Kreis Ger
Giftköder: Wenn „Leckerlis“ für Hunde tödlich sind
Immer wieder werden Giftköder entlang beliebter Hundelaufstrecken ausgelegt. So erst kürzlich wieder in Westheim, wo zwei Hunde vergiftet wurden. Glücklicherweise haben die Besitzer schnell genug reagiert und die Hunde haben überlebt.
„Es ist schwierig zu erkennen, ob ein Hund Giftköder zu sich genommen hat, wenn man es nicht selbst beobachten konnte“, sagt die Tierärztin Martina van Suntum von der Tierklinik in Germersheim. Die Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Speicheln, Zittern, Krämpfe, Blutungen bis hin zu Atemstörungen und Kreislaufkollaps sind oft unspezifisch. Zu Erbrechen oder Durchfall kann es auch aus anderen Gründen kommen. „Ein Hinweis ist, wenn es die Veränderung abrupt auftritt. Dann sollte man so schnell wie möglich zu einem Arzt. Je früher man da ist, umso besser“, sagt van Suntum. Solange sich das Gift noch im Magen befindet, kann beim Hund etwa bis zu zwei Stunden nach der Fremdeinnahme durch Medikamentengabe Erbrechen ausgelöst werden. Befindet sich das Gift im Blut, werde es schwieriger.
Rasierklingen-Köder besonders perfide
„Aber es gibt ja auch die perfide Methode Köder mit Nägeln oder Rasierklingen zu spicken. Dann darf natürlich kein Erbrechen ausgelöst werden, dadurch wird kein Brechreiz ausgelöst wie beim Menschen“, betont die Tierärztin. In solchen Fällen versucht man mit dem Endoskop die gefährlichen Gegenstände aus dem Magen des Hundes zu entfernen. Geht das nicht, muss operiert werden. „Die Finger-in-den-Hals-Methode funktioniert bei Hunden übrigens nicht“, sagt van Suntum. Vergiftungserscheinungen mit Milch oder Wasser zu bekämpfen hält sie ebenfalls nicht für sinnvoll: „Das kostet nur wertvolle Zeit. Besser man geht gleich zum Arzt.“ Im Fall der Fälle sollten Hundebesitzer versuchen ruhig zu bleiben, das Tier so wenig wie möglich zu bewegen und vor allem nicht alleine lassen, rät van Suntum.
Beobachtet man seinen Hund, wie er draußen etwas zu sich nimmt und liegen in der Nähe noch mehr Giftköder, sollte man etwas davon mit in die Praxis nehmen. Das erleichtert den Medizinern die Behandlung. „Grundsätzlich sollten solche Funde immer eingesammelt und bei der Gemeinde oder Polizei abgegeben werden. Damit schützt man auch andere Hunde“.
Manche Gifte wirken erst nach Monaten
Das sagt auch der Erste Kriminalhauptkommissar Jürgen Hirsch von der Polizei Germersheim. „Es ist wichtig, die Polizei zu verständigen, damit nach weiteren Ködern gesucht werden kann. Das machen dann entweder wir oder die betreffende Gemeinde.“ In manchen Fällen hat das Auslegen von Giftködern eine Vorgeschichte. „Meist geht es dabei um die Hinterlassenschaften von Hunden, über die sich andere ärgern.“ Der Täter habhaft zu werden sei schwierig, aber nicht unmöglich. Ihnen drohe eine Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. „Zumeist wird eine Geldstrafe verhängt. Im Wiederholungsfall kann es aber auch eine Freiheitsstrafe werden“, sagt Hirsch.
Verwendet werden meist Gifte, an die man relativ leicht rankommt wie etwa Rattengift. Die Köder werden selbst präpariert, das Gift in Hackfleischbällchen, Wurst oder Leckerlis versteckt und ausgelegt. Manche Gifte entfalten ihre Wirkung erst nach Monaten, je nachdem wie groß und schwer der Hund und wie hoch die aufgenommene Giftdosis ist. Der Nachweis ist aufwendig und wird mittels Blutuntersuchung erbracht. Für manche Gifte, wie etwa Cumarin-Derivate in Rattengift, gibt es Gegenmittel. Dennoch können auch Hunde Langzeitschäden davontragen. Es kann zu lebenslänglichen Beeinträchtigungen im Magen-Darm-Trakt führen oder die Funktionsfähigkeit der Nieren einschränken.
Auch Dünger oder Süßstoff kann schädlich sein
„In für Giftköder bekannten Gebieten sollte man Hunde nicht frei laufen lassen“, empfiehlt van Suntum. Am besten sei, wenn man dem Hund von Anfang an beibringt, draußen auf keinen Fall etwas zu sich zu nehmen. Manche Hundevereine bieten dafür ein spezielles Giftködertraining an. Im Internet gibt es mehrere YouTube-Videos und Ratgeber, wie das Training funktioniert. Fürs Handy gibt es verschiedene Giftköder-Warnapps. „Bei manchen Hunden hilft aber nur ein Maulkorb“, sagt van Suntum. Denn außer den absichtlich ausgelegten Giftködern gibt es Vieles, das bei Hunden Vergiftungen bewirken kann, wie etwa Schokolade, Süßstoff zum Beispiel in Kaugummis, Walnüsse, Trauben und Rosinen, verschimmelte Rest vom Kompost oder Plastik, zählt van Suntum auf. „Jetzt im Frühjahr wird auf den Feldern gedüngt. Auch das kann zu Vergiftungen führen“, ergänzt Hirsch.