Nachgehakt RHEINPFALZ Plus Artikel Haustürenhersteller Noblesse wieder auf Kurs

Haustürenproduktion bei Noblesse in Hagenbach.
Haustürenproduktion bei Noblesse in Hagenbach.

Rekord-Verkaufszahlen nach der Insolvenz: Der Haustüren-Hersteller Noblesse hat sich mit einem neuen Investor wieder gefangen. Dass ein Konkurrent jetzt auf der gegenüberliegenden Straßenseite Europas wohl modernsten Türen-Produktionsstandort bauen will, nimmt man gelassen zur Kenntnis.

Turbulente Zeiten liegen hinter Noblesse. „Haustüren-Hersteller zieht in Südpfalz“, titelte die RHEINPFALZ 2016. Doch als die Produktion 2017 vom elsässischen Werk Niederlauterbach im damals neuen Industriegebiet „Breitwiese“ in Hagenbach (an der L 556 nach Neuburg) angekommen und auch der Firmensitz von Berg dorthin verlegt worden war, folgten ganz andere Nachrichten. 2019 war plötzlich von einem „Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung“ die Rede und von einem Käufer, der die Marke Noblesse erhalten wolle. Es handelte sich dabei um den Unternehmer Helmut Hüttenbrauck aus Unna (Ruhrgebiet), dessen Zulieferfirma bereits mit Noblesse zusammenarbeitete.

Gründer nicht mehr beim Unternehmen

Mittlerweile sind wieder zwei Jahre vergangen. „Noblesse entwickelt sich zu einer Erfolgsgeschichte“, sagt Hüttenbrauck in einem Video-Gespräch mit der RHEINPFALZ. Mit dabei: Alexander Rung, früherer Einkaufschef und heute neben Hüttenbrauck einziger Geschäftsführer bei Noblesse. Heiner Berizzi, zuletzt für den Vertrieb zuständiger Geschäftsführer, dessen Familie Noblesse vor fast 50 Jahren zunächst als Hersteller von Türfüllungen gegründet hatte, habe das Unternehmen Ende März „in beiderseitigem Einvernehmen“ verlassen, erklärt Hüttenbrauck.

Der Kandeler Rung ist der Vertraute des neuen Firmenchefs in der Südpfalz. „Ich bin sehr selten vor Ort“, erzählt der 56-jährige Hüttenbrauck, dessen Vater vor über 70 Jahren den heute von ihm geführten Haustüren-Zulieferer gegründet hatte. Das Unternehmen Noblesse wieder auf solide Beine stellen – das ist der Anspruch, mit dem er vor zwei Jahren angetreten war. Laut Aussagen von Hüttenbrauck und Rung ist die Firma einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Die Menschen investierten in ihre Häuser

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr nach der Insolvenz, habe Noblesse bereits wieder ein positives Betriebsergebnis erzielt. Der aktuelle Auftragseingang liege 74 Prozent über dem des Vorjahres. „Das Corona-Jahr 2020 war ein sehr gutes Jahr für uns“, betont Rung. Die Menschen investierten in ihre Häuser. Wobei man diesen Juni den höchsten Wochen-Auftragseingang in der Firmengeschichte habe verzeichnen können. Genaue Zahlen wollen die beiden Geschäftsführer nicht nennen. Hüttenbrauck sagt, er habe „sechsstellige Investitionen“ für die Fertigungs- und Logistikoptimierung freigegeben. Ob es sich um einen niedrigen, mittleren oder gar hohen sechsstelligen Betrag handelt – dazu lässt er sich nicht in die Karten schauen.

Noblesse habe sich „neu aufgestellt, Vertriebs- und Marketingaktivitäten wiederbelebt und intensiviert.“ Hüttenbrauck spricht von „vertrauensbildenden Maßnahmen“ – man setze alles daran, damit die Kunden (vor allem sind das Händler) „weiter bei uns kaufen“. Dass der auf der anderen Straßenseite im Hagenbacher Industriegebiet ansässige Türenhersteller Groke jetzt nach eigener Aussage „Europas modernsten Produktionsstandort“ bauen will, nimmt man bei Noblesse offenkundig gelassen hin.

Noblesse hat für sich kürzlich ein neues Geschäftsfeld erschlossen. War man bisher auf 90 Millimeter dicke Türen spezialisiert, so entwickelte man jetzt ein eigenes System für 75-Millimeter-Türen. Der Vorteil: Diese seien günstiger als die 90-Millimeter-Standardprodukte. Für beide Produktlinien produziert Hüttenbraucks Firma in Unna Aluminium-Bauteile. Per Lkw werden sie nach Hagenbach transportiert und dort – zusammen mit anderen Teilen anderer Hersteller – verbaut. „Wir wollen Qualität zu fairen Preisen“, sagt Hüttenbrauck über die eigenen Ansprüche. „Ich hätte niemals einen Massenhersteller gekauft“, fügt der neue Eigentümer von Noblesse (französisches Wort für Adel) hinzu. Adel verpflichtet gewissermaßen.

Feinarbeit und letzter Schliff bei der Noblesse Haustürenproduktion.
Feinarbeit und letzter Schliff bei der Noblesse Haustürenproduktion.
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