Kreis Germersheim Gewollt schlechte Straßen
Rund 50 Millionen Euro investiert Mercedes-Benz in die Erweiterung des Entwicklungs- und Versuchszentrums (EVZ) für Lastwagen in Wörth (wir berichteten). Bis 2020 entstehen dort zusätzliche Büro- und Werkstattgebäude, ein Prüfstandgebäude, sowie Parkplätze für Testfahrzeuge und ein neuer, drei Kilometer langer Schechtweg-Abschnitt der Teststrecke. „Wir sind stolz darauf, hier sämtliche Straßenverhältnisse der Welt simulieren zu können“, sagte der Leiter der Lkw-Entwicklung bei Mercedes-Benz, Uwe Baake. „Das EVZ ersetzt viele aufwendige Testfahrten auf öffentlichen Straßen.“ Der ehemalige Wörther Werkleiter und jetzige Chef der weltweiten Lkw-Produktion, Gerald Jank, betonte die Einzigartigkeit des Projekts. Forschung und Produktion so dicht beieinander sei weltweit einmalig. Jank: „Das gibt Geschwindigkeit. Das steigert die Wettbewerbsfähigkeit.“ Und letztlich sichere es auch den Standort und die damit verbundenen Arbeitsplätze, zurzeit rund 10.300 in Wörth. Wörth mit dem EVZ sei das „Kopfende im globalen Lastwagen-Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz“. Im Entwicklungs- und Versuchszentrum arbeiten 200 Menschen. Mit der Erweiterung werden weitere 150 Arbeitsplätze entstehen, die zu großen Teilen von Stuttgart nach Wörth verlagert werden. Betriebsratsvorsitzender Thomas Zwick sagte dazu, er hoffe, dass diese Verlagerung ähnlich reibungslos laufe, wie vor 10 Jahren. Damals wurde das EVZ in Wörth errichtet und Arbeitsplätze wanderten von Gaggenau in die Südpfalz. Obwohl das EVZ vor dem Zaun des Lkw-Werkes errichtet worden sei, habe es sich gut in den Standort Wörth integriert, so Zwick. Die Landes- und Kommunalpolitiker, die beim Baubeginn gestern dabei waren, sprachen von Standortsicherung für das Lkw-Montagewerk in Wörth und einem wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Technologieregion Südpfalz. „Bürgermeister der Stadt Wörth haben oft Freude. Das liegt nicht zuletzt am Lkw-Werk“, sagte Amtsinhaber Dennis Nitsche (SPD). Möglicherweise schaue der ein oder andere Bürgermeisterkollege ein bisschen neidisch auf so eine Ansiedlung. Nitsche wies aber auch darauf hin, dass sie mit Herausforderungen für die Stadt verbunden sei: „Die Mitarbeiter und ihre Familien erwarten Kinderbetreuung, Schulen, Infrastruktur, für die die Stadt sorgen muss.“ Mit Blickrichtung auf den Dieselskandal sagte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP), er halte nichts davon, Antriebskonzepte vorzuschreiben: „Der Staat gibt keine technologischen Antriebssysteme vor. Das ist Sache der Automobilindustrie.“ Aufgabe der Politik sei es, einen klaren und belastbaren Emissionsrahmen vorzugeben. Der Minister ist überzeugt, dass die kommenden Jahre eine Vielfalt der Antriebstechnologie bringen werden. Eine davon sei sicherlich der mittelschwere Lkw mit Elektroantrieb, der bei Mercedes-Benz entwickelt werde. EVZ in Zahlen Standort Wörth, Industriegebiet Oberwald. Eröffnung Juni 2008. Fläche: 550.000 Quadratmeter, 16.000 Quadratmeter Büro-, Werkstatt- und Serviceflächen. Zwei Einfahrbahnen im Teststreckenoval 1870 Meter. 18 Kurzstrecken über 200 beziehungsweise 400 Meter in verschiedenen Straßenzuständen und -belägen. Eine Baustellenfläche. 2 Kreisbahnen, Schlechtwegstrecke. Zurzeit 200, ab 2020 rund 350 Mitarbeiter.