Kreis Germersheim Immer skeptisch bleiben

Homöopathie, Aberglaube und Verschwörungstheorien sind Themen der Skeptiker.
Homöopathie, Aberglaube und Verschwörungstheorien sind Themen der Skeptiker.

Obwohl schon seit Jahrzehnten sogar eine der bekanntesten Kindersendungen mahnt „wer nicht fragt bleibt dumm!“, scheinen heutzutage für viele Menschen gerade die einfachen Erklärungen immer populärer zu werden. Dabei gibt es zu einer gesunden Portion Neugier noch immer keine Alternative. Die Skeptiker haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, Fehlinformationen und Pseudowahrheiten zu hinterfragen. Alle sechs Wochen trifft sich der Stammtisch Pfalz-Nordbaden in Kandel. „Prüft das eigentlich irgendjemand auch einmal nach?“, hat sich der Physiker Gernot Buth schon als Teenager gefragt, wenn er sich bei der Oma durch deren Stapel an Regenbogenblättern gelesen hat. Die prächtige Unterhaltung wog seine Skepsis bis heute nicht auf und so trifft er sich mit weiteren Interessierten auch an diesem Abend in einer gemütlichen Gaststätte. Seit 1987 wollen die Skeptiker und deren Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) Wissenschaft und wissenschaftliches Denken aktiv fördern und widmen sich im besonderen Themenbereichen wie Aberglaube, Verschwörungstheorien oder Alternativmedizin. Ein Dauerbrenner ist die Homöopathie, die von den Skeptikern kritisch bewertet wird. So sagt ein Teilnehmer, dass er während seines Physikstudiums den Versuch kennengelernt habe, das Homöopathie-Prinzip der „Verdünnung“ schlicht auf physikalische Fachgebiete anzuwenden, das Ergebnis sei entsprechend eindeutig gewesen. Dieser wissenschaftliche Ansatz durchzieht das Denken der Skeptiker, sie möchten nachvollziehbare und gut belegbare Beweise. Bei Treffen wie dem in Kandel werden interessante Bücher und aktuelle Themen besprochen, mit denen sich die Teilnehmer gerade beschäftigen. Literaturtipps und Informationen über Veranstaltungen, deren Besuch anregend sein könnte, werden ausgetauscht. So wird über den alle zwei Jahre stattfindende europäischen Skeptiker-Kongress berichtet, der die Teilnehmer ins polnische Breslau führte. Auch werden kleinere Vorträge wie zur Frage der Zukunft des Verbrennungsmotors oder des Elektroantriebs als Alternative gehalten. In der Regel haben die Skeptiker zwar einen akademischen Hintergrund und viele sind Naturwissenschaftler, aber willkommen ist jeder. Sechs Personen sind an diesem Abend anwesend und alle treibt längst die Angst um, welche Folgen der schnelle und oberflächliche Informationsfluss des Internet-Zeitalters noch bringen wird. „Es ist unsäglich, in welch rasender Geschwindigkeit Lügen verbreitet und Emotionen hochgekocht werden“, sagt eine Teilnehmerin in Bezug auf die zum Teil weltweite Präsenz Kandels in den vergangenen Wochen. Sie selbst wurde zur Skeptikerin, weil sich in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zunehmend „esoterische Damen“ gefunden hätten, deren Thesen und Überzeugungen sie einmal genauer nachgehen wollte. Es sei beängstigend, welche Beeinflussungen der Öffentlichkeit heute nicht nur möglich seien, sondern auch tatsächlich stattfänden. „Mein Impuls ist es, immer skeptisch zu sein“, sagt ein weiterer Gast und trifft wohl den entscheidenden Punkt: Nicht nur fremde Standpunkte, sondern auch den eigenen immer wieder neu durch zu denken. Seit 2010 gibt es den Skeptiker-Stammtisch bereits. Es gebe weder schnelle Antworten noch ein Patentrezept gegen Wirrköpfe, sind sich die Skeptiker einig. Wer sich seinen Sinn für Neugier und Wissen bewahrt hat und seine Skepsis gegenüber einfachen Lösungen nicht nehmen lassen möchte, ist bei ihnen jederzeit herzlich willkommen. Info Infos zu den Treffen und die Termine der Skeptiker-Gruppe Pfalz-Nordbaden und der GWUP sind im Internet unter: www.gwup.org zu finden.

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