Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hatzenbühl: 4279 Kilometer langen Trail gelaufen

Tobias und Hubert Werling beim Planen.
Tobias und Hubert Werling beim Planen. Foto: Werling/Frei

Einen ganz besonderen Traum wollte sich Tobias Werling erfüllen, bevor er 30 Jahre alt ist. Und da er dieses Jahr 30 wird, startete er sein persönliches Abenteuer, das komplette Durchwandern des US-amerikanischen „Pacific Crest Trail (PCT)“ im letzten Jahr. Sein Vater Hubert, Jahrgang 1957, nicht weniger wanderbegeistert, hatte ja eigentlich geplant, mit seinem Sohn über mehrere Wochen von München nach Venedig zu laufen. Als der Junior jedoch im Frühjahr die Erlaubnis für das Durchqueren der Nationalparks entlang des PCTs erhielt, starteten die beiden Werlings getrennt.

Tobias Werling, der vor sechs Jahren den Hauptweg des Jakobsweges gelaufen ist, nahm sich sechs Monate unbezahlten Urlaub für die Wanderung. Sie ist 4279 Kilometer lang und führt im Westen der USA von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Akribisch bereitete sich der Hatzenbühler, der des Berufs wegen mittlerweile in München lebt, auf seinen Marsch vor. Er plante für sich allein und „zog es auch allein durch“, erzählte er. Seinen Rucksack bepackte er mit all den Dingen, die in der Wildnis nötig sind, wie Schlafsack, Gaskocher, Regen- und Daunenjacke, Mütze, Handschuhe oder Wasserfilter.

Rucksack 13 bis 19 Kilo schwer

„Zu Beginn trug ich als Maximalgewicht auf meinem Rücken 19 Kilogramm. Während der 154 Tage, an denen ich unterwegs war, wurde es jedoch weniger.“ Durchschnittlich hatte Tobias Werling 13 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken, darunter auch Socken mit dem eingearbeiteten Emblem des Trails, die ihm ein spezialisierter Händler aus Landau gesponsert hatte. „Ich habe neun paar Socken, vier Paar Schuhe und mehrere Trekkingstöcke verschlissen “, so der Wanderer.

Wie die meisten trug er leichte „Trail Running“-Schuhe. Dank der Mithilfe seiner Mutter und der Herstellerfirma konnte er seine kaputten Exemplare unterwegs bei Bedarf gegen Neue tauschen. Da er ja nicht von vornhinein wusste, was er wann und wo als Ersatz brauchen würde, hatte er nur drei Verpflegungs-Pakete vor seinem Start an sich selbst adressiert und zu Tankstellen oder Läden entlang der Route geschickt. Diese bieten einen Lagerservice an.

Die ersten vier Wochen Schnee

Am 7. April startete der Pfälzer in Campo im südlichen Kalifornien bei noch eher winterlichem Wetter. Vier Wochen lang, die auch durch die High Sierra führten, hatte Werling noch Schnee und lief deswegen mit Eispickel und Mikro-Spikes. Unverzichtbar war ein Bären-Kanister, um die Tiere nicht mit Essensgerüchen anzulocken. Als es später wärmer wurde, lief er überwiegend in kurzen Hosen, vorher wärmten ihn Wander-Leggings zusätzlich. „Ungefähr die Hälfte der Strecke lief ich zusammen mit einem Österreicher, den Mount Whithney, den höchsten Punkt des Trails mit 4421 Metern, bestieg ich in einer Gruppe, die morgens um halb Eins losging.“

Direkt am Trail kaum Orte

Unglaublich viele Eindrücke sammelte Tobias Werling während der fünfmonatigen Wanderung. Anfangs pflegte er noch regelmäßig seinen Block Wanderling.de, aber mehr und mehr stand das Gehen im Fokus. „Ich hatte nur 16 Tage, an denen ich auf dem Trail selbst keine Kilometer zurücklegte, denn zum Einkaufen und Organisieren musste ich die Strecke immer mal verlassen.“ Direkt auf ihr liegen nur drei oder vier Orte, der Rest geht durch Natur und Wildnis.

Einem Puma begegnet

Auch Momente der Angst erlebte der Wanderer. Einmal begegnete er einem Puma. Ein mulmiges Gefühl hatte er im Schnee, der die Orientierung schwer machte, dazu verlangte die Kälte großes Durchhaltevermögen. Er traf auf Klapperschlagen und Schwarzbären, durchstreifte Wüste, Wald und wanderte entlang von Bergseen. „Ich hatte schlechte Tage, wenn es regnete oder Schnee lag oder wenn es unendlich hoch ging.“ Brenzlig waren die Momente, als er zum Teil durch reißende Wasserläufe waten musste, deren Wasser ihm bis in Brusthöhe reichte.

84 Kilometer in 17 Stunden

Zum Ausgleich gab es schöne, gute, unvergessliche Tage, wie der Tag, an dem Werling 84 Kilometer in 17 Stunden lief. Und da waren auch noch die sogenannten „Trail-Angels“, Einheimische, die die Wanderer mit Essen in Kühlboxen oder von ihrem Pick Up aus unterstützten. Gegen Ende des Marsches schaffte er regelmäßig einen Durchschnitt von 44 Kilometern. Der Bart wurde immer länger, er nahm 17 Kilogramm ab und ernährte sich nach zwei Monaten nur noch kalt und mit vielen Snacks. Groß war der Zusammenhalt der Abenteurer untereinander, sie ermutigten sich gegenseitig weiterzumachen, ganz nach dem Motto „The trail provids“ – „Der Trail richtet es wieder“. Am siebten September hatte es Tobias Werling geschafft, er war am Ziel, an der Grenze zum Manning Park in British Columbia, Kanada, gesund und wohlbehalten angekommen.

Vom Marien- zum Markusplatz

Immerhin einen Monat lang tat es Hubert Werling seinem Sohn gleich, wanderte vom 22. Juli bis zum 21. August vom Münchner Marienplatz bis zum Markusplatz in Venedig. Auch er war oft alleine unterwegs, schloss sich bei schwierigen Passagen über die Alpen Gruppen an. „Alle, die ich unterwegs getroffen habe, teilten das gleiche Ziel, waren kontaktfreudig und hilfsbereit.“ Sein absoluter Höhepunkt war der Moment, als er am Strand von Jesolo in Italien mit vollem Marschgepäck ankam und wusste, dass er seinen Traumpfad bis ans Ziel gegangen ist.

Atemberaubende Kulisse am Pacific Crest Trail.
Atemberaubende Kulisse am Pacific Crest Trail. Foto: WERLING/Frei
Schnee in der High Sierra.
Schnee in der High Sierra. Foto: WERLING/Frei
Am Start und am Ziel.
Am Start und am Ziel. Foto: WERLING/Frei
Auf dem Gipfel.
Auf dem Gipfel. Foto: WERLING/Frei
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