Kreis Germersheim Im „hässlichsten Nest“ glücklich geworden

Siegfried Hahnemann mit Dokumentationen auf CD an seinem ehemaligen Arbeitsplatz in der BASF.
Siegfried Hahnemann mit Dokumentationen auf CD an seinem ehemaligen Arbeitsplatz in der BASF.

«Germersheim.» Er ist nicht nur wegen der Universität und ihrer Sprachausbildung nach Germersheim gekommen, er ist auch hier heimisch geworden und seine berufliche Laufbahn gilt als eines der Karrierebeispiele, die heutigen Übersetzern und Dolmetschern gezeigt werden. Siegfried Hahnemann, längst Pensionär, studierte von 1959 bis 1963 in Germersheim Englisch und Russisch – und feiert am Freitag mit der Uni ihr 70-jähriges Bestehen.

„Unser Fachbereich genießt international hohes Ansehen“, stellte der damalige Dekan des Fachbereichs, Professor Karl-Heinz Stoll, beim Festakt zum 60. Geburtstag fest. An dieser Wertschätzung der Übersetzer- und Dolmetscherausbildung samt Forschung hat sich nichts geändert. Und dass Übersetzer und Dolmetscher beruflich nicht nur im Kernbereich Übersetzen oder Dolmetschen tätig sind, sondern auch in ganz anderen Bereichen erfolgreich arbeiten, mag man exemplarisch am Werdegang von Siegfried Hahnemann ablesen. Der kam Ende der fünfziger Jahre aus seiner Geburtsstadt Leipzig nach Germersheim, wo er bereits einige Semester Chemie studiert hatte. Als Diplomübersetzer ging er zur BASF, wo er Chemie und Sprachen verbinden konnte. Er arbeitete federführend in der Patent-Abteilung mit 140 Mitarbeitern. Er habe praktisch nicht übersetzt, erzählt Hahnemann, aber internationale Patente verglichen und für die BASF ausgewertet. Er war beruflich in vielen Ländern Europas und würde heutigen Studierenden raten, sich neben der Sprachkompetenz solides Wissen auf anderen Gebieten wie Recht oder Naturwissenschaften zu erwerben. Gefallen habe ihm von Beginn an in Germersheim die lockere Atmosphäre, das internationale Flair mit Studies von überall her; auch dass die Leute so nett waren, vom Professor bis zum Pedell, hat ihn beeindruckt. Hahnemann blieb nach dem Studium in Germersheim, gründete eine Familie, engagierte sich in vielen Bereichen, kommunalpolitisch, in der Kirchengemeinde, ist nach wie vor Mitglied im „Bund der Germersheimer“, eine Mitgliedschaft, die in Dolmetscher- und Übersetzerkreisen hohen Stellenwert hat. Dass er überhaupt nach Germersheim kam, habe er einem Tipp seines Onkels zu verdanken: „Studier in Germersheim, dem hässlichsten Nest Westdeutschlands mit der besten Universität für Sprachen.“ Hahnemann folgte dem Rat und hat diesen Entschluss nie bereut. In der Tat sei das Studentenleben in der Rheinstadt recht günstig gewesen. Allerdings seien die damaligen Verhältnisse heutigen Studenten wohl nur schwerlich vermittelbar. Die Unterkunft „war ein Acht- Bett-Zimmer in der Seyssel-Kaserne im alten Wohnheim“. Für ein Bett waren pro Semester 15 Mark zu zahlen. Hahnemann: „Es gab monatlich ein Stipendium von 250 Mark. Da konnte man sich manchmal sogar was leisten. Wenn wir richtig gut drauf waren oder glaubten, uns was Gutes gönnen zu können, dann gingen wir zur Metzgerei Henrich, gleich gegenüber der Uni (heute: Uni-Club) und kauften jeder ein richtig gutes Steak für eine (!) Mark.“ „Kulturell war damals nicht viel geboten“, erinnert sich Hahnemann. „In der Freizeit gingen wir in die ’Träne’ oder mal ins Kino in der Sandstraße. Im Sommer ging es natürlich an den Baggersee. Das war schön und billig.“ Jubiläum 70 Jahre Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK), Freitag, 7. Juli, 16 Uhr, Festakt im Audimax. und Ausstellungseröffnung 70 Jahre Universität in Germersheim. Ab 19 Uhr Campus-Fest.

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