Kreis Germersheim Handwerk im Kreis auf Wachstumskurs

„Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan“, zahlenmäßig ist sie im Kreis Germersheim weiter gewachsen: 872 Handwerksbetriebe sind in der gezählt worden. 6293 Menschen finden bei ihnen Einkommen und Auskommen. Der Umsatz ist im Vergleich zum vorhergehenden Erfassungsjahr um 16,11 Millionen Euro gewachsen.
Das Handwerk hat in Deutschland mehrere Rollen: Es ist Konjunktur- und Jobmotor, sorgt auch dafür, dass ein Problem unbekannt ist, das ansonsten in Europa Probleme macht: Jugendarbeitslosigkeit. In manchen Gewerken mangelt’s eher an Azubis. Handwerk reicht vom Ein-Mann-Betrieb bis zur Großfirma, hat aber immer einen Hauch Familienbetrieb: Danach richtet sich auch die Handwerkszählung. Erstens beim Tempo, frisch veröffentlicht haben die Statistischen Landesämter die Zahlen fürs Wirtschaftsjahr 2012, die 2013er-Zahlen sind noch in der Mache. Zweitens bei der Zählung selber. Im Handwerk im Kreis Germersheim gibt es wie gesagt 6293 „tätige“ Personen. Darunter fallen Chef, Familienangehörige, Arbeitnehmer. Werden nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten genommen, liegt deren Zahl bei 4524 In der vorhergehenden Handwerkszählung sind es 4476 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gewesen, sprich 48 weniger. Der Umsatz, den die gezählten Handwerksbetriebe im Kreis Germersheim zuletzt meldeten (und versteuerten), lag bei 604 Millionen Euro. 2011 waren es zirka 588 Millionen Euro. Im Schnitt steht ein Beschäftigter derzeit für 95.984 Euro Umsatz (Vorjahr: 93.291 Euro). Das ist etwas weniger als im Bundesdurchschnitt: Der Umsatzwert pro Kopf betrug im Handwerk 100.426 Euro. Nicht überall wo Handwerk draufsteht, steckt freilich ein Meister drin. Obwohl der in Deutschland für handwerkliche Qualität steht. Es gibt auch sogenannte „zulassungsfreie“ Gewerke. Wer meint, er kann Fliesen legen, darf legen. Schuhmacher, Geigenbauer und Gebäudereiniger, selbst Bestatter und Kosmetiker eint die Zulassungsfreiheit. Im Kreis Germersheim arbeiten derzeit 114 zulassungsfreie Betriebe. Weit mehr – nämlich 758 Handwerksbetriebe – haben einen oder mehrere Meister. Teilen wir die Beschäftigten auf, sind in den zulassungspflichtigen Handwerksbetrieben 5718 Menschen tätig. Von denen sind 4212 oder (73,7 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Minijobber oder sonstige geringfügig Beschäftigte stellen mit 719 Menschen rund 12,6 Prozent. Der Umsatz der Meisterbetriebe lag zuletzt bei etwas mehr als 577 Millionen Euro oder 95,6 Prozent. Zulassungsfreie Handwerksbetriebe machten im Kreis 26,8 Millionen Euro Umsatz. Hier sind 575 Menschen tätig. Von denen sind 312 (oder 54,3 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Minijobber oder sonstige geringfügig Beschäftigte sind 147 (25,6 Prozent). Wie es mit den Qualifikationsanforderungen weitergeht, wird im Frühjahr 2016 feststehen. Bis dahin werden die EU-Mitgliedsstaaten „alle ihre reglementierten Berufe überprüfen müssen, was für die nationalen Verwaltungen einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeutet“, heißt es bei der EU-Kommission. Diese wird hierzulande kritisiert, weil sie den Meisterbrief abschaffen wolle. Sie sieht′s aber so, dass da die Bundesregierung zuständig ist: „Im Rahmen dieses Prozesses sollen die Mitgliedstaaten ... (bis) ... 2016 die Zugangsbegrenzungen für bestimmte Berufe gegenseitig evaluieren.“ Aus deutschen Meistern Europameister zu machen, ist also ein Job für Angela Merkel. (zds)