GERMERSHEIM / KANDEL
Im Notfall auch auf der Isolierstation
„Das Besuchsverbot war für die Patienten beziehungsweise Bewohner in den zurückliegenden Wochen eine hohe Belastung. Insbesondere wenn es ans Sterben geht“, beschreibt Pfarrer Ulrich Hauck, Klinikseelsorger in den Asklepioskliniken Kandel und Germersheim sowie im Altenzentrum St. Elisabeth Germersheim, die Situation. Seelsorge ist dagegen laut Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz vom Besuchsverbot ausgenommen.
Auch während des absoluten Besuchsverbots in Krankenhaus und Altenzentrum waren die Seelsorger dort präsent. „Als Seelsorger hatten und haben wir auch in besonderen Notfällen Zugang, zum Beispiel zu einem Sterbenden“, erklärt der Pfarrer. Selbst die insgesamt 23 Corona-Patienten, die im März und April auf der Isolierstation der Asklepiosklinik in Kandel behandelt wurden, hätten Besuch von den Krankenhausseelsorgern bekommen können. „Wenn ein Corona-Patient gesagt hätte, dass er Seelsorge möchte, wäre ich gekommen“, sagt Gemeindereferentin Daniela Fritz, katholische Klinikseelsorgerin in den Südpfalzkliniken Germersheim und Kandel. „Von der Isolierstation gab es aber keine Anfragen. Vielen Patienten dort ging es sehr schlecht.“
Noch immer strenge Besuchsregeln
Ein absolutes Besuchsverbot in Altenzentrum und Klinik gilt inzwischen nicht mehr. Im Altenzentrum St. Elisabeth ist jetzt unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen pro Bewohner eine halbe Stunde Besuch am Tag für nahe Verwandte möglich. Die Besucher-Richtlinien in den Südpfalzkliniken während der Corona-Krise sehen konkret so aus: Seit dem 20. Mai ist das volle Besuchsverbot vom 16. März wieder gelockert - unter klaren Regeln: Jeder Patient kann nur einen Besucher pro Tag empfangen, der muss naher Angehöriger sein und sich am Empfang auf einer Liste an- und abmelden, Mund-Nasenschutz-Pflicht gilt dabei für Besucher und Patienten.
„Das alles soll zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern erfolgen, letztendlich auch zum Schutz der Besucher“, erklärt Michael Königs, Leiter der Klinikhygiene der Südpfalzkliniken und leitender Oberarzt der Geriatrie, den Sinn der Maßnahmen. Die Herausforderung der Besuchssituation sei, „einen Kompromiss zu finden zwischen dem Bedürfnis der Patienten nach sozialen Kontakten und der Vermeidung der Gefahr einer Infektion“.
Ist Seelsorge während der Corona-Krise mehr gefragt als zuvor? „Komischerweise nicht“, hat Daniela Fritz beobachtet. „Vielleicht passt das zur allgemeinen Verunsicherung, die der Corona-Virus mit sich gebracht hat“, vermutet die Gemeindereferentin. „Große Unsicherheit“, hat die Krankenhausseelsorgerin bei vielen Patienten beobachtet. Die „Hemmschwelle“ nach Kontakten zeige sich zum Beispiel in verringerter Nachfrage nach Krankensalbung, Krankenkommunion und Sterbesegen. „Der Bedarf wäre eigentlich da, aber man traut sich nicht nachzufragen, wohl aus Angst vor Ansteckung“, erklärt die Seelsorgerin. Stattdessen komme vermehrt Pflegepersonal auf sie zu, mit der Bitte, einmal nach diesem oder jenem Patienten zu schauen. Ihr evangelischer Kollege Hauck beschreibt seine Erfahrungen mit den Besucher-Richtlinien so: „Bei manchen Patienten gibt es erhöhten Gesprächsbedarf. Andere hingegen sind froh über die große Ruhe, die sie so im Klinikum nicht gewohnt waren.“
Auch Besuchskreis darf nicht kommen
Weitere Veränderungen im Klinikalltag hat die Pandemie mit sich gebracht: Gottesdienste mit Besuchern konnten in den vergangenen Monaten nicht stattfinden. „Man konnte sich so nicht im gemeinsamen Gebet stärken“, beschreibt die Gemeindereferentin. Eine „andere Distanz“ herrsche derzeit auch im persönlichen Kontakt zu den erkrankten Menschen: „Man möchte einem Patienten die Hand geben oder ihn tröstend an der Schulter berühren. Aber das ist zurzeit leider nicht möglich.“ Auch der ehrenamtliche Besuchskreis darf momentan nicht im Krankenhaus tätig sein. „Die Ehrenamtlichen haben zum Beispiel für Patienten eingekauft oder ihnen Wasser aufgefüllt“, erklärt Daniela Fritz. Durch ihr Fehlen hänge jetzt noch viel mehr am Pflegepersonal.
Wie geht es den Patienten in der Corona-Krise? „Einige haben große Angst, was noch kommen wird. Andere, etwa manche betagtere Menschen gehen gelassener mit der Situation um. Sagen zum Beispiel: Ich habe den Krieg überlebt, jetzt werde ich die Pandemie auch noch überstehen. Gott wird’s schon richten.“
Eine weitere Beobachtung im Klinikalltag: Weniger Patienten überhaupt lassen sich derzeit in den Kliniken behandeln. „Damit stehen die Südpfalzkliniken aber nicht alleine da, der Trend ist bundesweit“, sagt der Leiter der Klinikhygiene Königs. Gründe hierfür nennt der Arzt: Potentielle Patienten haben Angst vor Ansteckung mit COVID-19 in einem Krankenhaus. Auch Behandlungen und Operationen, die nicht aufgeschoben werden sollten, sind betroffen. Aber auch Kliniken haben Behandlungen verschoben. „Die Kliniken sind den Vorgaben der Politik gefolgt und haben Eingriffe abgesagt oder verschoben“, erläutert Königs.
Am Pfingstsonntag wurde wieder der erste Gottesdienst in der Klinikkapelle Kandel gefeiert, mit Anwesenheitsliste und Anmeldung beim Pfarrer - und mit Videoübertragung in die Patientenzimmer.