KARLSRUHE RHEINPFALZ Plus Artikel Heiter bis händeln

Samstags in der Innenstadt: Es war schon voller.
Samstags in der Innenstadt: Es war schon voller.

Seit vergangener Woche soll die Möglichkeit des „Click and Meet“ dem Einzelhandel helfen, endlich wieder Umsatz zu generieren. Dabei kann in der Regel telefonisch oder online ein Termin gebucht werden, um wieder in einem Laden einkaufen gehen zu können. Manchmal funktioniert es auch spontan.

Und jetzt wird auch noch gehändelt. Der Mann im Eingangsbereich von Karstadt will es nicht verstehen, dass er seine Daten abgeben muss. Dabei will er nur kurz zum Einkaufen im Discounter im Untergeschoss. „Wenn ich jetzt zum Aldi in der Waldstraße gehen würde, dann müsste ich das doch auch nicht“, protestiert er. Doch die für die Erfassung der Daten zuständige Mitarbeiterin bleibt konsequent. Kopfschüttelnd bruddelt sich der Mann von dannen. Nein, es ist offenbar nicht ganz einfach. Für die Kunden, für die Mitarbeiter der Geschäfte – und überhaupt.

In den Eingangsbereichen der Läden bekommt man oft genug erzählt, dass viele Kunden nicht richtig informiert seien. Oder es auch vielleicht gar nicht wollten. Aber immerhin, die Sport- und Outdoorspezialisten vom Basislager haben man viele nette Erfahrungsberichte zu erzählen. Vielleicht kein Wunder. Die Kunden sind betuchter, akademischer und wissender. Es wird viel gelächelt. Astrid Jung steht mit ihrem Kollegen Jörn Johnsen am Einlass und ist positiv überrascht, dass die Kunden über den Aufwand nur selten stöhnen. Die Tage zuvor seien hinsichtlich der Kundenzahl eher durchwachsen gewesen. Heute sei es gut, aber rentieren dürften sich Aufwand und Ertrag wohl eher nicht, meinen die Beiden. Weder für das Basislager noch für die anderen Händler in der Innenstadt.

Essen geht immer

Maria und Ralf aus Karlsruhe begleiten ihren Sohn Christian, der für den Nachwuchs eine Tragevorrichtung benötigt. Schließlich möchte man ihn beim Wandern künftig dabei haben. Fündig werden sie nicht und Maria hat jetzt ein schlechtes Gewissen: „Wir haben jetzt einen Slot gebucht, nichts gekauft und vielleicht jemand anderem so die Möglichkeit genommen, hierher zu kommen“. Und der Händler habe für seinen Aufwand auch nichts verdient. Wenige Minuten später stehen sie plötzlich wieder im Laden. Der Sohn hat sich nun doch noch für ein Modell entschieden. Mutter Maria ist zufrieden und bleibt bei ihr Haltung: Nie würde es ihr in der momentanen Situation einfallen, von Laden zu Laden zu Laden zu springen und einfach nur zu bummeln.

Draußen ist etwas mehr los als sonst, auch wenn es mit früheren Tagen nicht zu vergleichen ist. Vor Bekleidungsgeschäften bilden sich bisweilen kleine Schlangen, während es Buchläden schwer haben. Hier muss niemand warten und es sind Spontanbuchungen möglich. Auch Schuhgeschäfte haben es schwer und potentielle Kunden, die auch nur einen Moment nachdenklich stehenbleiben, werden gerne auch offensiv angesprochen. „Wollen Sie rein?“, fragt ein junger Mann aus dem Eingangsbereich eines Schuhfilialisten heraus. Er hat Glück, das Pärchen will.

Ansturm bleibt aus

Gegenüber ist ein hippes Sneaker-Geschäft, um das sich eine Schlange von über 20 Personen gebildet hat. Doch der oberflächliche Blick täuscht. Die Menschen stehen bei einem benachbarten Imbiss an. Und im Shop verirrt sich gerade nur ein Kunde. Und so geht es weiter. Gegessen wird immer und gerne, der Wind verteilt die Verpackungen überall, da die Mülleimer längst vollgestopft sind. Bei einem großen Elektronikhändler im ECE-Center folgt der nächste Spontaneinkaufsversuch. Der zur schnelleren Erfassung angebotene QR-Code funktioniert nicht und produziert nur Fehlermeldungen. Und schon geht alles noch schneller. Mit der knappen Bitte um „Name und Handynummer“ ist man ganz schnell drin, eine Überprüfung findet nicht statt. Aufgrund altersbedingter Unwissenheit des freundlichen Mitarbeiters hätte man sich jetzt auch als Hans-Peter Briegel oder Emanuel Günther mit einer fiktiven Handynummer ausgeben können, um vor den unterstellten Datenkraken unbemerkt durchzukommen. Irgendwas geht also immer und Handel wie Kunden rütteln sich zurecht. Abstände werden eingehalten, Hände desinfiziert und maximale Personenzahlen können in den größeren Läden Pi mal Daumen hineingelassen werden. Doch der große Ansturm ist ausgeblieben.

Jörn Johnsen und Astrid Jung kontrollieren das Einkaufsgeschehen.
Jörn Johnsen und Astrid Jung kontrollieren das Einkaufsgeschehen.
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