Kreis Germersheim Gestrickte Brüste mit Duft

Die Sonne brennt heiß am Samstag über Kandel, lässt die Luft über dem Asphalt flimmern. Flaneure, die durch die autofreie und dafür „Kunst-volle“ Marktstraße schlendern, wählen lieber die schattige Straßenseite, treten nur zum Betrachten der Kunstobjekte in die Sonne. Zum zweiten Mal fand in Kandel eine Kunstmeile statt, die „Art Street“, initiiert vom Verein für Handel und Gewerbe und maßgeblich von Künstler Benjamin Burkard organisiert.
18 Maler, Bildhauer oder Performancekünstler haben mitgemacht. Die längste Anreise hatten drei Künstler aus Südfrankreich. Einer von ihnen war Benjamin Vasapolli, der sich von der Idee eines internationalen Künstlertreffens begeistern ließ. Mit ihm war Olivia Moelo gekommen. Die junge Französin stellte ihr aktuelles Projekt vor, das als Körperkunstwerk „Rosa Oktober“ eine Aktion zum Bekämpfen von Brustkrebs ist. An einer Stellwand hingen mehrere, von verschiedenen Menschen gestrickte Brüste, die angefasst werden durften und die einen zarten Duft von Lavendel verströmten. Dritte Südfranzösin war Aurore Le Philliponat, die trotz der Hitze malte, dabei erzählte und meinte, dass die Hitze im Süden Frankreichs durch die Meerluft erträglicher sei als in Kandel. Wer Lust auf ein Experiment hatte, konnte sich in „5 Minutes with“ von Ralf Pytlick porträtieren lassen. Robert Weissenbacher aus München („Ich bin voll auf die Malerei festgelegt“) zeigte eines seiner Gemälde, eine verfremdete Adaption des „Totentanzes“ von Max Slevogt, „der hier in der Gegend ja kein Unbekannter ist“, so der freischaffende Künstler. Neben Kunstfreunden, die das Gespräch mit den Malern und Bildhauern suchten, fand auch zwischen den Künstlern selbst ein reger Gedankenaustausch statt. So erklärte Diana Opoku aus Landau einem Kollegen, wie lange sie an ihren bunten Standansichten arbeitet, nicht weit daneben irritierte Robert Zivkovic mit realistischen Tiergemälden, die vollkommen ohne Hintergrund auf einer weißen Leinwand platziert sind. Andreas Hella aus Wörth freute sich über einen Auftrag für das Besprühen einer Trommel mit Farbe. Viel Gesprächsstoff boten die Betonköpfe von Christian Feig und die neuen Bronzen des in Karlsruhe lebenden Kubaners Pavel Miguel, der zum zweiten Mal in Kandel dabei war. Auf der Bühne in der Gartenstraße fanden stündlich Kunstaktionen statt, beispielsweise „Poetry Painting“. Das funktioniert so: Michael Königstein, Anita Salomon und Alena Poser lasen jeweils einen Text vor, den die Maler direkt auf der Leinwand umsetzen sollten. Matthias Schwingel aus Pforzheim hatte derweil vor der Bühne das „Malen auf der Straße“ angestoßen und teilte Straßenmalkreide aus: „Wir wollen mit der Aktion die Straße als öffentlichen Raum ganz legal zurückerobern.“ Das Ergebnis werde in Fotos festhalten und den Fotos von anderen Straßenmalaktionen hinzugefügt. Mit dem Kandeler Kulinarium wurde neben dem Sehen auch das Schmecken angesprochen. Wer in einem der Geschäfte des Vereins für Handel und Gewerbe an diesem Tag einkaufte, erhielt dafür einen Gutschein für eine kleine, feine Leckerei. Die Gutscheine wurden fleißig eingelöst, gegen einen kleinen Betrag konnten die kleinen Leckereien auch bei einigen Anbietern gekauft werden.