Kreis Germersheim Grenze festgelegt

91-74405703.jpg

Südpfalz. Der heutige Tag ist für Gemeinden der Südpfalz von besonderer Bedeutung, wurde doch am 20. November 1815 – also vor genau 200 Jahren – im ersten Artikel des „Zweiten Pariser Friedens“ festgelegt, dass „das gesamte Gebieth am linken Ufer der Lauter mit Inbegriff der Festung Landau mit Deutschland vereinigt wird“. Durch diesen neuen Verlauf der Grenze wurde die Gemeinde Scheibenhardt/Scheibenhard in einen deutschen und einen französischen Teil getrennt. Dagegen „bleibt die Stadt Weißenburg welche von diesem Fluss durchschnitten wird ganz bey Frankreich“.

Im „Ersten Pariser Frieden“, der nach dem Sturz Napoleons am 30. Mai 1814 zwischen den gegen ihn verbündeten Mächten und Frankreich geschlossen wurde, war noch festgeschrieben, dass die am 1. Januar 1792 zwischen Frankreich und Deutschland gültige Grenze weiter besteht, dass sie jedoch ab der Gegend um Landau bis an die Queich verlegt wird. Die vorgesehene Grenze verlief demnach, wie im Vertrag ausdrücklich erwähnt, nördlich von Queichheim, Merlenheim (Mörlheim), Knittelsheim und Bellheim bis zur Mündung der Queich in den Rhein. Durch diese neue Grenzziehung wurde die Festung Landau, die seither eine französische Exklave im deutschen Gebiet war, fest mit Frankreich verbunden. Wäre Napoleon dort geblieben, hätte sich an der 1814 festgeschriebenen Grenze nichts geändert, die Südpfalz wäre als nördlicher Teil des Departements Bas-Rhin/Niederrhein französisch geblieben. Weiterhin zu Frankreich gehört hätten auch Saarbrücken und die auf Veranlassung des französischen Königs Ludwig XIV. gegründete Festungsstadt Saarlouis. Auch sie sind erst durch den 2. Pariser Frieden wieder deutsch geworden. Zu verdanken haben sie dies Napoleon, der eben nicht in Elba blieb, sondern der das Kriegsglück, das ihn in der Schlacht von Waterloo endgültig verließ, nochmals zwingen wollte. Blickt man heute zurück auf die Zeit seit 1815, stellt man fest, dass an der Grenze oft gekämpft wurde, aber niemals um die Grenze selbst. Sie blieb auch bestehen, als Wissembourg nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in Paris forderte, die drei „verlorenen Kantone des Elsass“, also Landau, Kandel und Bergzabern zurückzuholen. Heute merkt man kaum noch, dass die Lauter ein Grenzfluss ist, der einst die zwei Nachbarvölker trennte. (wm)

x