Kreis Germersheim Im Nordkreis weniger Interesse an Theater

Seit 200 Jahren fast unverändert: Landkreis Germersheim.
Seit 200 Jahren fast unverändert: Landkreis Germersheim.

Der Landkreis Germersheim feiert seit Januar ein ganzes Jahr lang seinen 200. Geburtstag. Dazu gehört das Erscheinen eines Zeitzeugen-Buches mit dem Titel „Gehen-Kommen-Bleiben, MenschenWege im Landkreis Germersheim“. Das Buch ist das Ergebnis einer „Spurensuche“ im gesamten Landkreis.

Eine Gruppe von 48 Spurensuchern begab sich in 26 Gemeinden im vergangenen Jahr im Kreis Germersheim auf die Suche nach Erinnerungen und Geschichten. Die Interviewer sprachen mit Menschen, die dauerhaft oder vorübergehend in den Landkreis gekommen sind, die schon immer hier lebten oder die weggegangen sind. Dabei sind viele spannende und ergreifende Antworten gesammelt worden, die einen lebendigen Blick auf die jüngere Geschichte des Landkreises von 1809 bis 2017 erlauben. Aus diesem Schatz an Erinnerungen und anhand weiterer historischer Quellen entwickelten Marianne Stein, Regisseurin des Neupotzer Theaters Kauderwelsch, und Sayeeda Rennhofer ein Theaterstück. Entstanden ist ein Stück, das aus kurzen Lesungen und einprägsamen, tief gehenden Theaterszenen besteht. Ausgewählte Kostproben der Inszenierung erhielten die Besucher des Festaktes im Mai; fünf weitere Aufführungen fanden in Germersheim, Jockgrim, Neupotz, Steinweiler und Wörth statt. Marianne Stein, die Regisseurin und Mitwirkende bei den szenischen Lesungen, schwärmt selbst begeistert, wie emotional gefüllt die Theaterabende waren: „Es war auch für uns als Darsteller oder Vorleser ergreifend, die Reaktionen in den Gesichtern der Zuhörer und Zuschauer zu sehen. Die Geschichten und die allgemeine Geschichte sind es nämlich wert, festgehalten und immer wieder erzählt zu werden. Auch, um sich wiederholenden Entwicklungen wie zu Zeiten des Nationalsozialismus vorzubeugen.“ Das ganze Ensemble aus Schauspielern und Lesern freut sich deshalb, dass die Resonanz auf das Stück bisher positiv ausfiel. So äußerten sich Zuschauer: „Danke, danke, dass mein Lebensbericht aufgezeigt wird. Gut, dass aufgezeigt wird, wie sich Geschichte wiederholt, dass Krieg die Menschen dazu treibt ihre Heimat zu verlassen.“ Oder: „Vielen Dank für diese großartige Aufführung und vor allem den Mut, auch unbequeme Wahrheiten aufzuzeigen, die Kriegsjahre, die NSDAP, das Leid, gehören nicht zu Erinnerungen, die gerne gehört oder gesehen werden… aber wie wichtig, dass gerade heute diese Wahrheiten aufgezeigt werden.“ Für das zweite Halbjahr sind bisher zwei Aufführungen fest eingeplant. Freie Termine gibt es noch für Freitag, 23. November, für Freitag, 30. November und für Samstag, 1. Dezember. Da die Geschichten im ganzen Kreis angesiedelt sind, wäre es schön, wenn sich auch Gemeinde aus dem nördlichen Kreis zu einer Aufführungen entschließen würden, so Stein. Info —Wer Interesse an einer Lesung hat, wendet sich an die Projektleiterin Marianne Stein, Telefon 07272 75148 oder 0176 34610791, E-Mail: mbstone@t-online.de. — Förderung der Lesung über Verein für Förderung von Kunst und Kultur, Karin Träber, 07274 53-319, E-Mail k.traeber@kreis-germersheim.de. — Buch mit Texten und Fotos, 250 Seiten, 18 Euro, im Schublädl Neupotz, bei der Ortsgemeinde Rheinzabern, in der Buchhandlung Pausch in Kandel sowie bei Karin Träber.

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