Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hoher Bedarf an Hausärzten

Besorgniserregend: Im Bereich Germersheim liegt die Anzahl freier Hausarztsitze bei 11,5.
Besorgniserregend: Im Bereich Germersheim liegt die Anzahl freier Hausarztsitze bei 11,5.

„Zum zweiten Mal in einem Jahr muss ich mir jetzt einen neuen Hausarzt in Germersheim suchen“, klagt Norbert Grän, der dabei immer wieder abgewiesen wird – mit der Begründung, es gelte ein Aufnahmestopp für Patienten. Tatsächlich ist die Entwicklung besorgniserregend, wie eine Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) ergeben hat.

„Nachdem meine langjährige Hausärztin im Frühjahr 2020 in Ruhestand gegangen ist, bin ich zu Nils Bollmann gewechselt, der den Praxisbetrieb eingestellt hat“, erzählt Grän – zum 31. Dezember 2020 aus gesundheitlichen Gründen, wie auf der Internetseite des Internisten und Diabetologen außerdem zu erfahren ist. „Bei dem Versuch, einen neuen Hausarzt zu finden, bekomme ich zu hören, dass keine Patienten mehr aufgenommen werden“, so Grän. „Ich solle mich anderweitig umschauen.“

Ruhestand, wie im Fall von Gräns Hausärztin, ist einer der „bundesweit relevanten Gründe für Ärztemangel“, informiert Rainer Saurwein, Pressesprecher der KV RLP; eine ihrer Aufgaben ist die Sicherstellung der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung für gesetzlich Versicherte in Rheinland-Pfalz – wozu eine möglichst wohnortnahe hausärztliche Versorgung und eine angemessene Versorgung durch Fachärzte aller Fachgebiete gehören; wie bedarfsgerecht sie die vertragsärztliche Versorgung organisieren kann, ist von politischen Entscheidungen abhängig, auf die die KV, so Saurwein, nur sehr begrenzten Einfluss habe: Der Gesetzgeber hat beispielsweise nach der Wiedervereinigung Zulassungsbeschränkungen eingeführt, um angesichts der damals hohen Ärztezahl eine Überversorgung zu verhindern. Bis zum Inkrafttreten ist es zu einer sprunghaften Zunahme der Zahl niedergelassener Ärzte gekommen; danach sind Zulassungen nur noch möglich, wenn Arztsitze frei werden.

Dies habe eine Überalterung der Ärzteschaft in Gang gesetzt. Die damals überproportional vielen zugelassenen Ärzte stehen heute vor dem Ruhestand, so die Information. „Das bedeutet, dass das Gesundheitssystem aktuell mehr ausscheidende Ärzte verkraften muss, als es bei einer gleichmäßigen Entwicklung ohne die Zulassungsstopps Anfang der 1990er-Jahre der Fall gewesen wäre.“

Besondere Herausforderungen in Rheinland-Pfalz

Zu den bundesweit relevanten Gründen für Ärztemangel gehört auch, dass „die zur Verfügung stehende ärztliche Arbeitszeit sinkt“ (Stichwort: „Vereinbarkeit von Beruf mit Familie und Freizeit“) und „der Behandlungsbedarf mit dem demografischen Wandel steigt“, erläutert Saurwein, der besonders die „Herausforderungen in Rheinland-Pfalz“ kennt : fehlende Medizinstudienplätze und – mit Blick auf die Finanzierung und das überdurchschnittliche Angebot – der Bereitschaftsdienst.

So liegt die Anzahl freier Hausarztsitze im Planungsbereich Germersheim bei 11,5 – und zum Vergleich in Kandel/Wörth bei drei, in Landau bei 3,5 und in Speyer bei 6,5; im Bereich Neustadt sind 13 Hausarztsitze frei, wie der Pressesprecher der KV RLP informiert. „Das ist ein sehr hoher Bedarf! Wir sehen die Entwicklung mit Sorge, weil wir nicht so viele Ärzte bekommen, wie Sitze frei werden. Uns ist jetzt aber nicht bekannt, dass Patienten in der Region nicht hausärztlich versorgt sind. Wir gehen davon aus, dass sie unterkommen. Und wir tun alles in unserer Macht Stehende, um die entstehenden Lücken durch zahlreiche Maßnahmen zu schließen.“ Demnach macht die KV RLP vielfältige Förder- und Informationsangebote, die auf die Werbung für eine Niederlassung oder Anstellung im vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Bereich zielen. „Das soll Mut machen, aber keine falschen Hoffnungen wecken: Es wird nicht einfacher“, sagt Saurwein, „eine hochwertige ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen.“

Bis die Maßnahmen greifen, gibt es schon mal eine gute Nachricht: Claudia Stefani übernimmt die Hördter Praxis, die Bollmann neben der in Germersheim betrieben hat. „Die Entscheidung dafür ist mir leicht gefallen, da ich diese Nebenstelle als angestellte Ärztin seit zwei Jahren betreue. Hier habe ich ein hervorragendes Team. Und viele Patienten sind mir ans Herz gewachsen. Daher ändert sich wenig.“ Wie bisher werden Vorsorgeuntersuchungen, Hausbesuche, Wundversorgungen und – zur kontinuierlichen Betreuung von chronisch kranken Patienten – Disease-Management-Programme (DMP) angeboten, so Stefani, die plant, „Langzeit-EKG und -Blutdruckmessung und das Schlafapnoescreening nach Hördt zu holen“, damit sie ihre „Patienten nicht mehr nach Germersheim schicken muss“.

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