Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Heiß! Von Babys fürs Berufsleben lernen

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Die lieben Kleinen werden gerne unterschätzt. Dabei könnten sich die Großen von deren Verhalten durchaus eine Scheibe abschneiden – zum eigenen Vorteil.

„Ich bin der Babysitter von der ganzen Stadt und weiß, dass eins der Babys schon ein Hobby hat.“ Der Babysitter-Boogie von Ralf Bendix vermittelt schon seit Jahrzehnten den Eindruck, dass Babys gar nicht so hilflos und unwissend sind, wie sie erscheinen. Nun setzt der Autor und Berater Stefan Rippler mit seinem neuen Buch „Das Babyprinzip – Was wir im Job von Babys lernen können“ noch eins drauf. Darin stellt er laut Pressemitteilung, die diese Woche in den Maileingang der Lokalredaktion flatterte, unter anderem folgende steile These auf: „Babys handeln schneller, lernen besser und kommunizieren klarer als so mancher Vorstand.“ Viele Lästermäuler haben das allerdings schon länger behauptet. Schließlich kennen sie – die Babys – laut Rippler keine Meetings, keine endlosen E-Mail-Schleifen, keine Angst vorm Scheitern. Also nichts, was wirklich Spaß macht. Folglich mangelt es ihnen auch nicht am erforderlichen Ernst fürs Leben.

Die Konsequenz kann eigentlich nur das sein, was der Sänger Herbert Grönemeyer seit 1986 fordert: „Kinder an die Macht“. Und in diesen bewegten Zeiten wäre das ja durchaus sinnvoll – und lecker noch dazu. Denn: „Die Armeen (wenn wie im Lied auch nur, Anm. d. Red.) aus Gummibärchen, die Panzer (nur, weitere Anm. d. Red.) aus Marzipan, Kriege werden aufgegessen. Einfacher Plan. Kindlich genial.“

Das Thema „Krieg“ hat Grönemeyer bereits zwei Jahre zuvor in einem anderen Lied aufgegriffen: „Männer führen Kriege, Männer sind schon als Baby blau.“ Und weiter: „Männer haben's schwer, nehmen's leicht, außen hart und innen ganz weich. Werden als Kind schon auf Mann geeicht. Wann ist ein Mann ein Mann?“ Keine Ahnung. Spielt hier auch keine Rolle.

Aber das vielleicht: Dass Männer nach außen hart und unangreifbar wirken wollen, könnte darin begründet sein, was Rippler kritisiert: „Wir verschwenden in Unternehmen Unmengen an Energie, um uns gegen Fehler zu versichern.“ Machen Chefs Fehler? Die ketzerische Frage kann sich jeder Südpfälzer selber beantworten. Schließlich hat jeder einen Chef oder ist einer. „Babys scheitern 50-mal am Tag – und lachen dabei. (Gut so! Wer will schon ein weinendes Kind? Anm. d. Red.) Diese Haltung brauchen Teams heute dringender denn je“, meint Rippler.

Seiner Ansicht nach sagen Babys, egal, ob beim Verhandeln, beim Delegieren oder beim Konflikte klären, glasklar, was sie wollen – ohne Umwege. Deshalb fordert der Mann folgerichtig „weniger Blabla, mehr ’Babysprache’“. Auf diese Weise ließen sich ganze Meeting-Tage sparen. Na, wenn das so einfach ist.

So, dann reden wir jetzt mal Tacheles: Wenn es demnächst wieder so affenheiß wird, wie es diese Woche war, dann setzen wir uns, vorausgesetzt wir sind Chef oder Vorstand, ins Büro und schreien die Bude voll bis jemand kommt und uns beruhigen will. Dem machen wir dann ohne Blabla, sondern in Babysprache glasklar (verhandeln), dass das Arbeiten bei den Temperaturen eine Zumutung ist und gar nicht geht (Konflikt klären), wir ins Schwimmbad wollen und er uns gefälligst dorthin bringen soll (delegieren). Und wenn es wegen der liegen gebliebenen Arbeit Ärger gibt, oder weil im ausgefallenen Meeting etwas nicht geklärt wurde? Nur nicht weinen! Dann sagen wir lachend, dass das nicht unser Fehler ist, sondern der von dem, der uns weggebracht hat.

Ein schönes Wochenende

„Kumpels, ihr habt’s gehört: weniger Blabla, mehr Babysprache
"Kumpels, ihr habt’s gehört: weniger Blabla, mehr Babysprache
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