Kreis Germersheim Getunte Autos in Germersheim: „Das hab’ ich so gekauft“
GERMERSHEIM: Die Polizei nimmt bei einer Verkehrskontrolle in der Stadtmitte und im Gewerbegebiet technisch veränderte Fahrzeuge unter die Lupe. Von 35 kontrollierten Wagen ist bei 14 die Betriebserlaubnis erloschen. Bürger ärgern sich über zu laute Autos und Rasen in der Stadt. Weitere Kontrollen folgen.
„Das hab’ ich so gekauft“. Würden Polizisten für diesen Satz immer Geld bekommen, wären sie vermutlich reich. Bei der Verkehrskontrolle mit Schwerpunkt Autotuning am Donnerstag zwischen 17 und 23 Uhr in der Kreisstadt kontrollierten Polizisten aus Germersheim, Wörth und Landau sowie des Präsidiums Einsatz, Logistik und Technik und ein Prüfingenieur der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger (Küs) 35 getunte Autos. 14 davon waren technisch so verändert, dass die Betriebserlaubnis erloschen ist und gegen die Fahrer ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wird. Zwei Angestellte der Zentralen Bußgeldstelle Speyer, die „Tuning-Delikte“ bearbeiten, nahmen an der Kontrolle ebenfalls teil. „Loud is proud“ – frei übersetzt mit „laut macht mich stolz“ – ärgert in der Stadt viele Bürger. „Und damit wird das unser Problem“, sagt Wolfgang Zöller, Leiter der Germersheimer Polizei. Seit Winter beschäftige sich die Polizei mit der Tuning-Szene, Polizisten arbeiteten sich in das Fachgebiet ein. Mit der Kontrolle soll laut Zöller ein Zeichen gesetzt werden – „so weit geht’s und so weit geht’s eben nicht“. Weitere Kontrollen sollen folgen. Schon bei den ersten Autos wird deutlich, dass etwas nicht stimmen kann. Bei einem BMW sind edle Felgen montiert, doch die passen nicht zum Fahrzeug. „Das sind originale BMW-Felgen“, sagt der Fahrer. „Für welchen BMW, für einen X6“, fragt Bodo Erhardt vom Präsidium Einsatz, Logistik und Technik aus Mainz. Das ist ein 5er BMW, die passen doch nicht. Der Fachmann zeigt dabei auf die eingeschlagenen Reifen, die am Kunststoff des Radkastens scheuern. Deutlich sind Spuren zu sehen. Für die Felgen und das Auto kann der Fahrer keine Erlaubnis vorweisen. Bei einem weiteren Wagen sind vorne 235er Reifen aufgezogen und an der Hinterachse 265er. Auch das scheint nicht erlaubt zu sein. Die Polizisten, die das Auto, an dem weitere Details technisch verändert wurden, untersuchen, halten eine Bündel Papiere in den Händen und vergleichen Seriennummern mit Dokumenten. Die Polizei dokumentiert an diesem Abend viele Umbauten an den Fahrwerken sowie nicht zugelassene Kombinationen von Reifen und Felgen. Chip-Tuning (Software-Tuning) reihte sich in die Liste der Verstöße ebenso ein wie Veränderungen an der Lichtanlage. So wurden Xenon-Lichter in einem Wagen verbaut, diese aber nicht von einem Sachverständigen abgenommen. „Das hat ein Freund, dem ich vertraue, für mich eingebaut“, sagt der Fahrer und war froh, doch weiterfahren zu dürfen. Alle betroffenen Fahrzeughalter erhielten Mängelberichte und müssen ihr Auto innerhalb einer vorgegebenen Frist in einem ordnungsgemäßen Zustand vorführen – das heißt, die Veränderungen müssen eingetragen oder wieder ausgebaut sein. Neben Verwarnungen gibt es auch Ordnungswidrigkeiten die 135 Euro plus Gebühren und einen Punkt kosten. Wie es richtig geht, demonstrierte ein Autofahrer mit seinem getunten Audi. Der gelernte Mechatroniker hat in seinen Wagen selbst ein Luftfahrwerk eingebaut und dies beim TÜV in Landau abnehmen lassen. Voller Stolz präsentierte er das Ergebnis. Obwohl das Auto fast am Boden aufsitzt, können die Reifen noch so eingelenkt werden, dass es im Notfall bei kompletten Druckverlust der Stoßdämpfer von der Straße geschoben werden kann. Von den Polizisten und Thomas Schuster von Küs gab es bewundernde Blicke und das O.k. . Info Tuningmesse Karlsruhe, heute und morgen, Neue Messe. Internet: tuningday.info