Rülzheim
Heimatfest: Mehrheit war für Feuerwerk zum Abschluss
Dieses Feuerwerk hatten fünf Vereine im März noch zu verhindern versucht, waren mit ihrem Wunsch letztendlich aber gescheitert. In einem gemeinsamen Schreiben an die Kulturgemeinde, das der RHEINPFALZ vorliegt, hatten der Tanzsportclub „Royal“, Sportverein, Musikverein, Freiwillige Feuerwehr und der Ski- und Snowboard-Club Kritik am Abfeuern eines Feuerwerks geäußert und sich „klar von einem solchen distanziert“, weil sie es „in der heutigen Zeit als nicht mehr für tragfähig“ ansehen.
Sie baten daher die Kulturgemeinde als Veranstalter des Festes, die Entscheidung vom Juni 2023, mit der sich die Vereine mehrheitlich für ein Feuerwerk ausgesprochen hatten, nochmals zu überdenken und bestenfalls das Feuerwerk abzusagen. Die Vereine hätten „in die Basis unserer Vereine reingehört“ und sowohl Jung und Alt fänden ein Feuerwerk nicht mehr zeitgemäß. Als Gründe für eine Absage nannten sie die Verschwendung von Geld für ein solches Feuerwerk, das besser zur Unterstützung der teilnehmenden Vereine eingesetzt werden könnte. Diese hätten im Vorfeld des Festes enorme Ausgaben, die auch wieder erwirtschaftet werden müssten. Sollte das Wetter sogar schlecht sein und Besucher daher „nicht in der Menge“ kämen wie erhofft, blieben diese Kosten bei den Vereinen hängen und könnten die Bilanz des Heimatfestes in ein Minus drücken.
Feinstaub belastet Umwelt
Die Jugend in den Vereinen werde immer wieder auf nachhaltiges und umweltbewusstes Handeln hingewiesen, dazu passe auch die Müllsammelaktion der Gemeinde, an der sich viele Jugendliche beteiligten. „Dazu steht ein Feuerwerk, das viel Müll und Schadstoffe erzeugt, im krassen Gegensatz“. Zudem würde die Umwelt unnötig durch Feinstaub und Schwefelabgase belastet. An der Vereinsbasis sprächen sich viele Mitglieder gegen ein Feuerwerk aus und fänden es überflüssig. Zudem befürchteten die Vereine, dass ein Feuerwerk „viele Besucher aus den Schänken zu einem zentralen Platz treibt und danach nach Hause gehen lässt“. Daher fänden sie einen Ausklang in den Schänken und Höfen ohne Schlusspunkt finanziell für sinnvoller.
Die Kulturgemeinde lehnte den Wunsch der Vereine nach einer Sitzung des Planungsteams aber ab und beschloss „nach gründlicher Diskussion“, das Feuerwerk durchzuführen, für kommende Feste aber frühzeitig alternative Möglichkeiten zu prüfen, wie der Vorsitzende der Kulturgemeinde, Michael Braun, auf Nachfrage mitteilte. Braun hatte bei dieser Sitzung klargemacht, dass die Vor- und Nachteile eines Feuerwerks und auch Alternativen dafür bereits in der Mitgliederversammlung im Juni 2023 diskutiert, Vor- und Nachteile eines Feuerwerks abgewogen und abschließend mehrheitlich für ein Feuerwerk gestimmt worden sei. In den vergangenen Monaten sei intensiv mit dem Feuerwerk als festem Bestandteil geplant und damit auch nach außen geworben worden. Die Finanzierung über Sponsorengelder sei gesichert. Zudem habe sich einer der Sponsoren erkundigt, ob er die Kosten dieses Feuerwerks als Sponsoren-Beitrag übernehmen könnte. Das Feuerwerk sei ein wesentlicher Bestandteil der Sponsorenpakete und habe bei diesen auch „eine große Übereinstimmung ausgelöst“.
Hör: Beschluss zu akzeptieren
Da die Durchführung des Feuerwerks auf einen demokratischen Beschluss eines höchsten Gremiums der Kulturgemeinde zurückzuführen sei, stellte sich auch der Schirmherr des Festes, Ortsbürgermeister Reiner Hör, hinter die Entscheidung der Kulturgemeinde, das Feuerwerk nicht abzusagen. Demokratische Beschlüsse seien zu akzeptieren. Es wäre „ein Schlag ins Gesicht gegenüber diesem Gremium“, dessen Beschlüsse nicht umzusetzen. Zudem sei dieses Fest „kein routinemäßiges Heimatfest“, „sondern unsere 1250-Jahre-Geburtstagsfeier“. Der Antrag der Vereine, den Beschluss der Mitgliederversammlung zu ignorieren sei für ihn „nicht nachvollziehbar und in keinster Weise akzeptabel“.
Der letzte Festtag am Montag war nicht so gut besucht wie die Tage davor. Dennoch waren die Vereine durchweg zufrieden. Viele Besucher des Feuerwerks waren nicht nach dessen Beendigung sofort nach Hause gegangen, wie befürchtet worden war, sondern waren noch in irgendeiner Schänke eingekehrt. Das nächste Heimatfest findet wieder in fünf Jahren statt, also im Jahr 2029 oder aber erst 2030, denn in diesem Jahr wird die Kulturgemeinde 75 Jahre alt.