Kreis Germersheim Im Alter selbstbestimmt wohnen
Wenn morgen die neue Wohn-Pflege-Gemeinschaft in Neuburg feierlich eröffnet wird, dann wohnen bereits einige Senioren in dieser neuen Einrichtung, die vom Bürgerverein Neuburg über vier Jahre geplant wurde und nun in Eigenregie in Kooperation mit der Ökumenischen Sozialstation geführt wird.
Das Erdgeschoss des Gebäudes in der Hauptstraße 21 wurde für eine Million Euro vom Bauträger gekauft, rund 300.000 Euro konnten über Spenden und einen Zuschuss der Fernsehlotterie finanziert werden; das Restdarlehen wird über die Mieteinnahmen über die Jahre getilgt werden. Neben einem großzügigen Wohnbereich mit offener Küche gibt es zwölf Zimmer, je zwei Bewohner teilen sich ein Bad. Inzwischen sind zehn Bewohner unter Vertrag oder haben eine befristete Reservierung. Diese Wohn-Pflege-Gemeinschaften sind mit Seniorenheimen nur teilweise vergleichbar. Es sind in der Größe überschaubare Einrichtungen, die familiäre Atmosphäre für die Bewohner „in ihren eigenen vier Wänden bieten“. Denn sie – oder ihre Angehörigen - schließen einen Mietvertrag für das Zimmer, das mit eigenen Möbeln ausgestattet wird. Die Miet- und Nebenkosten betragen je nach Größe der Zimmer zwischen 350 und 400 Euro. Zusätzlich wird einen Betreuungsvertrag mit der Ökumenischen Sozialstation über 1250 Euro abgeschlossen, der Verpflegung, hauswirtschaftliche Arbeiten sowie eine 24-Stunden-Betreuung abdeckt. Durch Eigenleistungen der Angehörigen kann es hier Einsparungen geben. „Es war unser Bestreben, die Kosten möglichst im Rahmen zu halten“, erklären Arnika Eck, Vorsitzende des Bürgervereins und ihre Stellvertreterin Gerlinde Martus. Ein weiterer Vertrag für die Pflege wird mit der Ökumenischen Sozialstation Wörth abgeschlossen. Dieser beinhaltet je nach Pflegegrad die erforderliche medizinische Pflege im Haus. Diese Kosten werden direkt mit der Pflegeversicherung abgerechnet. Eck betont in diesem Zusammenhang, dass Mietvertrag und Pflegevertrag andere Rechte und Möglichkeiten bieten, als ein Vertrag mit einem Senioren-Pflegeheim. So hat man alle Recht aus einem Mietvertrag und könnte bei Unzufriedenheit sogar den Pflege-Anbieter wechseln. Eine weitere Besonderheit ist die Beschäftigung einer zusätzlichen Fach-Kraft, die sich um organisatorische und verwaltende Tätigkeiten kümmert. Diese Stelle wird mit einer Zulage der Pflegeversicherung, die es speziell für Wohngruppen gibt, finanziert. Kai Lehmann wurde in Neuburg bereits eingestellt, er hat schon ähnliche Erfahrungen gesammelt und sieht sich als „Gestalter des Alltags“ der Bewohner. Es gilt sie individuell in ihren Möglichkeiten zu aktivieren. Dies können kleine Aufgaben in der Küche zusammen mit der Hauswirtschafterin sein „ja selbst die durch den Wohnraum ziehenden Düfte der Speisen beim Backen oder Braten fördern Erinnerungen“. Ehrenamtliche haben sich schon gefunden: Nach einem Aufruf des Bürgervereins haben sich über 20 Frauen gemeldet, die gegen eine Aufwandsentschädigung ein paar Stunden in der Woche die Profis unterstützen. Die Helfer wurden von der Ökumenische Sozialstation geschult, sie wird auch ihre Verwaltung übernehmen. Die zweite Vorsitzende des Bürgervereins Gerlinde Martus berichtet erfreut: „Wir haben inzwischen über 400 Mitglieder, darunter auch viele junge Leute, der Zusammenhalt und das Engagement sind groß, wir sind sicher, dass es nach uns auf jeden Fall weitergehen wird.“ Info —Einweihung: Morgen, Sonntag, ist um 11 Uhr feierliche Einweihung, von 12.30 bis 17 Uhr „Tag der offenen Tür“. —Wohngemeinschaft: Arnika Eck, Telefon 07273-3732, arnika.eck@buergerverein-neuburg.de; Christian Scheiba, Ökumenische Sozialstation, Wörth, 07271 76080, Scheiba@sozialstation-woerth.de.