Kreis Germersheim Im Wald dürfen nur noch Kandeler ruhen
Seit 2007 kann man sich im Bienwald in einer Urne am Fuße eines Baumes bestatten lassen. Innerhalb dieser zehn Jahre wurde die Kandeler Bienwaldruhe zu einem Erfolgsmodell und hat damit den konventionellen Kandeler Friedhof entlastet. Denn zuvor war immer wieder Thema, dass dieser bald für die wachsende Stadt zu klein werden würde. Nun stellt sich dieses Problem ausgerechnet im Wald: Der Waldfriedhof wird so gut angenommen, dass inzwischen die Bäume knapp werden. 985 Urnen wurden seit 2007 im Bienwald bestattet, davon allein 100 seit September 2016. Es gibt Gemeinschaftsbäume mit Einzelplätzen oder Familien-, beziehungsweise Freundschaftsbäume mit Platz für zehn Urnen. Allerdings haben die Bewohner von Kandel nur ein Viertel der Bestattungsplätze gekauft. Schon im Herbst 2016 hatte die Stadt Alarm geschlagen: Stand Oktober 2016 waren 5023 Bestattungsplätze verkauft worden. Damals waren noch 37 Bäume mit jeweils zehn Plätzen frei. Im Herbst war die Stadt auch zuversichtlich, die derzeit 4,6 Hektar umfassende Fläche der Bienwaldruhe vergrößern zu können: Die Umlegung von Grundstücken im Zuge des Bienwaldgroßprojekts sollte es möglich machen. Der Plan war, zirka zwei Hektar mehr zu nutzen, die mit 750 bis 800 Bäumen genutzt werden sollen. Doch dieser Plan lässt sich offensichtlich nicht so schnell umsetzen, wie gehofft, sagte Stadtbürgermeister Günther Tielebörger in der jüngsten Ratssitzung. Naturschutzbelange müssten geprüft werden, Aufforstungsgenehmigungen eingeholt. „Es ist schon erschreckend, welche Zeithorizonte genannt werden.“ Innerhalb von wenigen Monaten hatte sich die Situation verschärft: Anfang Juni gab es noch sieben Bestattungsplätze an Gemeinschaftsbäumen, zwei komplette Gemeinschaftsbäume mit 20 Plätzen sowie fünf Familienbäume mit insgesamt 50 Plätzen. 100 junge Bäume mit einem Durchmesser von drei Zentimetern waren frisch gepflanzt worden. Deshalb zieht die Stadt Kandel jetzt die Notbremse: „Bäume werden nur noch an Kandeler verkauft, weil wir sonst in ein bis zwei Jahren ausverkauft sind“, sagt Tielebörger. Der Käuferkreis könne wieder erweitert werden, wenn weitere Flächen zur Verfügung stehen. Aber es wäre peinlich, wenn die Stadt ihren eigenen Leuten keinen Baum mehr anbieten könnte, sagte der Stadtbürgermeister. Kandel bedeutet in diesem Zusammenhang ausdrücklich Stadt Kandel und nicht Verbandsgemeinde Kandel. „Ein Kandeler kann sich schließlich auch nicht ohne Weiteres in Minfeld beerdigen lassen“, sagte Tielebörger. Ausnahmen für Verwandte wird es geben. Entschärft wurde auf Drängen einiger Ratsmitglieder die Idee, die Nutzung von 99 Jahren auf 30 Jahre herunterzusetzen: Wer jetzt einen Baum erwirbt, hat ihn für 50 Jahre. Ein Platz am Gemeinschaftsbaum kostet 500 Euro, ein Familien- oder Freundschaftsbaum kostet 2000 Euro. Und eine kleine Klausel sorgt noch dafür, dass es vor dem 1. Juli keine Hamsterkäufe bei den Bäumen von Interessenten außerhalb der Stadt Kandel geben wird: „100 der neu gepflanzten Bäume werden erst nach dem 1. Juli an Einwohner der Stadt Kandel vergeben.“ Das ist auch nötig. Allein seit der letzten Ratssitzung wurden bis gestern 23 Plätze verkauft.