Tag viel geholfen von super netten Leuten“, lobt er. In seiner Freizeit schaue er die Tagesschau, lese deutsche Zeitungen und „deutsche Zitate“, mit dem Ziel „perfektes Deutsch“ zu können. Zu seiner Mutter halte er telefonisch Kontakt, aber die Verbindung sei meistens schlecht. Zwar vermisse er die Großfamilie („Wir sind sechs Brüder und eine Schwester.“) und die Nachbarschaft im Dorf. Aber „lieber sofort sterben als zurück nach Eritrea“, so Mikel. (mjn)