Kreis Germersheim In der Kantine den Traumjob gefunden

Nils Nager wurde von den Kindern bestürmt.
Nils Nager wurde von den Kindern bestürmt.

«Wörth». Wisst ihr schon, wo ihr nach der Schule mal arbeiten wollt? Also, wenn ich ein großer Biber bin, möchte ich Pilot werden. Oder lieber Feuerwehrmann? Na ja, so ganz genau weiß ich es doch noch nicht. Es gibt ja so viele schöne Berufe! Deshalb mache ich mich einfach mal auf den Weg in die Kinderstadt Astropolis in Wörth. Dort können die Kinder in den letzten drei Ferienwochen nämlich jeden Tag einen anderen Beruf ausprobieren.

Mir begegnen Juweliere mit wunderschönen selbstgemachten Armbändern, fleißige Bäcker und begabte Zirkusartisten. Nur Biber sieht man hier wohl sehr selten. So kommt gleich mal ein Polizist auf mich zu, der mich neugierig fragt: „Was bist denn du für ein Tier?“ Der Achtjährige ist mit seinen Kollegen dafür verantwortlich, dass jeder die Regeln in Astropolis einhält und hat heute schon Strafgeld für Rennen auf dem Gelände verlangt. Es ist sozusagen sein Job, zu wissen, welche Tiere hier ein und ausgehen. „Das ist ein Biber. Das sieht man doch“, ruft die neunjährige Valentina aus Wörth, bevor ich selbst antworten kann. Und Max aus Hagenbach kennt sogar meinen Namen. Wie er mir ganz stolz erzählt, ist er nämlich im Nils-Nager-Club. „Es freut mich, dass ich dich endlich mal treffe“, meint der Neunjährige. Gemeinsam mit seinem Freund arbeitet er in der Spedition. Sie kümmern sich um den Müll und fahren Wasser aus. Plötzlich zieht jemand an meiner Pfote. Aua, das macht ganz schön weh! Wie gut, dass sich die nette Polizistin Nina gerade an mich kuschelt und mir sofort zu Hilfe eilt. Auch die achtjährige Thamar aus Berg ist besorgt. Sie fächert mir sogar Wind zu: „Damit dir nicht so heiß wird mit deinem dicken Fell.“ Heiß ist es heute wirklich. Doch das ist für die Kinder kein Problem. Sie haben so viel Spaß in ihren Berufen, das keiner an Schwimmbad oder Baggersee denkt. Und kleine Ausflüge werden schließlich auch in der Kinderstadt gemacht. So haben die Mitarbeiter des Reisebüros keine Mühen gescheut. „Wir machen gleich einen Ausflug in den Streichelzoo“, sagt die elfjährige Maya aus Ottersheim. Begleitet werden sie von einigen der rund 60 Helfer und Betreuer. Insgesamt gibt es fast 40 Berufe! Jeden Morgen kann man sich für eine neue Arbeit entscheiden. Der siebenjährige Valentin probiert sich heute zum ersten Mal als Kameramann und filmt mich, wie ich Gummibären verteile. Ach, da fühlt man sich ja wie bei „Deutschland sucht den Superbiber“. Apropos, meinen ganz persönlichen Superstar der Kinderstadt finde ich in der Küche. Der zehnjährige Benjamin arbeitet seit dem ersten Tag in der Kantine. „Als wir angekommen sind, war nichts mehr frei außer Kosmetikstudio, Schneiderei oder eben Kantine. Da Make-up nichts für mich ist und ich nicht schneidern kann, habe ich also die Kantine gewählt. Das macht mir jetzt so viel Spaß, dass man mich hier nirgendwo anders sehen wird“, berichtet mir der fleißige Helfer aus Maximiliansau. Seitdem tauscht er beim Mittagessen Flaschen aus, räumt schmutziges Geschirr ab und bringt gebrauchte Becher in die Küche. Einen Lohn erhält er natürlich auch. 10 Astros bekommen die Kinder in der Stunde, die sie wieder in frischgebackene Waffeln oder Popcorn investieren können. Benjamin schafft es vor lauter Arbeitseifer gar nicht, sein ganzes Geld auszugeben. Später will er einmal Kellner werden. Kinder, die so voller Begeisterung mit an packen, dass die Erwachsenen nicht mehr mit der Arbeit nach kommen – das erlebt man wahrscheinlich nur hier in der Kinderstadt Astropolis. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch.

x