Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Geschichten aus der Geschichte: Ein Arzt klagt an

Amtsphysikus Gottfried Samuel Bäumler veröffentlichte 1735 ein Buch, in dem er medizinisches Wissen bündelte.
Amtsphysikus Gottfried Samuel Bäumler veröffentlichte 1735 ein Buch, in dem er medizinisches Wissen bündelte.

Die medizinische Versorgung war zu Beginn des 18. Jahrhunderts oft unzureichend. Der Germersheimer Amtsphysikus Gottfried Samuel Bäumler beschrieb 1735 die Schwierigkeiten.

„Es ist dieses Amt so weitläufig, daß mancher armer, auch außer seiner Armuth, bloß wegen der weiten Entfernung sich nicht so leicht entschliessen kann, bey vorfallenden Krankheiten den entlegenen Arzt zu sich zu rufen, daher dann auch mancher Hülf- und Ratloß verdürbet“, schilderte Gottfried Samuel Bäumler die medizinische Situation in der Südpfalz im frühen 18. Jahrhundert. Weite Wege und hohe Behandlungskosten hielten viele Menschen von einem Arztbesuch ab. Die Not trieb die Armen zu selbst ernannten „Heilkundigen“ oder reisenden „Harnpropheten“, die fragwürdige und oft gefährliche Methoden anwandten.

Bäumler berichtete in seinen Aufzeichnungen, wie solche Scharlatane arbeiteten: „Inzwischen weiß der betriegliche Harn-Prophet den einfältigen Landmann so zu verblenden, daß er, ohngeachtet der vielen Mord-Curen, dennoch von sich selbsten nicht sattsam klug wird. Denn jener schwätzt ihm aus seinem Harn tausend und tausend Lügen vor, und damit er ja nicht fehlen kann, so tadelt er alle innerliche und äußerliche Glieder.“ Weiter schrieb der Germersheimer Amtsphysikus: „Bald muss demnach die Miltz, bald die Leber, bald die [Gebär-] Mutter mit Schleim überzogen seyn. So er nun unter diesen Weissagungen endlich das rechte Fleckgen nennet, wo es dem Patienten wehe thut, dann bekommt er den Ruhm, daß er wahr geredet und man vertraut ihm seine edle Gesundheit blindlinks an.“

Stadt trägt ein Viertel des ärztlichen Gehalts

In Germersheim war die Situation für damalige Verhältnisse sogar vergleichsweise gut. Hier war ärztliche Hilfe leicht zugänglich. So wirkte seit 1700 Doktor Hutten in der Oberamtsstadt, und sein Nachfolger, Doktor Bäumler, war von 1707 bis in die späten 1730er-Jahre tätig. Doch letzterer litt unter den finanziellen Herausforderungen seiner Zeit.

Gemäß einer 1707 bekanntgegebenen Entscheidung des kurpfälzischen Oberamtes musste die Stadt ein Viertel von Bäumlers Gehalt tragen. So kamen für das betreffende Jahr immerhin 100 Gulden sowie eine festgelegte Menge an Korn und Wein zusammen. Angesichts knapper Kassen reagierten die Stadtväter auf die Entscheidung des Oberamtes gereizt. Die städtischen Einnahmen deckten gerade mal die laufenden Ausgaben. Belastet wurden die Kassen insbesondere durch den Spanischen Erbfolgekrieg, der auch auf südpfälzischem Boden ausgetragen wurde. So musste die Stadt Germersheim etwa sogenannte Kontributionsgelder an feindliche Truppen zahlen.

Angesichts der enormen Belastungen baten die Stadtväter das kurpfälzische Oberamt darum, ihnen den städtischen Anteil an Bäumlers Gehalt zu erlassen. Dort beharrte man jedoch auf die Beibehaltung der Regelung und wies die Stadt Germersheim im Februar 1708 an, den „Herrn Doctor daher ohne anstand bezahlen“ zu müssen.

Bäumler nimmt herausragende Rolle ein

Doch obwohl es vor Ort einen niedergelassenen Arzt gab, suchten viele Germersheimer weiterhin den Barbier, den Apotheker oder „fremde medici“ auf – bis ein Dekret von 1710 dies untersagte. Die Einwohner waren nun dazu verpflichtet, bei Krankheiten ausschließlich den „allhiesigen ordinarius“ zu konsultieren.

Unter den Germersheimer Amtsärzten des 18. Jahrhunderts nahm Gottfried Samuel Bäumler eine herausragende Rolle ein: Er praktizierte nahezu 30 Jahre lang und veröffentlichte 1735 ein Buch, das medizinisches Wissen bündelte und sich deutlich von den „Mord-Curen“ der „Quacksalber“ abgrenzte. Neben zahlreichen Rezepturen und „Hülfsmitteln“ betonte er die Bedeutung eines gesunden Lebensstils: „Das ist einmal gewiß, daß bey dieser Zeit auf des Menschen Art zu leben gar vieles ankommt.“ Und das gilt noch heute.

Gute Ernährung: In seinem medizinischen Werk betonte der Autor die Bedeutung eines gesunden Lebensstils.
Gute Ernährung: In seinem medizinischen Werk betonte der Autor die Bedeutung eines gesunden Lebensstils.
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