Kreis Germersheim Im Dorf alt werden
In Neuburg konnte der Bürgerverein gestern den ersten Spatenstich für die neue „Wohn-Pflegegemeinschaft“ in der Dorfmitte machen. „Endlich haben wir ein richtiges Bild, bisher setzten wir immer nur wichtige Mosaiksteine zusammen“, beschrieb Arnika Eck, Vorsitzende des Bürgervereines die Aufgaben und Meilensteine seit September 2014.
Mosaiksteine gibt es viele, so Eck. Die Planung der 12 Pflegeeinheiten im Erdgeschoss, die ins Eigentum des Bürgervereins übergehen werden, sowie der acht barrierefreien Wohnungen in den Obergeschossen. Das 2-Millionen-Euro-Projekt musste finanziert werden, die Baugenehmigung auf aufwendigen Wegen erlangt. Schließlich wurde eine Vereinbarung mit der Ökumenischen Sozialstation Wörth zur Betreuung der zukünftigen Bewohner abgeschlossen und es gab den erfreulichen Zuschuss in Höhe von 300.000 Euro aus der Fernsehlotterie. Das Projekt ist bislang im Landkreis Germersheim einzigartig. Eck lobte die Zusammenarbeit mit dem Neuburger Bauträger Kuttler GmbH, sowie mit der Kreisverwaltung und weiteren Bau- und Gesundheitsbehörden. Mit dieser Wohnform werde Neuland betreten, so dass oft Pionierarbeit notwendig war, betonte Eck. Landrat Fritz Brechtel betonte die Bedeutung der zukünftigen Einrichtung im Hinblick auf die rasant alternde Bevölkerung. Hier werde der Wunsch älterer Menschen in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben, Wirklichkeit. Damit werde auch der Vereinsamung entgegengewirkt, weil weiterhin Teilnahme am Dorfleben möglich sein kann. Die Unterschiede des Hauses im Vergleich zum Seniorenheim erläuterte Harald Nier, Seniorenbeauftragter des Landkreises: Da die Senioren Mieter werden, sind sie weiterhin in ihrem eigenen Heim, das Privatheit und vertraute Umgebung mitten im Dorf bietet. Gleichzeitig werde mit einem individuellen Vertrag Unterstützung und Pflege abgesichert. Die garantierte 24-Stunden-Pflege werde mit einem wesentlichen besseren Personalschlüssel als in Seniorenheimen organisiert. Unter der Leitidee „sorgende Gemeinschaft“ werden in Neuburg auch Mitglieder des Bürgervereins ehrenamtlich in der Betreuung tätig werden. So können die Seniorinnen und Senioren weiterhin Kontakte zu Freunden, Bekannten und der Dorfgemeinschaft pflegen. Wie die 12 Wohneinheiten im Erdgeschoss und die darüber liegenden Wohnungen mit insgesamt über 1000 Quadratmetern Wohnfläche gestaltet sein werden, stellte der Architekt Jürgen Ochsenknecht aus Landau vor. Abschließend war Jutta Kuttler von der Kuttler GmbH bei den Neuburger Bürgern um Verständnis, dass es in nächster Zeit bei dem großen Bauvorhaben etwas lauter im Dorf werde.