Kreis Germersheim Grenzüberschreitungen gibt es überall

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In einem zweitägigen Workshop erkundeten 16 Teilnehmer die ebenso zahlreichen wie unterschiedlichen Aspekte der „interkulturellen Kompetenz“. In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Asyl Karlsruhe bot die Initiative „Kandel aktiv“ bereits zum zweiten Mal einen solchen Workshop an. Widmete man sich im Dezember dem Kulturverständnis zwischen deutschensprachigen Ehrenamtlichen und Vertretern des persischen Sprachraums, richtet sich das Tandem-Angebot am Wochenende an Arabisch sprechenden Flüchtlinge und einheimische Ehrenamtliche.

Unter der Leitung von Johannes Dümler vom Verein „volute“ lernten die 16 Teilnehmer sowohl ihre eigenen Vorstellungen als auch die der anderen Kultur zu reflektieren und dies möglichst wertefrei. „Unser Trainingsprogramm zielt vor allem darauf ab, die Teilnehmer sowohl emotional als auch kognitiv für ihre eigene kulturelle Identität und für interkulturelle Begegnungen zu sensibilisieren. Ferner ist es uns ein Anliegen eine kulturrelativistische Perspektive zu stärken. Das heißt, keine Kultur ist besser als eine andere und Grenzüberschreitungen gibt es überall“. Um seine theoretischen Ausführungen erlebbar zu machen, setzt sich Dümler neben Teilnehmer und kommt ihnen absichtlich zu nahe, um verschiedene Reaktionen zu provozieren. Mit Yousuff fängt er beispielsweise ein harmloses Gespräch an, legt dabei seinen Arm um ihn und streichelt seinen Bauch. Als Nächstes nähert er sich Lina und macht ihr eindeutige Komplimente, bevor er Abdullah zu einem kleinen Rundgang einlädt, dabei ebenfalls den Arm um dessen Schulter legt und ihn am Ohr krault. Grenzüberschreitungen ganz klar, so der Tenor – trotzdem ist die Erheiterung bei den Zuschauern groß. Man weiß ja, dass die Szenen gestellt sind. „Wenn man sich nun aber vorstellt, ganz real eine solche Situation zu erleben, wie würdet ihr dann reagieren?“, bohrt Dümler nach. Lina und Yousuff erzählen schließlich von einem unwohlen Gefühl, aber man wolle ja auch nicht unhöflich sein. Dümler erzählt, dass ihm die Situation mit dem Bauch streicheln tatsächlich so auf einer Busfahrt in Brasilien passiert ist und er dort gelernt habe, dass dieses Verhalten eigentlich von großer Freundlichkeit zeugt. Von einer ganz ähnlichen Erfahrung konnte Anette Knauth berichten: „Zum Beginn eines Deutschkurses mit Somaliern hatten wir uns an die Tür gestellt um die Teilnehmer mit Handschlag zu begrüßen. Die Somalis griffen aber an unseren ausgestreckten Händen vorbei und umfassten den Unterarm“. Auch in diesem Fall habe sich erst im Nachhinein herausgestellt, dass diese Art der Begrüßung in Somalia als besonders respektvoll gilt. Will man Andere verstehen, muss man zunächst sich selbst, seine Kultur und Wertvorstellungen verstehen, lernten die Teilnehmer. Denn eigene Unsicherheiten können zu Missverständnissen führen und genau die will man ja im kulturellen Miteinander vermeiden.

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