Wochen-Spitzen Große Pläne werfen einen kleinen Schatten voraus

Einfach ein Loch buddeln geht nicht!
Einfach ein Loch buddeln geht nicht!

Auf dem Plätzel soll wieder ein Baum gepflanzt werden. Allerdings sieht es schon jetzt nach einer schweren Geburt aus.

Trauer trugen viele Kandeler, als Ende Februar 2022 die Friedenslinde auf dem Plätzel gefällt werden musste. Das Wahrzeichen der Stadt hatte gerade das für eine Linde durchaus noch zarte Alter von 150 Jahren erreicht, als Sturmtief „Ylenia“ durchzog und es zu stark beschädigte. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Baum Granateinschläge überlebt, 2013 einen Brandschaden überstanden – doch diesmal ging nichts mehr.

Ein schmerzhafter Verlust, schließlich wurden unter der Friedenslinde über Jahrzehnte Feste gefeiert und Märkte abgehalten. Erst im November 2021 hatte ein Kunstprojekt den Baum gewürdigt. Und dann das! In der Folge wurden Abdrücke der Rinde genommen, es wurde ein Lindenfonds eingerichtet und ein Briefkasten für Abschiedspost. Die Bikage versteigerte aus dem Holz geschnittene Platten für einen guten Zweck und natürlich wurde sofort diskutiert: Was kommt nach der Linde?

An dieser Stelle eine gute Nachricht in Zeiten, in denen alles rund um das Thema „Frieden“ herbeigesehnt wird: Es wird am Plätzel wieder ein Baum gepflanzt! Und zwar am besten noch in diesem Jahr! Darüber war man sich im Stadtrat Kandel sehr einig. Und man möchte sagen: immerhin darüber. Über die Frage der Gestaltung des Plätzels hingegen entsponn sich eine Debatte, bei der den Zuhörern etwas schwindelig werden konnte. Das ist im Stadtrat nun nicht ungewöhnlich, hier wird gerne mal rhetorisch mäandert.

Man kann nicht einfach ein Loch buddeln

Aber es ging ja noch nichtmal um die Gestaltung des Plätzels, also um die konkrete Frage: Wo soll eine Bank stehen und welche Farbe soll der Mülleimer haben. Soweit ist man noch lange nicht. Die Diskussion drehte sich darum, ob man wirklich ein Fachbüro für die Bürgerbeteiligung und Ideenfindung einbinden muss oder nicht, beziehungsweise (Achtung, an dieser Stelle wird es etwas kurvig, bitte festhalten) ob nicht doch besser nochmal der Ausschuss darüber reden sollte, wie genau das Fachbüro .... ja, das ist etwa verwirrend.

Denn klar ist, dass man an dieser Stelle nicht einfach so mal kurz ein Loch buddeln und einen Baum pflanzen kann, selbst wenn dieser hoffentlich dem Weltfrieden zuträglich ist. Dazu ist zum Beispiel noch zu viel Wurzelwerk im Boden. Und es besteht der konkrete Verdacht, dass man bei den Arbeiten auf Gewölbe stoßen könnte, von römischen Scherben und anderen potenziell Denkmalgeschütztem ganz zu schweigen. Ohne Konzept geht das also nicht. Und damit man als dick verschuldete Stadt eine Förderung für was-auch-immer bekommt, braucht es eben vorab etwas Bürokratie, unter anderem in Form eines Planungsbüros. Nach langer Debatte wurde der Verwaltungsvorschlag angenommen, der sowieso nur erste zarte Schritte bedeutet: Honorarangebote einholen und Angebote für ein „Image- und Innenstadtentwicklungskonzept “.

Ob das mit der Pflanzung 2023 wirklich etwas wird? Wir wagen hier keine Prognose und werfen stattdessen einen scheuen Blick auf andere Projekte in der Stadt, die schon eine Weile der Vollendung harren, zum Beispiel der Umbau der Bienwaldhalle oder der Bauhof. Aber etwas steht vor der vermutlich schweren Geburt immerhin schon fest: Es wird ein Laubbaum!

Mehr zum Thema
x