Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Hitze verschärft Arbeitsbedingungen am Band

Heiß ist es zurzeit überall im Lkw-Werk, an manchen Arbeitsplätzen muss trotzdem Maske getragen werden.
Heiß ist es zurzeit überall im Lkw-Werk, an manchen Arbeitsplätzen muss trotzdem Maske getragen werden.

Die Kombination aus Sommerhitze und Richtlinien wegen der Corona-Pandemie sorge für „unhaltbare“ Arbeitsbedingungen im Lastwagenwerk Wörth, kritisieren Mitarbeiter und Gewerkschaft. In einem offenen Brief an den Werksleiter fordert die IG Metall nun Maßnahmen, die ab 30 Grad greifen. Das Unternehmen verweist auf häufigere Pausen und nächtliches Lüften der Halle.

Die 30-Grad-Marke wurde in den vergangenen Wochen in der Südpfalz häufig geknackt. Doch am Band müssten unabhängig von der Temperatur immer die gleichen Arbeitsleistungen gebracht werden, kritisiert die IG Metall Vertrauenskörperleitung im Daimler-Lastwagenwerk Wörth in einem offenen Brief an Werkleiter Matthias Jurytko. Betroffen sei vor allem die zweite Schicht, die derzeit von 15 Uhr bis 23.30 Uhr am Band steht. „Es ist eine Zumutung, unter diesen Bedingungen zu arbeiten“, sagt Moritz Römmele, Vorsitzender der Vertrauenskörperleitung, im Gespräch mit der RHEINPFALZ

Schon 2019 eine Protestaktion

Das Thema gärt schon länger. Zwar gibt es inzwischen Messstellen, an denen elektronisch die Temperatur in der Produktion überwacht wird. Ab 35 Grad werden auch sogenannte „Hitzepausen“ eingelegt. „Aber zwischen 30 und 35 Grad passiert nichts“, sagt Römmele. Im Sommer 2019 hätten sich daher an einer Protestaktion in Form einer „aktiven Hitzepause“ mehrere Hundert Mitarbeiter beteiligt, sagt Römmele. Dabei habe es auch einen kurzzeitigen Produktionsausfall sowie eine kleine Kundgebung gegeben. Seitdem wurde das Thema auf mehreren Betriebsversammlungen angesprochen, der Betriebsrat griff das Problem auf. Eine Betriebsvereinbarung zum Thema Hitzebelastung habe das Unternehmen bislang jedoch abgelehnt, heißt es in dem Schreiben. Der Betriebsrat prüft deshalb derzeit den Gang vor das Arbeitsgericht.

Denn eine solche Betriebsvereinbarung wäre dringend nötig, erläutert Römmele. „Die Arbeitsstättenrichtlinie ist sehr schwammig.“ Wegen des Alters der Produktionshallen ließen sich „dauerhaft 22 Grad nicht umsetzen“. Also müsste zum Beispiel die Bandgeschwindigkeit verringert oder mehr Personal eingesetzt werden, doch das kostet Geld.

Die Duschen sind gesperrt

Die Corona-Pandemie hat die Situation weiter verschärft: Ventilatoren und Klimaanlagen wurden stillgelegt, da sie mögliche Coronaviren schnell verbreiten könnten. Doch eine abkühlende Dusche am Arbeitsende ist laut IG Metall im Werk Wörth, anders als an anderen Daimler-Standorten nicht möglich: die Ansteckungsgefahr durch Aerosole sei zu hoch. Es sei wegen des Alters und der Bauweise der Sanitäranlagen in Wörth verständlich, dass nicht alle duschen können, sagt Römmele. Aber es sei „unverständlich, dass kein Geld in die Hand genommen wird“, um eine Lösung zu finden. Diese könnte zum Beispiel aus mobilen Duschcontainern bestehen, die angemietet werden können und in anderen Jahren zum Beispiel auf Festivals zum Einsatz kommen.

Vor allem an den Bändern gibt es etliche Arbeitsplätze, an denen der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Dort müssen die Mitarbeiter täglich stundenlang mit einem Mund-Nasenschutz arbeiten. Gerade bei hohen Temperaturen ist eine solche Maske schnell durchfeuchtet und muss fachgerecht gewechselt werden. Derzeit gebe es pro Schicht zwei kurze Pausen von 7 und 8 Minuten, in denen das Band still steht, damit die Masken getauscht werden können. „Doch das ist doch nur eine Farce“, sagt Römmele. Eine Forderung lautet auch, dass an den taktgebundenen Arbeitsplätzen stündliche Arbeitsunterbrechungen für den Masken-Wechsel eingeplant werden.

Neue Ventilatoren installiert

Das Unternehmen hat eigenen Aussagen zufolge von dem offenen Brief am Freitagmittag erfahren. „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter sowie gute und verträgliche Arbeitsbedingungen haben für uns oberste Priorität“, heißt es auf Anfrage der RHEINPFALZ. Man prüfe ständig die Hitzeentwicklung im Werk und reagiere umgehend. Extra Hitzepausen gebe es schon ab Werten über 30 Grad. Außerdem bestehe jederzeit Zugang zu kostenlosem gekühlten Trinkwasser durch zahlreiche Wasserspender in der Produktion. Zudem würden die Produktionshallen nachts entlüftet. Das Unternehmen verweist zudem auf die Installation von Ventilatoren, die in Positionierung und Drehzahl „Covid-gerecht“ seien.

Tatsächlich sei durch den anhaltenden Protest nun etwas Bewegung ist die Sache gekommen, bestätigt Römmele. Aber das sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Verbesserungen soll es grundsätzlich ab 30 Grad geben, für alle der knapp 10.300 Mitarbeiter.

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