Kreis Germersheim Gewerbeflächen werden knapp
Eine vom Kreis bestellte Prognose soll am Jahresende zeigen, wie viele Flächen benötigt werden. Ein Zwischenbericht.
Kein Landkreis im Land ist in den vergangenen 15 Jahren so stark gewachsen wie der Kreis Germersheim, sagte Martin Brandl (CDU, Rülzheim), der auch Landtagsabgeordneter ist, am Montag im Kreisausschuss. Die Gewerbeflächen seien zwar nahezu erschöpft, aber die Nachfrage sei ungebrochen, informierte Landrat Fritz Brechtel (CDU). Wie lange reichen die Gewerbeflächen noch und wie viele werden wo benötigt? Um darauf eine Antwort zu erhalten, hat der Kreis beim Büro Georg Consulting, Hamburg, die Gewerbeflächenbedarfsprognose 2030 in Auftrag gegeben. Dieser Weg ist laut Brechtel einmalig, weil das bisher jede Verbandsgemeinde und Stadt für sich machte.
Kommunalprofil für jede Kommune
Angesichts des zusätzlichen Gewerbeflächenbedarfs wäre ein zeitaufwändiges Zielabweichungsverfahren nötig gewesen. Nun sei das Verfahren mit dem Regionalverband abgestimmt worden, was es den Behörden erleichtere, etwas zu tun. Am Jahresende soll die Prognose vorliegen, so Brechtel. Am Montag erhielt der Kreisausschuss einen Zwischenbericht, eine Bestandsaufnahme. Im Februar und März wurden laut Marco Gaffrey von Georg Consulting mit den Bürgermeistern und Planungsabteilungen der Städte und Verbandsgemeinden Fachgespräche geführt und das Gewerbeflächenangebot in den Bestandsgebieten untersucht sowie die perspektivischen Flächenentwicklungen abgestimmt. Für jede Kommune habe man in enger Abstimmung ein sogenanntes Kommunalprofil entwickelt. Die Gewerbeflächenbedarfsprognose sei aber noch nicht komplett fertiggestellt.
1200 Hektar Gewerbefläche
Der Kreis Germersheim zählt laut Gaffrey 41 Industrie- und Gewerbegebiete mit einer Mindestfläche von fünf Hektar. Zusammen mit 46 kleineren Standorten und Gewerbeflächen unter fünf Hektar summiere sich die Gesamtfläche für gewerbliche Nutzung auf knapp 1200 Hektar brutto. Etwa zwei Drittel der Flächen entfielen auf die Städte Wörth (421,4 Hektar) und Germersheim (339,3 Hektar). Hier sind mit Mercedes-Benz (Lkw-Werk in Wörth und Global Logistic Center in Germersheim) und Nolte Möbel (Germersheim) auch die größten Arbeitgeber angesiedelt. Derzeit seien noch 68,8 Hektar auf 22 Gewerbeflächen im Angebot; davon ließen sich zum Beispiel wegen Eigentumsverhältnissen auf absehbare Zeit 34,7 Hektar nutzen. Nach Gaffreys Einschätzung werden die noch zur Verfügung stehenden Flächen schnell aufgebraucht sein. Seien in den Jahren 2016 und 2015 15,6 beziehungsweise neun Hektar Gewerbeflächen verkauft worden, so seien es in den Jahren zuvor jeweils um die sechs Hektar gewesen – meist wenige große Flächen.
9000 Arbeitsplätze mehr seit 2000
Diese positive wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: So stieg laut Gaffrey die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Landkreis Germersheim von 35.306 im Jahr 2001 auf rund 41.000 im Jahr 2008 und 44.324 im Jahr 2017. Seit 2000 habe sich damit die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse um rund 9000 erhöht. Das entspreche einem durchschnittlichen Wachstum von 1,3 Prozent pro Jahr. Die Arbeitslosenquote habe im Jahr 2000 bei 6,8 Prozent gelegen, aktuell (Juli 2018) liege sie im Landkreis bei 3,8 Prozent. Im Zeitraum 2008 bis 2015 habe sich die Bruttowertschöpfung des Landkreises insgesamt um 36,6 Prozent erhöht. Die Dynamik fiel nach Aussage Gaffreys damit deutlich höher aus als in Rheinland-Pfalz (+21,7 Prozent) und Deutschland (+18,4 Prozent).
Plus 3,1 Prozent bei der Bevölkerung
Überdurchschnittlich sei zwischen 2011 und 2016 auch das Bevölkerungswachstum im Kreis Germersheim gewesen. Der dem Zuzug zu verdankende Anstieg wird mit plus 3,1 Prozent auf über 128.000 Menschen angegeben (landesweit habe der Anstieg 1,9 Prozent betragen, in Deutschland 2,7 Prozent). Den größten Zuwachs an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis habe zwischen 2008 und 2017 die Verbandsgemeinde Rülzheim verzeichnet (+ 56,4 Prozent), gefolgt von den Verbandsgemeinden Lingenfeld (+ 38,5 Prozent), Hagenbach (+ 32,9 Prozent) und Kandel (+ 27,9 Prozent); lediglich in Wörth sei in dem Zeitraum die Anzahl zurückgegangen (− 3,9 Prozent). Wobei von den rund 44.000 Beschäftigten im Kreis etwa ein Drittel in Wörth arbeiteten; etwa 88 Prozent von ihnen seien Pendler.
Hoher Exportanteil
Das verarbeitende Gewerbe ist laut Gaffrey mit 40,6 Prozent der mit Abstand beschäftigungsstärkste Wirtschaftszweig im Kreis Germersheim, gefolgt von Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (15,2 Prozent) sowie Sonstige (9,3 Prozent). Zwar habe die Anzahl der wissensbasierten Stellen im Jahr 2017 gegenüber 2008 prozentual abgenommen (von 45,0 auf 41,9), dafür sei die absolute Zahl, wegen der höheren Beschäftigtenzahl, von 18.422 auf 18.575 gestiegen. – Wissensbasiert bedeutet auf Innovation zielende Wissenssammlung, die die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen sichern und stärken soll. – Mit einem Anteil von um die 30 Prozent seien diese wissensbasierten Arbeitsplätze vor allem in der Automobilindustrie zu finden. Gaffrey wies darauf hin, dass der Exportanteil im Landkreis sehr hoch ist, was ihn anfällig für internationale Krisen mache.