Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Im Wohnzimmer zur Welt gekommen

Die Hausgeburt mit Hebamme Tina Heintz (rechts) bescherte Familie Kosse unvergessliche Momente.
Die Hausgeburt mit Hebamme Tina Heintz (rechts) bescherte Familie Kosse unvergessliche Momente.

In der Geburtsurkunde von Niklas Kosse steht als Geburtsort Jockgrim. Tatsächlich wurde das dritte Kind von Nicol und Jürgen Kosse vor einem Monat nicht im Krankenhaus geboren. Eine ganz bewusste Entscheidung und die erste Hausgeburt im Ort seit langem.

Hebamme Tina Heintz aus Rheinzabern hat die Geburt von Niklas’ zuhause begleitet. „Wir kennen Tina Heintz schon seit der Geburt unserer ersten Tochter in 2011 in Kandel. Nach Josefine wurde auch Marlene zwei Jahre später in Kandel geboren,“ erinnert sich Nicol Kosse. Die Familie war ausgesprochen zufrieden mit der Wahl der Kandeler Geburtsstation und ihrer Hebamme, nur wurde diese Abteilung in der Asklepios-Klinik zwischenzeitlich geschlossen. „Deshalb überlegten wir, zuerst eher spielerisch“, so die dreifache Mutter, „ob es nicht auch möglich wäre, dass das dritte Kind zuhause auf die Welt käme.“

Corona-Krise bestärkt den Entschluss

Anfang des Jahres wurden diese Pläne konkreter. Es folgten intensive Gespräche zwischen den werdenden Eltern und der Hebamme ihres Vertrauens, die Zweifel wurden immer weniger. „Schließlich war der Ausbruch der Corona-Krise der i-Punkt auf dem Entschluss für eine Hausgeburt“, so Jürgen Kosse. Damit beide Seiten rechtlich abgesichert waren, schlossen Eltern und Hebamme einen Vertrag, in dem geregelt war, dass die Geburt jederzeit beim Aufkommen von Bedenken abgebrochen und in ein Krankenhaus verlagert werden könnte.

Da die Schwangerschaft wunschgemäß verlief und der Junge im Bauch der Mutter früh die richtige Geburtslage gewählt hatte, standen die Zeichen „pro Jockgrim“. Für die beiden Töchter wurden Betreuer gefunden, so dass sich Nicol und Jürgen Kosse zusammen mit der Hebamme ganz auf den Geburtsvorgang konzentrieren konnten. „Wir hatten das Wohnzimmer als Geburtsraum ausgewählt“, erklärt der 45-jährige Ehemann. Dieses wurde mit einer unbenutzten Matratze, einer neuen Malerfolie und einem alten Spannbettlaken ausgestattet, das technische Equipment brachte Tina Heintz mit.

Nachts platzt die Fruchtblase

In den frühen Morgenstunden des 4. April, es war ein Samstag, platzte der 37-jährigen Schwangeren die Fruchtblase, die Wehen ließen aber auf sich warten. Um 8 Uhr kam Tina Heintz dazu, überwachte regelmäßig die Herztöne des Kindes und bestätigte, dass alles optimal verlief. Um 11 Uhr gingen die beiden Mädchen zu ihren Betreuern in der Nachbarschaft, gute zwei Stunden später begann die letzte Phase der Geburt. Mittlerweile war als weitere Hebamme Annkathrin Knapp dazu gekommen. Um 15.45 Uhr war es dann soweit, Niklas war da. „Wir ließen die Nabelschnur noch auspulsieren, dann durfte sie Papa Jürgen abtrennen“, erzählt die Hebamme.

Schwestern helfen beim Messen und Wiegen

„Für mich war die Hausgeburt eine unglaubliche Erfahrung, sie machte emotional so viel mit mir“, schildert Nicol Kosse die Momente. „Ich fühlte mich nach der Geburt total fit, es war ein tolles Gefühl, Niklas sofort auf dem Bauch liegen zu haben, es war ganz anders als im Krankenhaus.“ Die Schwestern durften schon eine Stunde später ihren kleinen Bruder im eigenen Haus sehen. Ein unvergesslicher Moment war es für die beiden, als sie zusammen mit Tina Heintz Niklas genau betrachten durften, sie halfen beim Messen und Wiegen. „Er war 3600 Gramm schwer“, sagt Josefine. „Und 51 Zentimeter lang“, ergänzt Marlene. Nur wenige Stunden nach der Geburt saß die Familie schon gemeinsam beim Abendbrot.

Keine Hausgeburt seit mehr als elf Jahren

Für den Standesbeamten der Verbandsgemeinde, Stefano Tedesco, war es die erste Hausgeburt seit seinem Dienstantritt vor elf Jahren in Jockgrim. Obwohl entsprechende Vordrucke fehlten, reagierte er unbürokratisch und hilfsbereit, um den neuen Einwohner zu registrieren. Mittlerweile hat Niklas die zweite Untersuchung beim Kinderarzt erlebt und daheim seine Schwestern und Eltern fest im Griff.

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