Kreis Germersheim Geschichten aus der Geschichte: Öl für Fasnachtskiechle

Fasnachtsgebäck gibt es inzwischen im Überfluss. Das war nicht immer so.
Fasnachtsgebäck gibt es inzwischen im Überfluss. Das war nicht immer so.

In Berlin heißen sie Pfannkuchen, im Rest des Landes Berliner, sind ein appetitlich gefülltes Hefegebäck und schmecken inzwischen ganzjährig. Ältere Mitbürger erinnern sich aber noch sehr gut, wie die Bäckerinnung für das neue Produkt Werbung machte. Zuvor gab es die Delikatesse nur zur Fastnachtszeit und trug je nach Region unterschiedliche Namen. In der Vorderpfalz hieß sie schlicht und einfach Fasnachtskiechle.

Aber so selbstverständlich wie heute waren sie nicht immer zu bekommen. Mein Freund Werner in Weingarten erinnert sich noch gut an eine Aktion gleich nach dem Krieg. Bei seinen Großeltern wären alle Zutaten für den appetitlichen Teig vorhanden gewesen. Aber die Kostbarkeiten, damals meist noch ungefüllt, mussten ja auch gebacken werden und das ging nicht einfach im Backofen wie beim Sonntagskuchen. Man brauchte flüssiges Fett und das war selbst in dem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, also quasi an der Quelle, nicht in ausreichender Menge vorhanden. Da entdeckte der Opa in einer Ecke der Scheune noch einen Sack Raps. Damit fuhr er in eine Mühle im Nachbardorf und kam mit zwei Litern Öl zurück. Nun war der Weg frei, um mit dem richtigen Gebäck feiern zu können, mehr Fasching gab es ohnehin nicht.

Vielleicht ist es gar nicht schlecht, sich in unserer Zeit des Überflusses ab und zu wieder einmal zu erinnern an Zeiten, wo man selbst um Kleinigkeiten wie Fasnachtskiechle kämpfen musste.

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